1. echo24
  2. Baden-Württemberg

Öhringer Hallenbad bleibt zu: Protest der Bevölkerung verpufft

Erstellt:

Kommentare

Junge springt in Hallenbad ins Wasser
Ob die Petition den Gemeinderatsbeschluss kippen kann und das Rendelbad in Öhringen doch öffnet? © Archiv

Ende Juli erst beschließt der Gemeinderat Öhringen noch die Hallenbad-Schließung, um Energie zu sparen. Einen Monat später wird der Protest der Bevölkerung immer lauter. Im September hat der Gemeinderat neu beraten, jetzt steht fest: Das Hallenbad bleibt zu.

29. September, 9 Uhr: Am Dienstagabend hat der Öhringer Gemeinderat (Hohenlohekreis) erneut darüber beraten, ob das örtliche Hallenbad geschlossen bleiben soll, um Energie zu sparen. Mit knapper Mehrheit sprach sich das Gremium dafür aus, dass das Bad vorerst nicht öffnen wird. Die mehr als 2.600 Unterschriften der Petition bleiben also wirkungslos.

Viele Öhringer, die im Saal die Debatte live mitverfolgt hatten, sind enttäuscht. Ein Zuhörer kritisierte die Entscheidung im Interview mit dem SWR: Für alte Menschen sei der wöchentliche Hallenbadbesuch „oft das letzte bisschen Lebensqualität“. Das man diesen nun verweigere, „weil Öhringen die Welt rettet, das kann es doch nicht sein“, sagte er. Oberbürgermeister Thilo Michler ist parteilos. Er war im Vorfeld für die Öffnung.

„Ich mache keinem Hoffnung, dass das Hallenbad diesen Winter noch öffnet.“ Sagt er. Er könne es sich im Moment nicht vorstellen, freue sich aber über Wunder, so Michler. Jetzt will die Stadt mit dem Nachbarort Pfedelbach verhandeln, ob sie dort das Lehrschwimmbecken mitbenutzen können.

15. September, 12:04 Uhr: Neuigkeiten aus dem Bürgermeisterbüro in Öhringen: Nachdem der Petitionsinitiator, Dr. Constantin B. Rohsbach am Donnerstagvormittag die Petition mit 2.636 Unterschriften an den Oberbürgermeister Thilo Michler übergab, fiel die Entscheidung, dass der Gemeinderat am 27. September nochmals über die Hallenbad-Schließung berät.

Dr. Constantin B. Rohsbach übergibt Petition an Thilo Michler
Dr. Constantin B. Rohsbach übergibt im Öhringer Rathaus die Petition gegen die Hallenbad-Schließung an Oberbürgermeister Thilo Michler. © Stadt Öhringen

Oberbürgermeister Thilo Michler würdigte das politische Engagement der Unterzeichnenden: „Ich bedanke mich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich für demokratische Beteiligung engagieren. Erst seit 2020 gilt der Gemeinderat als gültiger Adressat für Petitionen. Nun werden wir das Thema Hallenbad, unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen auf dem Energiemarkt, in der Gemeinderatssitzung am 27. September noch einmal beraten.“

Erstmeldung, 27. August: 2.180 – so viele Unterschriften hat die Petition gegen die Schließung des Hallenbads in Öhringen bereits gesammelt. (Stand am Morgen des 26.08. ) Die Überschrift der Petition: „Wir fordern die Öffnung des Hallenbades!“ Eines der Argumente, die laut Petition für eine Öffnung sprechen: Bereits durch Corona haben immer weniger Kinder das Schwimmen erlernt. Eine Schließung des Hallenbads würde die Situation weiter verschärfen. Schwimmen zu lernen ist der beste Schutz vor Unfällen, denn gerade Kinder ertrinken häufig lautlos.

Petition gegen Schließung des Hallenbads in Öhringen: Schwimmkurse für Kinder und Babys wichtig

„Viele Familien können sich bei den gestiegenen Preisen keinen oder weniger Urlaub leisten; das Hallenbad stellt eine schöne Freizeitbeschäftigung für Familien und Wassersportvereine dar“, heißt es in der Petition gegen die Schließung des Öhringer Hallenbads weiter. Unter anderem stärkten Besuche in der Sauna laut dem Initiator der Petition gerade im Herbst und Winter das Immunsystem. Darüber hinaus dienten Babyschwimmkurse als Training des kindlichen Bewegungsapparates und dem persönlichen Austausch zwischen Eltern. 

Gemeinderatssitzung stimmt mit knapper Mehrheit für die Schließung des Öhringer Hallenbads

Als eine von mehreren Energiesparmaßnahmen in Hinblick auf eine mögliche Energiekrise im Winter beschließt der Gemeinderat Öhringen in der Gemeinderatssitzung vom 26. Juli, dass das Hallenbad vorerst geschlossen bleibt. Zuvor hatte sich Oberbürgermeister Thilo Michler vehement gegen die Schließung ausgesprochen im Hinblick auf die bald anlaufenden Schwimmkurse. Dennoch wurde die Schließung mit einer knappen Mehrheit beschlossen. 

Auch die Vorsitzende des Sportkreises Hohenlohe, Barbara Eckle, sagt gegenüber der Heilbronner Stimme: „Ich halte es für unverantwortlich, Schwimmbäder ganz zu schließen. Ein wichtiger Sicherheitsfaktor für unsere Kinder ist das Erlernen der Schwimmfähigkeit“. Auch der heimische Sportverein, TSG Öhringen nennt die Entscheidung „völlig unverständlich“ und für den Verein eine „Katastrophe“. Die Führungsriege hat sich nun auch schon in Form eines Protestbriefs an den Oberbürgermeister Thilo Michler gewandt. 

Schließung von Hallenbädern? Städte fordern klare Vorgaben der Landesregierung

Zuletzt forderten unter anderem die Stadt Heilbronn und Niedernhall, dass die Landesregierung in dieser Hinsicht Vorgaben macht. „Bei der Schließung von öffentlichen Einrichtungen vertrete ich die Meinung, dass dies durch eine Verordnung des Landes erfolgen muss. Und nicht durch freiwillige Entscheidungen auf kommunaler Basis“, sagt Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck der Hohenloher Zeitung.

Trotz Energierkrise: Diese Bäder in der Region Heilbronn bleiben weiterhin geöffnet

In vielen anderen Gemeinden werden Schließungen ebenfalls diskutiert. Weil Bildungseinrichtungen aus Braunsbach oder Waldenburg, Vereine und die DLRG das Bad mitbenutze, entscheidet sich beispielsweise die Gemeinde Kupferzell gegen die Energiesparmaßnahmen und für die Öffnung des Hallenbads am 12. September. Auch in Niedernhall, Künzelsau und Ingelfingen gehen die Türen der Hallenbäder wie gewohnt im September wieder auf. 

Ob die Petition gegen die Schließung des Hallenbades in Öhringen eine Auswirkung auf die Entscheidung des Gemeinderats hat, bleibt abzuwarten. Bereits eine Kompromisslösung, mit der Schwimmkurse und Sportunterricht aufrechterhalten werden können, könnte ein Gewinn für die Petitionsbefürworter darstellen.

Auch interessant

Kommentare