„Freedom Day“ rückt immer näher

Lockerung der Quarantäne-Regeln: RKI und Regierung mit ersten Plänen

Coronavirus - Isolation nach positivem PCR Test
+
Landkreistag will Quarantäne abschaffen. (Symbolbild)
  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
    schließen
  • Christina Rosenberger
    Christina Rosenberger
    schließen

Die Zeichen stehen auf Lockerungen. Und das könnte bald auch die Quarantäne-Regeln nach einem positiven Corona-Test betreffen.

Update, 31. März: Das Land Baden-Württemberg hat sich vehement gegen den Wegfall aller Corona-Regeln gewehrt, doch am Sonntag (3. April) ist es so weit. Fast alle Corona-Maßnahmen sollen abgeschafft werden – unter anderem die Maskenpflicht in den Innenräumen und die Zugangsbeschränkungen. Die Pflicht zur Meldung einer Corona-Erkrankung und die Regeln zur Quarantäne sollen aber weiterhin erhalten bleiben.

In der aktuellen Corona-Welle in Deutschland mit vielen, aber meist leichteren Infektionen sollen die Quarantäne-Regeln vereinfacht werden. Konkret: Die Dauer soll generell auf fünf Tage verkürzt werden, wie ein Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts (RKI) vorsieht. Das Konzept, das an die Länder verschickt wurde, liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Baden-Württemberg: Überprüfung der Quarantäne-Regeln – kürzere Quarantäne geplant

Gesundheitsminister Karl Lauterbach sagte in Berlin, die Vorgaben zu Absonderung seien in der jetzigen Welle nicht wirklich praktikabel. Jetzt gehe es eher darum, die Quarantäne pragmatisch zu lösen. Ziel sei es, dass man mit der neuen Regelung bereits in der nächsten Woche arbeiten könne. Hintergrund ist auch, angesichts vieler Infektionen Personalausfälle vor allem in wichtigen Versorgungsbereichen zu vermeiden. Was ist genau geplant?

Künftig sollen Isolierungen, wenn man selbst infiziert ist, nur noch fünf Tage dauern, wie aus dem Vorschlag hervorgeht. Empfohlen werden soll, freiwillig Kontakte zu reduzieren und – beginnend nach fünf Tagen – wiederholt Tests oder Selbsttests zu machen. Zudem soll „keine strenge Isolierung“ mehr vorgegeben werden und eine formelle Anordnung des Gesundheitsamtes, die häufig jetzt schon nicht mehr erfolgt, soll entfallen. Bisher dauern Absonderungen in der Regel zehn Tage und können mit einem negativen Test frühestens nach sieben Tagen enden.

Auch die Quarantäne für Kontaktpersonen von Infizierten soll dem Vorschlag zufolge künftig nur noch fünf Tage dauern. Außerdem soll eine Empfehlung gelten, freiwillig Kontakte zu reduzieren und sich täglich testen zu lassen.

Baden-Württemberg: Bald Ende der Quarantäne-Regeln? Landkreistag mit Forderung

Erstmeldung, 30. März: Der kommende Sonntag – der dritte April 2022 – wird wohl ein historischer Tag. Es scheint fast, als sei die Corona-Pandemie an diesem Stichtag für beendet erklärt, denn die allermeisten Corona-Regeln fallen in Baden-Württemberg dann weg. Unter anderem ist die FFP2-Maskenpflicht von den Lockerungen betroffen. Ausnahmen gibt es beispielsweise beim Einkaufen. Doch der „Freedom Day“ scheint manchen noch nicht weit genug zu gehen.

Unter anderem fordert der Präsident des Landkreistages von Baden-Württemberg, Joachim Walter, ein sofortiges Ende von Quarantäne und Bürgertests. Gegenüber den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung sagte Walter: „Wir führen Gesetze aus, das ist unsere Aufgabe. Aber wenn der Sinn von Handlungen nicht mehr erkannt wird, trägt das zur Motivation der Mitarbeitenden nicht bei.“

Baden-Württemberg: Quarantänepflicht und Bürgertests bald Geschichte?

Der Grund, den Walter dazu nennt, ist simpel: Die Anordnung von Quarantäne sei sinnlos, denn die Tests und die Absonderungen griffen überwiegend zu spät, um Ansteckungen zu verhindern, schreibt die Deutsche Presse-Agentur dpa. Für die Gesundheitsämter sei diese Arbeit zermürbend. Die Gesundheitsämter meldeten die Corona-Fälle pflichtgemäß den Ortspolizeibehörden: „Aber wer sich die Fallzahlen ansieht, wird erkennen, dass eine Kontrolle der Quarantäne gar nicht mehr funktionieren kann. Das ist ein Massenphänomen.“

Baden-Württembergs Landesregierung hatte sich zuletzt lange gegen den radikalen Wegfall der Corona-Maßnahmen gewehrt. Die grün-schwarze Koalition rund um Ministerpräsident Winfried Kretschmann gehört wohl von Beginn der Corona-Pandemie an eher zum „Team Vorsicht“. Dem Vorschlag des Landkreistags dürfte die Regierung allerdings gar nicht abgeneigt gegenüberstehen, immerhin wollen Fachpolitiker der Fraktionen nun einen Plan entwickeln, unter welchen Umständen Pflegekräfte weiterarbeiten können, auch wenn sie infiziert sind, aber keine Symptome haben.

Corona in Baden-Württemberg: Landkreistag mit knallharter Forderung

Auch könnte die Sorge von Landkreistags-Chef Walter bald Geschichte sein. Denn in einer Mitteilung des Baden-Württembergischen Staatsministeriums gab die Landesregierung um Grüne und CDU bekannt, die Gesundheitsämter bei der Überwachung der Pandemie in absehbarer Zeit entlasten zu wollen. Im Gespräch ist demnach „ein einheitlicher Rahmen für die Absonderung sowie die Teststrategie“.

Dennoch gibt es Menschen im Südwesten, die die Corona-Maßnahmen zumindest teilweise vermissen dürften. Besonders die Homeoffice-Pflicht, die seit dem 20. März nicht mehr gilt, war für manche eine Erleichterung des Alltags. Jetzt, wo die Allermeisten wohl wieder regelmäßig ins Büro müssen, fragt sich so mancher: Darf ich mich weigern, ins Büro zu kommen?