Nur 100 Arten von 6.000 Pilzen sind essbar

Tödlicher Zwilling? Pilz-Doppelgänger bringen Sammler im Herbst in Gefahr

  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Gefahr für Pilz-Sammler im Herbst: Auch in Baden-Württemberg könnte es eine gute Saison für Pilz-Sammler werden - es ist aber Vorsicht geboten.

Während sich manch einer über den regenreichsten Sommer seit zehn Jahren ärgert, dürfte die Freude bei den Pilze-Sammlern enorm sein. Es könnte eine relativ gute Saison werden. Die Böden sind nicht zu trocken. Laut dem Naturschutzbund (NABU) ist „das positiv für das Pilzaufkommen im Herbst“. Doch es lauern Gefahren. Giftige Doppelgänger.

Wer sich jetzt im Herbst auf die Suche macht nach Pilzen, der muss wissen, was er tut. Auf die fleißigen Sammler warten immer wieder tödliche Zwillinge der schmackhaften Variante. Wie das Fachmagazin Geo schreibt, sind in Mitteleuropa von rund 6.000 Großpilzen nur etwa 100 Arten essbar. 150 sind sogar giftig - zehn gelten als tödlich! Die restliche Anzahl ist einfach ungenießbar.

Pilzsuche im Herbst: Tödliche Gefahr durch Doppelgänger

Die große Gefahr der Pilz-Doppelgänger: nicht selten wachsen sie direkt neben den Speisepilzen. Eine allgemeine Regel zum Unterscheiden der beiden Waldfrüchte gibt es aber nicht. Wie im Geo-Artikel beschrieben, reiche für die Bestimmung von Röhrenpilzen meist ein Bild-Vergleich. Bei Lammellenpilzen ist eine derart entspannte Herangehensweise für das Sammeln der Pilze nicht besonders ratsam. Ein Fehler könnte tödlich sein.

Waldgesetz für Baden-Württemberg

Aneignung von Waldfrüchten und Waldpflanzen (§40):
Jeder darf sich Waldfrüchte, Streu und Leseholz in ortsüblichem Umfang aneignen und Waldpflanzen, insbesondere Blumen und Kräuter, die nicht über einen Handstrauß hinausgehen, entnehmen. Die Entnahme hat pfleglich zu erfolgen. Die Entnahme von Zweigen von Waldbäumen und -sträuchern bis zur Menge eines Handstraußes ist nicht strafbar. Dies gilt nicht für die Entnahme von Zweigen in Forstkulturen und von Gipfeltrieben sowie das Ausgraben von Waldbäumen und -sträuchern.

NABU spricht in Baden-Württemberg vom Pfifferling-Problem

Ein genauer Blick auf das Pilz-Problem „Gut-oder-Giftig“ zeigt, wie wichtig es ist, ein zweites und drittes Mal auf den gewünschten Pilz zu schauen. Sogar ein beliebter Speispilz wie der Pfifferling hat eine fiesen gefährlichen Doppelgänger. Aber auch aus einem anderen Grund sollte auf dieses Waldfrüchtchen verzichtet werden.

NABU-Pilzexperte Thaddäus Bamberger erteilt für den Pfifferling eine klare Sammel-Absage: „Pfifferlinge sollten in Baden-Württemberg möglichst nicht gesammelt werden. Die sind in unserem Bundesland stark rückläufig und sehr trittempfindlich.“

Pilze-Sammler aufgepasst: Hier ist ein kleiner „Gut-und-Giftig“-Überblick

Hier jetzt also der Pfifferling und sein Zwilling. Beim echten gilt laut Geo für die Sammler: „Der Pilz hat einen aromatischen Geruch und einen mild pfefferigen Geschmack. Pilze-Sammler finden ihn auf moosreichen Böden in Laub- und Nadelwäldern. In Form und Farbe können Pfifferlinge recht unterschiedlich aussehen. Wachsen Pfifferlinge eher schattig und zwischen Moos, sind sie oft blassweißlich-gelb. Andere Exemplare gelten als kräftig goldgelb in der Färbung.

Pfifferling - Pilzsammler finden ihn auf moosreichen Böden in Laub- und Nadelwäldern.

Der Hut des Pfifferlings hat eine stumpfe Oberfläche und ist meist wellig verbogen. Typisch sind zudem die gegabelten und weit am vollfleischigen Stiel herablaufenden Leisten sowie der pfefferartige Geruch. Er wächst von Juni bis Oktober.

Der fiese Pilz-Zwilling: Bekannt als „Falscher Pfifferling“, hat dieser nicht den aromatischen Geschmack und Geruch des Originals. Dazu kommen - laut Bericht - feien Abweichungen bei den äußeren Merkmalen: „der Hut ist recht dünnfleischig und die Lamellen sind regelmäßiger gegabelt, was zu seinem weiteren Namen „Gabelblättling“ geführt hat“. Er wächst besonders von September bis November.

Der Falsche Pfifferling hat den wissenschenschaftlichen Namen Hygrophoropsis aurantiaca.

