Weg von der Stadtautobahn hin zum grünen Verkehrsstreifen

Krasse Änderung der B14 geplant - Stuttgarts Bundesstraße bekommt radikal neues Gesicht

Autos fahren über die B14 in Stuttgart.
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Die B14 in Stuttgart soll radikal umgebaut werden.
  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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Die B14 in Stuttgart bekommt einen neuen, modernen Look. Das ist die Folge eines internationalen städtebaulichen Wettbewerbs. Was sich in Zukunft ändern soll.

  • Die B14 in Stuttgart bekommt ein völlig neues Aussehen.
  • Das ist das Ergebnis eines internationalen städtebaulichen Wettbewerbs.
  • Zukünftig wird sich einiges ändern rund um die unschöne Stadtautobahn.

Bislang war die B14 geprägt von viel Beton. Jetzt soll sich Stuttgarts Stadtautobahn - und damit auch das Stadtbild - radikal verändern. War die B14 in Stuttgart vor allem für den Autoverkehr ausgelegt, sollen zukünftig auch Radfahrer und Fußgänger Beachtung finden. Dazu soll die Idee der Stuttgarter Arbeitsgemeinschaft asp Architekten GmbH/Koeber Landschaftsarchitekten GmbH umgesetzt werden. Diese hatten am Mittwoch den internationalen städtebaulichen Wettbewerb „Neuer Stadtraum B14" gewonnen.

Stuttgart: B14 bekommt völlig anderes Gesicht

„Der Siegerentwurf ist visionär und ein Grundstein für die Stadtentwicklung. Jetzt soll diese Schneise, eine Art Stadtautobahn, zu einer normalen Stadtstraße werden. So steigern wir die Qualität des öffentlichen Raums, schaffen Aufenthaltsqualität und tragen zur Überwindung der Dominanz des Autoverkehrs bei", begründete Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn die Wahl des Stuttgarter Duos zum Sieger.

Die Pläne von asp/Koeber, die zuvor auch schon den Wettbewerb für das Stuttgarter Rosenquartier für sich entschieden hatten, betreffen die etwa vier innerstädtischen Kilometer der B14. Sie sollen laut Cem Arat, Geschäftsführer der asp Architekten GmbH,  zukünftig zum „durchgrünten Stadtraum“ werden. „Indem wir die verschiedenen Querungen der B14 stärken und nicht die Achse.“

Stuttgart: Das sind die geplanten Änderungen rund um die B14

Für diese visionäre Veränderung der B14 benötigt es viele schrittweise Anpassungen des Stuttgarter Stadtbilds und auch der Bundesstraße selbst. Konkret sehen die Planungen von asp/Koeber, die hier als PDF abgerufen werden können, Folgendes vor:

B14 in Stuttgart: Änderungen zwischen Heslacher Tunnel und Österreichischer Platz

  • Rückbau auf zweispurige Straße
  • der gewonnene Platz bietet die Möglichkeit für Fuß- und Radwege
  • Entstehung von drei sogenannten Pocketparks (kleine Grünflächen) an der Ostseite der Strecke
  • Umwandlung des Tunnel am Österreichischen Platz zu „Paulines Park“, ein multifunktionaler Grünbereich
  • Verknüpfung des neu entstandenen Aktivparks mit der Paulinenstraße
  • Entstehung eines Baumdachs am Südtor als „grünes Tor in die Stuttgarter Innenstadt“

B14 in Stuttgart: Änderungen zwischen Österreichischer Platz und Charlottenplatz

  • dreispurige Verkehrsführung
  • Teilbebebauung der durch den Straßenrückbau entstandenen Schneisen
  • eventuelle Wohnraumgewinnung zwischen Wilhelmsplatz und Charlottenplatz
  • Entstehung mehrerer Querverbindungen (z.B. Richtung Marktplatz) zur Durchbrechung der ehemaligen Verkehrsachse
  • Aufwertung des Wilhelmsplatzes mit südländischem Flair (unter anderem durch Einfassung mit Stadtbäumen)
  • engere Anbindung der Leonhardsvorstadt an die Innenstadt
  • Entstehung eines neuen Kulturquartiers rund um Leonhardskirche und Gustav-Siegle-Haus
  • Verlängerung der Kulturmeile bis zum neuen Quartier
  • engere Verknüpfung zwischen Leonhardsviertel und Marktplatz

B14 in Stuttgart: Änderungen zwischen Charlottenplatz und Schwanentortunnel

  • vierspuriger Ausbau
  • Entstehung eines 30 Meter breiten, alleengesäumten Parkstreifens
  • Einrichtung eines Stadtboulevards am Neckartor
  • ebenfalls Schaffung von Querverbindungen
  • Entstehung eines neuen, multifunktionalen Quartiers am Schlossgarten

„Stuttgart wird gewinnen, wenn dieser Bereich so entwickelt wird wie vorgeschlagen. Der Entwurf nutzt vorhandene Qualitäten, repariert Schwachstellen und unterteilt das Gebiet klug in Sequenzen", erklärte der Vorsitzende des Preisgerichts, Patrick Gmür, im Hinblick auf die zahlreichen Optimierungsvorschläge der siegreichen Architekten. Diese wollten nicht weg von einer Strecke für Autos, sondern hin zu einer Verkehrsachse für alle.

Auch insgesamt lässt sich ein verbindendes Grundkonzept der Architekten erkennen. Durch die vielen neuen Querstraßen soll die B14 aufgelockert werden, sodass langfristig eine Verbesserung der stadtinternen Infrastruktur Stuttgarts entstehen kann. Vor der Umsetzung steht nun allerdings zunächst eine Machbarkeitsstudie an, die die Planungen der Architekten auf den Prüfstand stellt.

Am Wettbewerb „Neuer Stadtraum B14" hatten insgesamt 23 Akteure teilgenommen. Pläne und Ideen waren den Juroren mittels anonymer Kennzahlen zur Entscheidung vorgelegt worden. Nach rund eineinhalb Tagen Beratung hatte die Jury sich einstimmig für asp/Koeber entschieden. Sie erhalten als Sieger ein Preisgeld von 100.000 Euro. Vier weitere Architekten oder Arbeitsgemeinschaften waren außerdem ausgezeichnet worden.

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