Diskussion um neue Flugroute am Stuttgarter Flughafen

Flughafen Stuttgart: Zoff um neue Flugroute – Lärmgutachten in Auftrag

Luftfahrt
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Im Streit um eine geplante neue Flugroute am Stuttgarter Flughafen hat sich Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) eingeschaltet. (Symbolbild)
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    VonLisa Klein
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Eine neue Flugroute am Stuttgarter Flughafen ist aufgrund von mehr Fluglärm hart umstritten. Nun wurde ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben.

Update vom 3. November: In der Debatte um eine umstrittene neue Flugroute am Stuttgarter Flughafen sollen ein Lärmgutachten und Tests im Simulator neue Erkenntnisse bringen. Das Gutachten soll ermitteln, wie sich der Dauerschallpegel bei unterschiedlichen Routen verändert, erklärte der Vorsitzende der Fluglärmkommission Stuttgart, Christof Bolay am Mittwoch (3. November 2021).

Bis zum nächsten Treffen im März „sollte nicht nur das Gutachten vorliegen, sondern auch Zeit sein, um die Ergebnisse interpretieren zu können“. In einem Simulator soll die Route unter anderem bei verschiedenen Wetterbedingungen ausprobiert werden, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Stuttgarter Flughafen: Streit um Fluglärm durch neue Route – Gutachten beauftragt

Anlass der Diskussion ist, dass die Fluggesellschaften Lufthansa und Eurowings eine neue Abflugroute in Richtung Süden vorgeschlagen haben. Einige Kommunen wären weniger von Lärm belastet, andere dadurch allerdings mehr. Mehrere Bürgerinitiativen wollen die Änderung der Route verhindern.

Eigentlich hätte die Fluglärmkommission schon am Dienstag über die neue Route abstimmen und eine Empfehlung abgeben sollen, damit das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung den Vorschlag prüfen kann. Ein Krisengipfel auf Einladung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor zwei Wochen hatte aber schon die Entscheidung auf das kommende Jahr vertagt, um offene Fragen klären zu können.

„Zunächst ist festzuhalten, dass die angedachte Route komplett den Sicherheitsvorkehrungen entspricht. Alle Vorgaben werden zu jeder Zeit eingehalten“, erläuterte Bolay, der auch Oberbürgermeister der Stadt Ostfildern (Landkreis Esslingen) ist, nach der jüngsten Sitzung. Für die Klärung des Konflikts werde das Verkehrsministerium eine Arbeitsgruppe vorbereiten, kündigte er an. „Dazu werden Kommunen eingeladen, von denen manche be- und andere entlastet werden würden, unabhängig davon, ob sie Mitglied der Fluglärmkommission sind.“

Flughafen Stuttgart: Unabhängiges Gutachten für umstrittene Flugroute geplant

Update vom 25. Oktober: Der Stuttgarter Flughafen hat eine neue Flugroute geplant. Die kommt einigen Anwohnern zugute, denn der Fluglärm wird dadurch mancherorts reduziert. Dennoch ist die neue Strecke bei den Stuttgartern stark umstritten, denn die Lautstärke wird zwar durch die neue Route an einer Stelle reduziert, an anderen nimmt der Fluglärm allerdings zu.

Flughafen StuttgartAbkürzung: STR
Adresse:Flughafenstraße 32, 70629 Stuttgart
Wie viele Terminals hat der Stuttgarter Flughafen?Der Flughafen Stuttgart hat vier Terminals.
Wie groß ist der Stuttgarter Flughafen?Der STR ist etwa vier Quadratkilometer groß.
Wie ist der Flughafen Stuttgart erreichbar?Am Flughafen gibt es eine S-Bahn-Station mit Verbindung zum Hauptbahnhof.

Im Zuge der aktuellen Debatte um die mögliche Einführung einer alternativen Abflugroute am Stuttgarter Flughafen haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Verkehrsminister Winfried Hermann am Mittwochabend Abgeordnete und Bürgermeisterinnen und Bürgermeister betroffener Kommunen zu einer digitalen Informationsveranstaltung eingeladen.

Flughafen Stuttgart: Anwohner kritisieren neue Flugroute – das sind die Kompromisse

Unter der Moderation von Verkehrsminister Hermann konnten bei einer Diskussionsrunde erste Kompromisse und Anhaltspunkte für das weitere Vorgehen gefunden werden. Der wohl wichtigste Punkt für die Anwohner: „Dem von einigen Kommunen vorgetragenen Wunsch nach einem unabhängigen Gesamtlärmgutachten wird Rechnung getragen, indem eine Expertengruppe die Möglichkeit und Aussagekraft eines solchen Gutachtens bewertet. Es muss sichergestellt sein, dass ein solches Gutachten entscheidungsrelevante Informationen liefern kann. Das Land bietet dafür eine Drittelfinanzierung an“, heißt es in der Pressemitteilung vom Ministerium für Verkehr in Baden-Württemberg.

Zudem wurden noch einige weitere Punkte als Ergebnis der Diskussion festgehalten:


  • Wie vom Vorsitzenden der Fluglärmkommission vorgeschlagen, wird die Fluglärmkommission am 2. November keine abschließende Empfehlung abgeben.

    Die Antragssteller (Lufthansa/Germanwings) und die Deutsche Flugsicherung als Planungsbehörde werden in der kommenden Sitzung der Fluglärmkommission Detailfragen nochmals vertieft erörtern.

    Im Falle eines später zustimmenden Votums durch die Fluglärmkommission wird ein Probebetrieb von einem Jahr angestrebt. Dieser soll auf zwei Flüge je Stunde begrenzt werden. Der Probebetrieb soll mit einer Evaluierung auf Basis der dann erhobenen realen Messwerte verbunden werden.