Beim Verzehr großer Mengen können auf die Pilze-Sammler heftige Beschwerden im Magen und Darm warten. Bleibt es bei einem einzelnen Pfifferling-Doppelgänger, dann ist dieser unschädlich.

Pilz-Sammler müssen wählen zwischen Hexe und Satan

Der nächste Speisepilz klingt eher nicht nach ungefährlichem Verzehr. Der Flockenstielige Hexenröhrling gilt bei Sammel-Experten allerdings als ausgezeichneter Pilz. Typisch sind die „roten Röhren, der rote Stiel und das gelbe Fleisch, das sich beim Anschneiden sofort sehr stark blau verfärbt. Der Stiel ist fein geflockt und trägt kein Netzmuster“.

Der Flockenstieliger Hexenroehrling gilt als ausgezeichneter Speisepilz.

Er ist auf sauren Böden in der Nähe von Rotbuchen, Eichen oder Fichten zu finden. Auch der Steinpilz ist bei ihm zu finden. Der Hexenröhrling wächst vom Juni bis Oktober.

Der Doppelgänger warnt quasi schon mit seinem Namen - Satans-Röhrling. Besonderes Merkmal: „Das Fleisch des Giftpilzes verfärbt sich auf Druck und im Anschnitt nur schwach blau“. Eine Geschmacksprobe wird Sammler nicht wirklich weiterbringen. Wie der Artikel beschreibt, ist er eher mild im Geschmack.

Satans-Röhrling: Der rohe Verzehr sorgt für heftige Magen- und Darm-Probleme.

Richtig übel wird die Wirkung des Satans-Röhrlings bei rohem Verzehr. Die Magen- und Darm-Probleme fallen stärker aus. Zu finden ist der Pilz unter Eichen und Buchen. Er wächst von Juli bis September.

Pilze-Sammler, die sich auf Rasenflächen in Laub- und Mischwäldern auf die Suche machen, stoßen mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Maipilz - oder Mai-Ritterling. Diese Pilze wachsen Jahr für Jahr immer wieder am selben Standort. Neben den bereits beschriebenen Orten können sie auch in Parkanlagen und an Wegesrändern auftauchen.

Maipilz

Merkmale des Maipilzes: eine weiße bis cremefarbene Hutoberfläche. Die weißen Lamellen auf der Unterseite sind „ meist ausgebuchtet angewachsen, das Sporenpulver ist ebenfalls weiß. Typisch für den Maipilz „sind auch der mehlartige Geruch und der ganz eigene Geschmack“. Man findet diesen Pilz zwischen April und Juni.

Der böse Zwilling des Maipilzes ist der Ziegelrote Risspilz. Er gehört zu der Gruppe der hochgiftigen Pilze. Großer Unterschied ist sein Hut. Dieser ist „jedoch stärker kegelförmig, erst weißlich bis strohfarben, läuft aber im Alter und bei Verletzung ziegelrot an“. Lässt man den Pilz etwas liegen, verfärben sich die Hüte vom Rand her ziegelrot. „Das Sporenpulver des Giftpilzes ist erdbraun“.

Ziegelroter Risspilz

Sammler müssen besonders in den Monaten Mai und Juni aufpassen. Allerdings wächst der Ziegelrote Risspilz auch in seltenen Fällen noch bis Oktober.

NABU-Tipps für Sammler in Baden-Württemberg

  • Sammler sollten Pilze nur im „besten Alter“ pflücken. Zu junge oder zu alte Exemplare sollte man stehen lassen.
  • Perfekte Ernte: Wer den Pilz besonders sanft ernten möchte, sollte ihn mit einem Messer behutsam herausdrehen und die entstandenen Löcher wieder mit Erde oder Laub bedecken. Grund: Das Pilzgeflecht wird geschont und ein Austrocknen wird verhindert.
  • Nabu-Pilzexperte rät: Sammler sollten die Pilze in „luftdurchlässigen Körben wie Span- oder Weidenkörben zu transportieren. Plastiktüten seien ungeeignet, da Pilze darin schnell verderben. Er empfiehlt, zu Hause die Waldfrüchte bis zur Verarbeitung in offenen Plastik- oder Keramikschalen im Gemüsefach des Kühlschranks zu lagern“.

Was sollten Pilze-Sammler bei einer Vergiftung tun?

Der Naturschutzbund Baden-Württemberg erklärt auf seiner Internetseite, wie Sammler mit einer Vergiftung umgehen sollten. Demnach treten „nach einer Pilzmahlzeit Symptome wie etwa Schweißausbrüche, Durchfall und Benommenheit auf, besteht Verdacht auf eine Vergiftung“. Man sollte umgehend einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen.

Wichtig sei es aber, unbedingt die Ruhe zu bewahren und „eventuelle Reste der Mahlzeit oder Putzreste zur Bestimmung aufzubewahren. Macht sich die Vergiftung erst nach acht oder mehr Stunden bemerkbar, sofort den Notarzt rufen, denn es besteht akute Lebensgefahr“!

Rubriklistenbild: © picture alliance / Zoonar | Gerd Herrmann

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