Heftige Folgen durch Pilz-Gift - Leberversagen, Krebs, Tod

Pilz-Gefahr im Herbst: Die zehn giftigsten Arten in unserem Wald

  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Die zehn giftigsten Pilze in unserem Wald: Der Fliegenpilz ist als Giftklassiker geradezu harmlos. Es gibt viel tödlichere Arten.

Herbst ist Pilze-Zeit. Für Sammler sind besonders die Monate September und Oktober immer wieder ein echter Höhepunkt im Jahr. Doch auf der Suche nach den schmackhaften Speisepilzen lauern oft unterschätzte Gefahren. Wie echo24.de* berichtet hat, gibt es zahlreiche giftige Doppelgänger-Pilze*. Aber auch viele andere haben es in sich. Von zehn Arten sollte man definitiv die Finger lassen - Lebensgefahr!

Einer der tödlichsten Pilze in den Wäldern in Baden-Württemberg und Deutschland ist der Grüne Knollenblätterpilz. Doch auch wenn von diesem Waldfrüchtchen eine enorme Gefahr ausgeht, so wurde der Grünling oder Echte Ritterling von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) zum Pilz des Jahres 2021 gewählt.

Giftige Pilze: Diese zehn gibt es auch in unserem Wald

Eine Besonderheit: In der Vergangenheit galt der Grünling sogar noch als schmackhafter Speisepilz. Jetzt ist er nicht nur laut Naturschutzbund (NABU) ein Giftpilz, der für zahlreiche Todesfälle verantwortlich ist. Auch der DGfM rät vom Verzehr dringend ab. Der Pilz wird besonders in Osteuropa weiter zum Kauf angeboten.

Ausgezeichnet als Pilz des Jahres 2021 - der Grünling.

Im Jahr 2001 kam es laut einer NABU-Meldung zu „mehr als einem Dutzend schweren Vergiftungen mit Muskelzersetzung“. Experten sprechen dabei von der Rhabdomyolyse. Sie bezeichnet die Auflösung quergestreifter Muskelfasern, wie sie zum Beispiel in der Herzmuskulatur vorkommen. „Das dabei freigesetzte Myoglobin, essenziell für die Sauerstoffversorgung der Muskeln, schädigt in der Folge die Nieren“. Einige betroffene Personen überlebten den Verzehr des Grünlings nicht.

Seine Wirkung entfaltet der Pilz erst mit einer Verzögerung von bis zu sechs Stunden. Es folgen Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall. Auf eine vermeintliche Besserung setzt der Grünling mit einem zweiten Gift nach - damit kommen auch die irreparablen Leberschäden.

Pilze: Sammler aufgepasst, hier herrscht im Herbst Lebensgefahr

Ebenfalls keine Option für den Kochtopf ist der Orangefuchsiger Raukopf. Sein Geschmack gilt als mild. Der Hut des Pilzes ist zunächst glockenförmig und wird mit der Zeit immer flacher bis flach gebuckelt. Die Oberfläche gilt als matt faserig bis feinschuppig und trocken, mit glattem, scharfem, zuweilen etwas eingerissenem Rand. Die Farbe ist orange- bis rostbraun.

Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM)

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein. Sie vertritt die Interessen von Mykologen und Pilzfreunden in Deutschland. Mykologie ist die Wissenschaft von den Pilzen. Zu den Pilzen gehören die Abteilungen Schlauchpilze, Ständerpilze, Jochpilze, Töpfchenpilze und Arbuskuläre Mykorrhizapilze.

Beim Verzehr werden von diesem Pilz lebensgefährliche nieren- und leberschädigende Gifte freigesetzt. Das Problem: Die Symptome treten erste nach zwei Tagen oder später auf. Teilweise erst nach zwei Wochen - eine Diagnose wird dann extrem schwer. Gleiches Gift, gleiche Folgen - der Spitzgebuckelter Raukopf. Er sieht dem Orangefuchsiger Raukopf sehr ähnlich.

