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„Bretterbutze“ statt „Budderbrezl“: Marketing in BaWü sorgt für Verwirrung

Korrekte Aussprache BaWü Edition
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„Bretterbutze“ statt „Budderbrezl“ – eine Marketing-Aktion in Baden-Württemberg sorgt für Verwirrung.
  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
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Schwäbisch schwätzen kann nicht jeder, doch dass bei der neuen Marketing-Aktion von Baden-Württemberg was nicht stimmt, dürfte vielen auffallen.

Vor allem für Zugezogene ist Schwäbisch manchmal gar nicht so einfach und eine neue Marketing-Aktion vom Land Baden-Württemberg dürfte bei so manchen für weitere Verwirrungen sorgen: Seit einigen Wochen bespielt das Landesmarketing Baden-Württemberg seine Social-Media-Kanäle mit Clips der Reihe „Korrekte Aussprache - BaWü-Edition“.

Jeder in Baden-Württemberg weiß eigentlich, was mit „Budderbrezl“ oder „Mauldäschle“ gemeint ist, doch warum spricht das Land nun von „Bretterbutze“ und „Manteltasche“? In den kurzen Clips auf Instagram werden Wörter wie „Butterbrezel“, „Maultasche“, „Wibele“ und „Klopapierrolle“ angezeigt. Eine Stimme aus dem Off spricht diese dann bewusst verfremdet aus: „Bretterbutze“, „Manteltasche“ oder „Klapapaprolle“ - französisch angehaucht.

Darauf folgt meist eine kurze Begriffserklärung wie: „An zwei Stellen geklebt und verknotet hält die Bretterbutze trotzdem wie geschmiert.“ Die Internetnutzer reagieren unterschiedlich auf die Marketing-Aktion: Die einen erkennen das erfolgreiche Format „korrekte Aussprache“ des Künstlerkollektivs Luksan Wunder wieder, das bereits seit Jahren derartige Videos ohne Baden-Württemberg-Bezug ins Netz stellt. Andere stellen Sinn und Zweck des Ganzen infrage. Und manche korrigieren auch und verweisen auf den Heimatdialekt: Das heißt „Budderbrezl“ und„Mauldäschle“.

Schwäbisch: Marketing-Aktion von Baden-Württemberg – der Hintergrund

Doch wozu das Ganze? „Wir wollten eine Gegenwelt entwerfen für Leute die auf Partys falsch Prosetscho bestellen“, sagt Charlotte Hübsch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie könnten dann die Videos googeln und beweisen, dass ihre Aussprache doch stimmt. „Sodass den Leuten recht gegeben wird, die auf der falschen Seite stehen.“ Das Ganze ist mit einem dicken Augenzwinkern zu verstehen.

„Gerade auf Instagram konnten wir mit der Reihe eine große Reichweite von bis zu knapp 50.000 Impressionen pro Clip erzielen“, teilte ein Sprecher des Staatsministeriums in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart mit. 15 Videos sind bisher produziert worden.

Dabei dreht es sich immer um Erfindungen aus Baden-Württemberg. Während das bei Spätzlepresse, Butterbrezel und Kuckucksuhr wohl den meisten auffallen dürfte, braucht man bei Spaghettieis, Dauerwelle und Relativitätstheorie schon mehr Wissen.

Baden-Württemberg: Marketing-Aktion kommt nicht bei allen gut an

Wem das Wissen fehlt, dem hilft das Landesmarketing weiter. Es ordnet die Clips auf den Accounts von bwjetzt bei Instagram, Facebook, Twitter und Youtube ein: „Wusstet ihr, dass die erste Klopapierrolle Deutschlands aus Ludwigsburg kam? Die 1928 gegründete Firma @hakle_hygienepapiere warb mit garantiert 1.000 Blatt für ihr neues Produkt.“

Ralf Knöbl vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim findet die Parodien super. Teils würden typische Ausspracheprobleme angetippt wie die Aussprache von Y als Ü oder I, was etwa bei Libyen oft schiefgehe. Falsche Aussprache bei Fremdwörtern wie Prosecco oder Gnocchi gebe es auch in der Sprechrealität.

„Trotzdem sehe ich die Gefahr nicht, dass falsche Aussprachen dadurch verfestigt oder gar erlernt werden“, sagt der Mitautor des Aussprachedudens. „In den allermeisten Fällen ist die Aussprache deutlich stilisiert und als Parodie markiert.“ In diese Richtung gab es bereits Kritik für die Marketing-Aktion in Baden-Württemberg, dass Leute, die Deutsch lernen und wirklich korrekte Aussprache hören wollen, in die Irre geleitet werden würden.

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