Blackfacing im Fokus

Rassismusdebatte in Ulm: Sternsinger bald ohne geschwärzte Gesichter?

  • Marc Thorwartl
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Die Donaustadt kommt nicht zur Ruhe. Nach der Krippenaktion in der Münstergemeinde rückt jetzt das Blackfacing in den Fokus.

Ulm machte am Dienstag den Anfang. Die evangelische Münstergemeinde wollte ein Zeichen gegen Rassismus setzen - und verbannte die Heiligen Drei Könige aus ihrer Krippe, die auf eine bildhafte Darstellung von Franz von Assisi zurückgeht. Wegen des schwarzen Melchiors, der wohlbeleibt und mit dicken Lippen dargestellt ist. Dekan Ernst-Wilhelm Gohl erklärte, die Gemeinde würde damit auf die anhaltende Rassismus-Debatte reagieren. Wie der SWR berichtet, wolle die Gemeinde eine endgültige Entscheidung im Umgang mit der Figur des Melchiors „in aller Ruhe im kommenden Jahr“ fällen.

Rassismusdebatte: Diözese Rottenburg-Stuttgart ohne Vorgabe

In der Debatte um die Krippenfigur hat der württembergische Landesbischof Frank Otfried July die Entscheidung der Donau-Gemeinde einen Tag später unterstützt und erklärt, der Weg, den man in Ulm gehe, sei richtig. Gleichzeit meinte er aber auch, dass ein Wegsperren der Reliquien der schlechtere Weg wäre. Vielmehr solle man die Figuren mit einem klärenden Kommentar versehen. Es sei unsinnig, Dinge im Nachhinein der gegenwärtigen Überzeugung anzupassen. Man solle sie erklären und in eine derzeitige, kritische Bewertung stellen.

Krippen zukünftig ohne den schwarzen König? Das könnte durchaus passieren.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hingegen will ihren Gemeinden keine Vorschriften machen und es ihnen selbst überlassen, einen schwarzen König in den Krippen zu platzieren. Das wurde auf eine Anfrage des SWR bestätigt. In der Stellungnahme der Diözese heißt es: „Die Heiligen Drei Könige bezeichnet die Diözese Rottenburg als ein Brauchtum ohne rassistischen Hintergrund. Sie seien in dieser Form in der Volksfrömmigkeit des Mittelalters entstanden und stünden für die damals bekannten Erdteile Asien, Afrika und Europa.“

Rassismusdebatte: Sternsinger ohne geschwärzte Gesichter?

Für viele sind sie ein liebgewonnenes Ritual zwischen Weihnachten und dem 6. Januar: die Sternsinger. Sie klopfen an die Haustür, singen ein Lied, segnen das Haus und spenden das dafür von den Bewohnern erhaltene Geld für einen guten Zweck. Doch ausgerechnet dieses Trio, das für Frieden und Völkerverständigung steht, entfacht jetzt die nächste Diskussion.

DENN: Wie bei den Heiligen Drei Königen ist auch bei den Sternsingern immer ein Kind mit einem schwarz gefärbten Gesicht dabei. Laut SWR hat die Regionalstelle Ulm des Kindermissionswerks nun dafür plädiert, dass die Sternsinger in den katholischen Kirchengemeinden in der Region sich für ihre Auftritte nicht mehr schwarz schminken und auf das sogenannte Blackfacing verzichten sollten.

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