Corona-Versuch in Stuttgarter Schulen

Stuttgart: Lösung im Kampf gegen die Corona-Pandemie? Tests in Schulen

In Stuttgart sollen bei einem Versuch in ausgewählten Schulen Luftreiniger getestet werden. Ist das die Lösung im Kampf gegen das Coronavirus?

Das ständige Lüften der Klassenzimmer während des Unterrichts führt sowohl bei Schülern und Eltern als auch bei Lehrern immer wieder zu Diskussionen. Vor allem in der kalten Jahreszeit, da der Raum sehr schnell abkühlt, die Schulen mehr Heizkosten haben und allgemein mehr CO₂-Emissionen entstehen. Ein weiterer großer Kritikpunkt ist auch immer wieder die Maskenpflicht im Unterricht in Baden-Württemberg.

Versuch an Stuttgarter Schulen: Wer erhält einen Luftreiniger?

Die Zahlen der Coronavirus-Neuinfektionen in Deutschland steigen weiterhin drastisch. Im Kampf gegen das Coronavirus sollen in Stuttgart nun ausgewählte Schulen probeweise verschiedene Luftreiniger erhalten. Insgesamt werden zehn Räume an neun Schulen unterschiedlicher Schularten mit Luftreinigern ausgestattet, das teilte die Landeshauptstadt am Donnerstag mit.

Dabei handelt es sich um einen Versuch, der von der Universität Stuttgart wissenschaftlich begleitet wird. Unter Realbedingungen sollen die Luftreiniger unterschiedliche Hersteller und auch Gerätemodelle zum Einsatz kommen und umfangreich getestet werden.

Luftreiniger in Stuttgarter Schulen: So funktioniert‘s

Die Luftreiniger sollen dabei aber keineswegs ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln. Sie sollen vor allem in Räumen eingesetzt werden, in denen nicht optimal gelüftet werden kann. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, habe auch weiterhin das Stoßlüften an den Schulen oberste Priorität. Die Luftreiniger sollen das Lüften nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen.

So funktioniert richtiges Lüften

In Schulen sollte mindestens alle 20 Minuten für mindestens fünf bis zehn Minuten gelüftet werden.

Zum Lüften sollten alle Fenster weit geöffnet werden. Nur ein Fenster teilweise zu öffnen oder die Fenster zu kippen reicht nicht aus. Ideal ist das Querlüften, wenn Fenster auf gegenüberliegenden Seiten geöffnet werden können.

Die Luftreiniger filtern Staub, Pollen und andere Partikel aus der Luft, führen dabei aber keine frische Luft hinzu. Der Versuch soll zeigen, wie wirksam die Filter in der Praxis wirklich sind und welche Gerätetypen sich für welche Art von Klassenzimmern und Räume eignen. Auch der Stromverbrauch sowie mögliche Gefahren, die von den Geräten ausgehen können, sollen geprüft werden.

Werden künftig in allen Schulen Luftreiniger eingesetzt?

Auf Grundlage des Versuchs in Stuttgart soll entschieden werden, ob Luftreinigungsgeräte künftig flächendeckend eingesetzt werden sollen. Zudem soll dadurch abgeschätzt werden, wie hoch die Kosten für die Landeshauptstadt sind. Im Vorfeld wurden für die Untersuchung die Fenster in rund 12.500 Klassenzimmern inspiziert. Die Reinigungsgeräte sollen im Dezember aufgestellt werden.

Schon länger wird über die Luftfilteranlagen als Revolution in Klassenzimmern ausgiebig diskutiert. Die Corona-Pandemie erfordert neue Lösungen und das möglichst schnell. Die Gesundheitsämter sind am Limit. Baden-Württemberg zieht momentan sogar in Erwägung, die Weihnachtsferien früher als geplant starten zu lassen.

Luftreiniger in Schulen: Die Anti-Covid-Box aus Güglingen bei Heilbronn

Neben Anleitungen und Ideen für selbstgebaute Lüftungsanlagen, arbeiten derzeit mehrere Firmen an Luftreinigern. Die Anti-Covid-Box der Firma IKG aus Güglingen bei Heilbronn saugt Sars-CoV-2-Viren aus der Raumluft. Die Anti-Covid-Box funktioniert nach dem Quellluftprinzip und tauscht kontaminierte Raumluft gegen Frischluft aus.

Was ist das Quellluftprinzip?

Die Frischluft wird bodennah ausgeblasen und bildet einen Frischluftsee am Boden. An warmen Flächen – zum Beispiel am Menschen – steigt die Frischluft nach oben. Die Frischluft wird also an die Stelle transportiert, wo sie gebraucht wird. Der Mensch atmet die Frischluft ein und gibt sie als kontaminierte Luft nach oben wieder ab.

Dabei ist die Box keine Filteranlage: Eine Filteranlage saugt Luft ein, filtert sie und bläst die saubere Luft wieder in Raum. Doch selbst der beste Filter könne nie alle Mikroorganismen aus der angesaugten Luft rausfiltern. Die Anti-Covid-Box aus Baden-Württemberg tauscht hingegen die kontaminierte Raumluft gegen Frischluft aus.

KIT-Forscher entwickeln Luftreiniger Aerobuster

Bisher sprachen vor allem die sehr hohen Kosten von Luftfilteranlagen oder Luftreinigern gegen eine flächendeckende Einführung. Der neue Aerobuster des KIT soll hingegen nur geringe Anschaffungskosten mit sich bringen. Der Aerobuster hat dabei nur die Größe einer Stehlampe. Er besteht aus einem Metallrohr, in das die Luft zuerst eingesaugt wird. Ein Heizmodul trocknet die Aerosole, anschließend werden die Viren mit UV-C-Strahlung vernichtet. Mit der entstehenden Abwärme können zudem die Räume geheizt werden. Bevor der Aerobuster an den Markt geht, sollen vorerst 100 Prototypen gebaut, erprobt sowie weiterhin optimiert werden.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

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