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Streit um Tampon-Automat auf Herrentoilette: „Grüner Wahnsinn im Stuttgarter Rathaus“

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Von: Kathrin Kuna

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Ein Tampon-Automat auf einer Herrentoilette des Stuttgarter Rathauses.
Die Tampon-Automaten auf den Herrentoiletten des Rathauses haben zu einer heftigen Debatte in der Kommunalpolitik in Stuttgart geführt. © Stadt Stuttgart

In der Kommunalpolitik in Stuttgart tobt derzeit ein heftiger Streit. Der Grund: Kostenlose Tampon-Spender auf der Herrentoilette.

Für die Hälfte der Bevölkerung gehört sie unweigerlich zum Alltag dazu: Die Menstruation. Schmerzen und Strapazen sind ständige Begleiter, über die immer mehr gesprochen wird. Um Tabus zu brechen und auf eine mangelnde Geschlechtergerechtigkeit hinzuweisen, stellen einige Städte im Südwesten bereits Binden und Tampons kostenlos zur Verfügung, so etwa in Karlsruhe, Heidelberg und Tübingen.

Doch in der Landeshauptstadt Stuttgart hat sich die Debatte um die Menstruationsartikel zu einer öffentlichen Schlammschlacht entwickelt. Das Stuttgarter Oberhaupt Frank Nopper (CDU) sieht sich von allen Richtungen heftigen Anfeindungen ausgesetzt. Der Grund: In den Toiletten des Rathauses und der Bürgerbüros wurden Tampon-Automaten installiert, und zwar auf allen Toiletten – auch auf den Herren-Klos.

Tamponspender im Stuttgarter Rathaus gehen auf Antrag der Grünen zurück: „Auch für nicht-binäre und Trans*Menschen“

Die Tampon-Automaten gehen auf eine Initiative der Grünen-Fraktion zurück. Diese haben den Antrag gestellt, dass die Toiletten im Stuttgarter Rathaus und in sämtlichen Bürgerbüros mit „Tampons und Binden in Bio-Qualität ausgestattet“ werden mögen. Die Begründung dazu lautet: „Niemand sollte aufgrund der Menstruation zusätzlich Stress, finanzielle oder soziale Nachteile erfahren.“ Wie der SWR berichtet, wurde für die Tamponspender 10.000 Euro im Haushalt zur Verfügung gestellt.

Dass Binden und Tampons auch auf der Herrentoilette zur Verfügung stehen, erklärte die Pressesprecherin des Stuttgarter Rathauses Jana Steinbeck gegenüber der Bild folgendermaßen: „Die Produkte liegen sowohl in den Damen- als auch Herrentoiletten aus, damit sie auch von nicht-binären oder Trans*Menschen genutzt werden können.“

OB Nopper zu Tampon-Automaten: „Von Sorgen und Nöten der großen Mehrheit der Menschen entfernt“

Auch der Oberbürgermeister von Stuttgart, Frank Nopper (CDU), äußerte sich zunächst sachlich zu der Entscheidung. In seinem neuesten Facebook-Post schlägt er jedoch neue Töne an und behauptet: „Ich habe mich in den Haushaltsberatungen klar gegen solche Angebote im Stuttgarter Rathaus ausgesprochen. Leider wurde ich überstimmt. Die Debatte zeigt, wie weit sich Teile der Kommunalpolitik von den wirklichen Sorgen und Nöten der großen Mehrheit der Menschen entfernt haben.“

Auch CDU-Fraktionschef Alexander Kotz findet deutliche Worte. Er spricht vom „grünen Wahnsinn im Stuttgarter Rathaus“, der anscheinend keine Grenzen mehr kenne. Er fordert, die Tampon-Spender umgehend zu entfernen: „Dieser Grüne Irrsinn auf den Herrentoiletten gehört besser heute als morgen beendet. Unsere Bürgerinnen und Bürger denken bei solchen Aktionen doch, die im Rathaus sind völlig durchgeknallt.“

Petra Rühle (Die Grünen) zu Tampon-Automaten im Rathaus: Solche Angebot sollen selbstverständlich sein

Die Grünen-Fraktionschefin Petra Rühle hingegen bekräftigt die Entscheidung und meint, dass in einer aufgeklärten, offenen Gesellschaft ein solches Angebot wie die Tampon-Automaten in den Herrentoiletten selbstverständlich sein müsse. „Gerade trans* und inter*Personen, die menstruieren, sind noch einmal ganz anderer struktureller Diskriminierung ausgesetzt, da ihre Bedürfnisse insbesondere auch in Hinblick auf Hygieneprodukte und gynäkologischer Versorgung leider oftmals negiert, ignoriert oder gar ins Lächerliche gezogen werden“, so Rühle.

Streit um Tampon-Automaten in Rathaus Stuttgart eskaliert: Luigi Pantisano (Die Linke) teilt aus

Ein Instagram-Post von Stadtrat Luigi Pantisano (Die Linke) lässt den Streit um die Tampon-Automaten im Stuttgarter Rathaus endgültig eskalieren. In seinem Beitrag wirft er dem Stuttgarter Oberhaupt Nopper vor, ein „Spalter und Hetzer“ zu sein. „Sie spalten die Stuttgarter Stadtgesellschaft und Sie hetzen Ihre rechten und rechtsextremen Anhänger gegen die LSBTTIQ-Community in Stuttgart auf und gefährden damit auf die Sicherheit von Transmenschen“, so Pantisano.

Weiter heißt es von Pantisano, dass Nopper nicht einmal merke, wie hinter seinem Rücken „in der gesamten Verwaltung und großen Teilen der Stadt getuschelt wird, wie sich viele Menschen über Sie lächerlich machen. Wie wenig Sie ernst genommen werden im Rathaus.“ Aus Sicht des Linken-Politikers solle er sich lieber aus der Kommunalpolitik raushalten und stattdessen „irgendwelche Fässer anstechen“.

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