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Reaktion auf Ukraine-Krieg – Bosch schränkt Russlandgeschäft massiv ein

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Der Ukraine-Krieg trifft auch viele Firmen in Baden-Württemberg. Bosch hat sich nun ausführlich zu der Situation geäußert und schränkt Russlandgeschäft massiv ein.

Update, 18. März: Angesichts des Ukraine-Krieges hat der Autozulieferer Bosch sein Russlandgeschäft massiv eingeschränkt. Das betreffe sowohl Lieferungen in das Land als auch die dortige Fertigung, teilte der Technologiekonzern am Freitag in Gerlingen bei Stuttgart mit. Der Handel mit Ersatzteilen sei bereits zum Erliegen gekommen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Der Konzern liefere auch keine Lastwagen-Komponenten mehr in Russland und an russische Kunden. Nachdem es Hinweise gegeben habe, dass Bosch-Teile missbräuchlich „in nicht-zivilen Anwendungen“ verbaut worden seien, laufe eine Überprüfung.

Bosch: Firma äußert sich zum Vorwurf – Russlandgeschäft massiv eingeschränkt

Bosch hatte zu Wochenbeginn den Vorwurf des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba zurückgewiesen, wonach das Unternehmen Komponenten für russische Infanteriefahrzeuge geliefert haben soll. Die genannte Komponente sei nicht von Bosch an den Hersteller geliefert worden, auch wenn es sich dabei um ein Teil aus der eigenen Produktion handele, hatte es geheißen.

„Selbstverständlich halten wir uns an alle bisherigen und künftigen rechtlichen und gesetzlichen Vorgaben – dazu gehören auch Sanktionen“, hieß es in einer Mitteilung.

Bosch: Reaktion auf Ukraine-Krieg – Firma bezieht klar Stellung

Update, 04. März: Knapp über eine Woche ist bisher vergangen, seitdem der russische Präsident Wladimir Putin den ersten Angriff auf die Ukraine erteilte. Die aktuelle Lage ist dramatisch. Der Tag des 24. Februars hatte in der Ukraine mit heulenden Sirenen begonnen – und der Meldung, dass es Explosionen gegeben hatte. Eine Nachricht, die nicht nur bei der ukrainischen Bevölkerung, sondern auf der ganzen Welt für Entsetzen sorgte. Viele Unternehmen beschäftigen sich seitdem damit, wie sie auf die Situation reagieren soll – auch Firmen aus Baden-Württemberg wie Bosch.

Das Unternehmen Robert Bosch GmbH beobachtet die Situation in der Ukraine sehr aufmerksam, wie eine Sprecherin auf echo.24.de-Anfrage mitteilt. „Wir prüfen derzeit die Auswirkungen der aktuellen Sanktionen sehr sorgfältig. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Lieferungen nach Russland teilweise unterbrochen und nehmen momentan in den lokalen Werken keine neuen Aufträge an.“ In dem Statement heißt es weiter: „Die bestehenden Aufträge in den lokalen Werken werden derzeit noch abgearbeitet. Selbstverständlich halten wir uns an alle rechtlichen und gesetzlichen Vorgaben.“

Bosch macht Milliarden in Russland und der Ukraine: „Große Sorge“ wegen Krieg

Erstmeldung vom 25. Februar: Während die Lage in der Ukraine sich leider weiter zuspitzt, sind die Auswirkungen auch hierzulande bereits deutlich zu spüren. Für viele Unternehmen in Baden-Württemberg und Deutschland steht wirtschaftlich viel auf dem Spiel. Auch für die Robert Bosch GmbH mit rechtlichem Sitz in Stuttgart. Sie beschäftigt in Russland und der Ukraine Tausende Mitarbeiter. Auch einen Fertigungsstandort gibt es im Westen der Ukraine. Das Unternehmen hat die Entwicklungen im Ukraine-Krieg daher sehr genau im Blick, wie eine Sprecherin auf echo24.de-Anfrage mitteilt.

„Wir verfolgen die jüngsten Entwicklungen in der Region und ihre möglichen politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen mit großer Sorge“, erklärt Bosch-Sprecherin Irina Ananyeva noch am gestrigen Donnerstagabend. Stunden zuvor hatte der seit Jahren schwelende Konflikt die unfassbare Wendung genommen. Russlands Präsident Wladimir Putin ordnete einen militärischen Angriff an. Mittlerweile gibt es bereits schlimme Kämpfe in der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

Bosch wegen Ukraine-Krieg „in großer Sorge“: Milliarden-Geschäft gefährdet

Doch nicht nur dort. Überall im Land hatte russisches Militär bereits gestern zugeschlagen, wie Karten zeigen. Auch Bosch ist längst direkt betroffen. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 350 Mitarbeiter in der Ukraine, in Russland sind es etwa 3.400 Menschen.

Auch wenn aktuell keine deutschen Mitarbeiter im Land seien: Für Bosch hätten die Angestellten die höchste Priorität. „In der Hoffnung, dass bald wieder am Verhandlungstisch nach einer diplomatischen Lösung gesucht wird, treffen wir alle erforderlichen Vorkehrungen für den Schutz unserer Mitarbeiter“, erklärt die Unternehmens-Sprecherin. „Wir halten sie zu den aktuellen Entwicklungen informiert und haben Empfehlungen zum Verhalten in der aktuellen Lage ausgesprochen. Geschäftsreisen in die Ukraine sind bereits seit einiger Zeit ausgesetzt, Inlandsreisen stark eingeschränkt.“

Urkaine-Krieg: Bosch hält Fertigungsstandort nahe der Angriffe

Dass sich die Lage auch für Bosch weiter zuspitzen könnte, ist klar. Im Westen der Ukraine hält die Firma einen Fertigungsstandort. In Krakowez direkt an der Grenze zu Polen gab es zwar bislang nach übereinstimmenden Medienberichten noch keine Angriffe seitens Russland. Doch die bestätigten Attacken in Lemberg sind nicht einmal 100 Kilometer weit weg.

Verschiedenen Medien zufolge waren zudem aus dem kleinen Ort Krakowez heraus bereits gestern Menschen aus der Ukraine nach Polen geflohen. Für Bosch ist wohl auch deshalb am Wichtigsten, das „Augenmerk in diesen Tagen auf die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Region“ zu richten.

Bosch: Deutliche Worte zu Sanktionen gegen Russland

Inwiefern auch ein wirtschaftlicher Schaden entstehen wird, sei ebenfalls gerade Teil der Evaluation. Einen ähnlichen Krisenstab hatte auch Audi zum Ukraine-Krieg gebildet. Die Auswirkungen für Kunden wolle man bei Bosch so gering wie irgend möglich halten. Doch die Sanktionen werden sicher auch das Millionen-Geschäft des deutschen Technik-Unternehmens treffen.

Nach vorläufigen Zahlen lag der Umsatz von Bosch in Russland 2021 bei rund 1,2 Milliarden Euro. In der Ukraine waren es etwa 170 Millionen Euro, heißt es vom Unternehmen. Auch angesichts möglicherweise gravierender Verluste spricht sich das Unternehmen aber deutlich für die harten Sanktionen gegen Russland aus.

„Die Entwicklung konkreter Handlungsoptionen liegt in der Verantwortung der Politik. Aktuell hat die diplomatische Lösung der militärischen Konfliktlage Vorrang. In dieser Hinsicht verstehen wir auch die bisherigen Handlungen und Maßnahmen der Bundesregierung und der Bündnispartner“, erklärt Ananyeva. Man setze „natürlich alle aktuellen und zukünftigen Regularien“ strikt um.

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa

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