    Alle neu betroffene Kommunen, die bisher nicht Mitglied der Fluglärmkommission sind, sollen über die bereits stattgefundene Einbindung hinaus im weiteren Verfahren mindestens ein Gastrecht in der Fluglärmkommission haben.
  • Kretschmann und Hermann machten im Diskussionsverlauf mehrfach deutlich, dass das Land lediglich eine moderierende Rolle im Verfahren spiele. Alle Entscheidungen seien von den zuständigen Gremien zu treffen. 
  • Zudem wurde vonseiten der Antragssteller betont, dass die Zielsetzung der neuen Routenplanung zwei zentralen Zielen folge: Ein Maximum an Lärmminderung und die Einsparung von Treibstoff.

Neue Flugroute für den Stuttgarter Flughafen: Geringere Lärmbelästigung als Ziel

Ministerpräsident Kretschmann zeigte sich im Anschluss mit dem Ergebnis der Diskussionsrunde zufrieden: „Der Austausch hat gezeigt, dass es nochmal wichtig war, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, um das weitere Verfahren zu besprechen, fachliche Argumente auszutauschen und offene Fragen zu klären. Es ist uns ein großes Anliegen, dass wir zu einer fairen und konstruktiven Lösung für alle Betroffenen kommen. Es ist deshalb auch richtig, wenn sich die Fluglärmkommission dafür die notwendige Zeit nimmt. Es muss aber auch allen Beteiligten bewusst sein: Es geht um ein rein fachliches und sachliches Verfahren mit genau vorgegebenen Verfahrensschritten. Und an diesen Verfahrensschritten ist die Landespolitik rechtlich zu keinem Zeitpunkt beteiligt.“ 

Verkehrsminister Hermann ergänzte: „Es war mir wichtig, dass die Vorschläge, die als Ergebnis der Besprechung festgehalten wurden, helfen, eine akzeptable Lösung zu finden. Dabei sollten die Interessen der bisher vom Fluglärm Betroffenen wie die der möglichen Neubetroffenen berücksichtigt werden. Es gilt auch jenseits dieses Verfahrens, insgesamt die Lärmbelastung durch Verkehr zu senken.“

Flughafen Stuttgart: Neue Flugroute extrem umstritten - Politik reagiert

Erstmeldung vom 6. Oktober: Am Flughafen Stuttgart soll es künftig eine neue, zusätzliche Flugroute – zum Beispiel nach Mallorca – geben. Der Grund dafür kommt eigentlich Anwohner zugute. Denn: Die neue Flugroute soll den Fluglärm in Gebieten mit vielen Einwohnern in der Region Stuttgart reduzieren. Doch nicht alle finden diese Idee gut und der Widerstand scheint täglich zu wachsen. Zuletzt gab es eine Online-Petition mit mehr als 4.200 Unterzeichner, wie echo24.de* berichtet. Doch wieso wehren sich die Menschen gegen eine Maßnahme, die sie entlasten soll?

Stuttgarter Flughafen: Weniger Fluglärm durch neue Flugroute – aber nicht für alle

Christoph Bolay, der Vorsitzende der Fluglärmkommission für den Flughafen Stuttgart, geht davon aus, dass „90.000 Menschen vom Fluglärm entlastet werden“. Aber: Gleichzeitig fürchten die Menschen in Nürtigen, Neuhausen und anderen Orten einen Lärmzuwachs durch die neue Flugroute, wie die Stuttgarter Nachrichten (Artikel hinter Bezahlschranke, Anm. d. Red) berichten.

„Wir leiden jetzt schon unter dem Fluglärm, wenn die Maschinen von der Rollbahn abheben“, sagt Tim Pakai, der mit seiner Familie in dem neuen Wohngebiet Akademiegärten in Neuhausen auf den Fildern gebaut hat. Auch Daniel Capano ist wütend: „Wir sind davon ausgegangen, dass wir keinen Lärmschutz brauchen.“ Das könnte sich nun ändern. Steffen Siegel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Filder, sieht ebenfalls „viele Unklarheiten“ in der geplanten Flugroutenänderung. Aufgrund dessen fordert er, die Entscheidung zu verschieben und weitere Untersuchungen zu beauftragen. Aber wie genau soll sich die Flugroute ändern?

Flughafen Stuttgart: Neue Flugroute extrem umstritten – Verkehrsminister lädt zum Gespräch ein

Die Fluggesellschaften Lufthansa und Eurowings haben vier mögliche Flugrouten ausgearbeitet*. Allerdings entsteht bei jeder Route Fluglärm für die Anwohner im Raum Stuttgart – für manche Regionen mehr, für andere weniger. Eine geeignete Route ohne Lärmbelastung zu finden, ist einfach nicht möglich. Das betonte laut StN auch der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Doch weil die Abflugroute in Richtung Süden dermaßen umstritten ist, habe die Landesregierung entschieden, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, um das weitere Verfahren zu besprechen und offene Fragen zu klären. „Ich bin sehr daran interessiert, dass eine faire und konstruktive Lösung für alle Betroffenen gefunden werden kann“, sagte Hermann der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. 

Der Verkehrsminister will darüber zumindest sprechen. Möglichkeiten wie ein Probebetrieb oder ein unabhängiges Gutachten könnten diskutiert werden, heißt es nun aus dem Ministerium. Am 2. November soll die Stuttgarter Fluglärmkommission über die neue Route abstimmen und anschließend eine Empfehlung abgeben. Im nächsten Schritt schaut dann das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung auf den Vorschlag. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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