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Geiselnahme-Prozess: Neun Jahre Haft nach brutaler Tat mit vielfacher Vergewaltigung

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Von: Lisa Klein, Dominik Jahn

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Prozess wegen Geiselnahme
Geiselnahme-Prozess: Neun Jahre Haft nach brutaler Tat mit vielfacher Vergewaltigung. © Christoph Schmidt/dpa

Das Urteil im Geiselnahme-Prozess in Stuttgart ist gefallen. Eine 23-Jährige wurde im April in Reichenbach (Esslingen) von einem Mann entführt, in eine Hütte verschleppt und stundenlang missbraucht. Richter sprach von „Skrupellosigkeit“.

Update, 28. Oktober:  Nach einer brutalen Geiselnahme und der vielfachen Vergewaltigung des Opfers muss der geständige Peiniger einer Frau aus Baden-Württemberg für mehrere Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht in Stuttgart verurteilte den 36-Jährigen am Freitag zu neun Jahren Haft, außerdem wird der Mann in einer Entzugsanstalt untergebracht.

Er hatte weitgehend gestanden, eine Frau für fast 24 Stunden in seine Gartenhütte verschleppt und mehrfach vergewaltigt zu haben. Neben der Geiselnahme und besonders schweren Vergewaltigung habe er sich auch der besonders schweren Nötigung und gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter.

Urteil im Geiselnahme-Prozess in Stuttgart: Die Taten waren echte „Gräueltaten“

Der Jurist warf dem vorbestraften Angeklagten „Skrupellosigkeit oder Selbstbedienungsmentalität“ vor. Der Verteidiger des Mannes zeigte Verständnis für das Urteil. „Die Taten, die wir hier verhandelt haben, hat mein Mandant zu Recht als Gräueltaten bezeichnet“, sagte er. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Mann die zur Tatzeit 23-Jährige im April dieses Jahres abends an einem Feldweg bei Reichenbach an der Fils (Landkreis Esslingen) abgepasst, mit einem Messer bedroht und in eine Hütte gebracht.

Bei einer Suchaktion waren die Frau gefunden und der flüchtende Mann festgenommen worden. Angeklagt war er unter anderem wegen Geiselnahme. Mit seinem Urteil folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Verteidigung und Nebenklage hatten keinen konkreten Antrag gestellt.

Prozess in Stuttgart: 23-Jährige in Hütte verschleppt und stundenlang missbraucht

Update, 14. Oktober: Es ist der absolute Horror: Eine 23-jährige Frau ist am 8. April in Reichenbach (Landkreis Esslingen) auf dem Heimweg von der Arbeit entführt, in eine Hütte verschleppt und dort vergewaltigt worden. Nichtsahnend ging die 23-Jährige an jenem Abend einen Feldweg entlang, als sich plötzlich ein Mann von hinten näherte und ihr die Hand aufs Gesicht drückte.

Es sind die Details, die am Freitag vor dem Landgericht Stuttgart öffentlich werden, die für Entsetzen sorgen. An jedem Abend zerrte der 36 Jahre alte Angeklagte an ihrer Jacke. Erst kann die Frau sich losreißen, doch dann packt und würgt er sie und droht damit, dass er sie umbringen werde. So schilderte die Oberstaatsanwältin am Freitag den Beginn eines fast 24-stündigen Martyriums. Der Mann habe daraufhin sein Opfer in eine Gartenhütte verschleppt, diese verriegelt, die Frau mehrfach vergewaltigt und zwischendurch mit Paketband geknebelt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Prozess in Stuttgart: 36-Jähriger wegen Geiselnahme und Vergewaltigung angeklagt

Die Frau selbst saß zum Auftakt des Prozesses nicht im Gerichtssaal, aber ihre Mutter. Mit Tränen in den Augen verließ diese zum ersten Mal den Raum, schon in dem Moment, als die Staatsanwältin die Taten schilderte. Geiselnahme und Vergewaltigung lautet die Anklage.

Der 36-Jährige hüllte sich in eine dicke, grüngraue Jacke. Die Kapuze ließ er die ganze Zeit über seinen Kopf gezogen. „Wegen der Presse“, gab er zur Begründung an. Ausführlich schilderte er seinen Werdegang, der von Drogen und Arbeitslosigkeit gezeichnet ist. Eine Ausbildung zum Schreiner habe er abgebrochen, den Hauptschulabschluss nachgeholt, als er wegen Raubes das erste Mal im Gefängnis saß. Er verdingte sich als Gabelstaplerfahrer bei diversen Logistikfirmen und machte hobbymäßig als DJ Geld, wie er weiter erzählte.

Er habe in einem Zelt gecampt, dann in jener Hütte eines Bekannten bei Reichenbach an der Fils (Landkreis Esslingen) übernachtet, die später zum Tatort wurde.