Tödlich kommt dann wieder der Kegelhütige Knollenblätterpilz daher. Er steht dem Grünling in nichts nach. Optisch besteht bei ihm die Gefahr mit dem Champignon verwechselt zu werden - weiß gefärbter Hut. Und auch der Karbolegerling könnte als beliebter Speisepilz durchgehen. Er gilt allerdings als Giftchampignon. Besonders übel bei diesem Pilz: Er enthält krebserregendes Phenol. Beim Abkochen entsteht Desinfektionsmittelgeruch.

Giftige Pilze: Fliegenpilz ist wohl nicht nur Sammlern bekannt

Mit dem Fliegenpilz kommt jetzt ein echter Gift-Klassiker unter den Pilzen auf die Gefahren-Liste. Allerdings sind die Folgen des Verzehrs eher selten tödlich. Der Fliegenpilz enthält laut einem Bericht des SWR1 „psychoaktive Substanzen, die Halluzinationen und Muskelzuckungen hervorrufen“.

Auch gepunktet, gleicher Hut, nur in braun und nicht in rot - der Pantherpilz. Die Gifte sind die gleichen wie beim Fliegenpilz, nur in höherer Dosierung.

Gefahr für Pilz-Sammler: Dieser Pilz ist essbar, aber auch gefährlich

Jetzt wird es richtig riskant. Die Frühjahrs-Lorchel könnte unter Umständen sogar essbar sein. Das Gift in diesem Pilz könnte sich beim Kochen oder Trocknen fast komplett verflüchtigen. Viele „Wenns“ und „Falls“, denn wenn nicht, wenn es nicht klappt mit kochen und trocknen, dann drohen dem Sammler bei Verzehr dauerhafte Organschäden.

Zu der kleinen giftigen Liste kommt jetzt noch der Gifthäuptling hinzu. Er präsentiert sich meist in größeren Gruppen. Bei diesem Pilz reichen bereits 100 Gramm für eine tödliche Wirkung. Zu guter Letzt kommt dann noch der Kahle Krempling dazu. Ähnlich wie beim Grünling, galt auch er in früheren Zeiten als Speisepilz - bis es dann doch zu Vergiftungen kam. Übermäßiger Genuss führt zu einer Überreaktion des Immunsystems. Rote Blutkörperchen werden zerstört. Der Verzehr kann tödlich enden.

Giftige Pilze im Überblick: Sammler müssen sie kennen

Der Pilz Verzehr und Folgen
Grüne Knollenblätterpilz oder GrünlingRhabdomyolyse: Auflösung quergestreifter Muskelfasern. Tödlich
Orangefuchsiger Raukopflebensgefährliche nieren- und leberschädigende
Spitzgebuckelter Raukopflebensgefährliche nieren- und leberschädigende
Kegelhütige Knollenblätterpilztödlich - wie der Grünling
Giftchampignonenthält krebserregendes Phenol
Fliegenpilz Halluzinationen und Muskelzuckungen - selten tödlich
PantherpilzHalluzinationen und Muskelzuckungen - selten tödlich
Frühjahrs-Lorcheldauerhafte Organschäden
Gifthäuptling tödlich ab einer Menge von 100 Gramm
Kahler Kremplingzerstört Rote Blutkörperchen - tödlich

Grundsätzlich rät der Naturschutzbund Baden-Württemberg erklärt auf seiner Internetseite bei Vergiftungen dazu umgehend einen Arzt oder eine Klinik aufzusuchen. Dabei sei es wichtig unbedingt die Ruhe zu bewahren und  „eventuelle Reste der Mahlzeit oder Putzreste zur Bestimmung aufzubewahren. Macht sich die Vergiftung erst nach acht oder mehr Stunden bemerkbar, sofort den Notarzt rufen, denn es besteht akute Lebensgefahr“! *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa

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