36-jähriger Angeklagter legt Geständnis ab – „Ich wusste nicht selbst, was ich tue“

Dann trug sein Anwalt ein Geständnis vor: Die Vorwürfe träfen vollumfänglich zu. Sein Mandant entschuldige sich bei der Frau, auch wenn es für die Taten keine Entschuldigung gebe. „Er will dem Opfer ersparen, das Martyrium durch die Zeugenaussage noch mal erleben zu müssen“, erläuterte der Verteidiger.

Massiver Alkohol- und Drogenkonsum hätten dem 36-Jährigen an dem Tag Anfang April dieses Jahres den Kopf vernebelt, sagte der Anwalt. „Ich wusste nicht selbst, was ich tue“, sagte der Angeklagte. Geplant gewesen sei die Tat nicht. Er sei nicht mehr in der Lage gewesen, sich zu kontrollieren.

Geständnis soll Prozess in Stuttgart verkürzen – ein Urteil steht noch aus

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft seinerzeit mitgeteilt hatten, hatte es kurz nach dem Verschwinden der 23-Jährigen eine große Suchaktion samt Polizeihubschrauber und Rettungshundestaffeln gegeben. Schließlich wiesen Passanten auf die Gartenhütte hin und darauf, dass sich dort ein unbekannter Mann aufhalte. Als die Frau die Einsatzkräfte wahrnahm, habe sie aus dem Fenster klettern und in Sicherheit gebracht werden können. Sie kam in ein Krankenhaus.

Bei dem Zugriff flüchtete der 36-Jährige. Polizisten nahmen ihn kurz darauf fest. Mit seinem Geständnis erhofft sich der Angeklagte laut seinem Anwalt, dass der Prozess abgekürzt werden kann. Geplant waren vier Fortsetzungstermine bis Ende Oktober. Einige Zeuginnen strich das Gericht nach dem Geständnis schon von der Liste. Ein Urteil steht noch aus.

23-Jährige im Kreis Esslingen entführt, in Hütte verschleppt und missbraucht

Erstmeldung, 11. April: Eine 23-jährige Frau ist am Freitagabend (8. April) in Reichenbach (Landkreis Esslingen) entführt, in eine Hütte verschleppt und dort vergewaltigt worden. Erst einen Tag später, am Samstagabend, konnte die junge Frau gefunden werden. Die Polizei hat einen 36-jährigen Mann festgenommen. Ersten Erkenntnissen zufolge bedrohte der 36-Jährige die Frau mit einem Messer und brachte sie dann zur Hütte, wie die Polizei mitteilte.

Angehörige meldeten die junge Frau am Freitagabend gegen 23:15 Uhr als vermisst, weil sie nicht von der Arbeit nach Hause gekommen war. Üblicherweise legte sie hierbei den Weg von Reichenbach nach Plochingen über Wiesen und Felder nördlich der Landesstraße 1192/B10 zu Fuß zurück. Auch am Freitagabend hatte sie sich laut Polizei offenbar gegen 20.15 Uhr auf den Weg gemacht – zu Hause angekommen ist sie jedoch nicht.

Esslingen/Reichenbach: Festnahme nach Entführung und Missbrauch einer 23-Jährigen

Die Beamten suchten noch in der Nacht von Freitag auf Samstag mit einem Hubschrauber, mehreren Hundestaffeln und etlichen Einsatzkräften nach der 23-Jährigen – jedoch erfolglos. Am Samstag suchte die Polizei erneut mit einer Hundestaffel nach der Vermissten.

Am Samstagabend gegen 19:30 Uhr wiesen Passanten die Einsatzkräfte auf ein Gartenhäuschen hin, in der sich immer wieder ein Unbekannter aufhalten soll. Die Einsatzkräfte entdeckten vor Orts außerdem eine Frau in der Hütte – bei der es sich um die 23-Jährige handelte. Die Vermisste sah die Beamten, konnte durch ein Fenster aus der Hütte klettern und in Sicherheit gebracht werden. Sie kam mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus.

Die Polizei überprüfte das Grundstück – dabei versuchte ein 36-Jähriger zu fliehen. Kurze Zeit später konnte der Mann im Bereich der B10 auf einem Feldweg festgenommen werden. Zuvor hatte sich der 36-Jährige selbst mit einem Messer eine Verletzung zugefügt. Der 36-Jährige ist bereits wegen Raub vorbestraft und unter anderem wegen Drogendelikten polizeilich bekannt. Er sitzt nun in Untersuchungshaft.

Entführungen sind in der Region leider gar nicht so selten. Erst im März wurde ein 16-Jähriger in Heilbronn gewaltsam entführt* – inzwischen hat die Polizei vier Männer festgenommen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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