Notruf-App „nora“ in Deutschland

Notruf per App: Warum „nora“ für Tausende Menschen lebenswichtig sein kann

Notruf-App Nora
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Die App „nora“ revolutioniert den Notruf in Deutschland und ergänzt das bereits bestehende Notrufsystem. (Symbolbild)
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Wer die Polizei, Feuerwehr oder den Rettungsdienst benötigt, kann künftig auf die neue Notruf-App „nora“ zurückgreifen – diese soll das bestehende Notrufsystem ergänzen.

Menschen ohne Beeinträchtigungen nehmen viele Barrieren gar nicht wahr, welche für Menschen mit Beeinträchtigungen große Probleme im Alltag darstellen. Nun soll es in einem Bereich immerhin etwas leichter für einige Menschen werden – und zwar durch eine Notruf-App, welche das bereits bestehende Notrufsystem ergänzt und von dem Personen mit Sprach- und Hörbehinderungen profitieren sollen, wie *echo24.de berichtet.

„Die Notruf-App ‚nora‘ ergänzt jetzt die bestehenden Notrufsysteme um einen zusätzlichen mobilen Baustein“, erklärt der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl (CDU) und setzt fort: „Vor allem Menschen mit einer Sprach- oder Hörbehinderung und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen profitieren von der Entwicklung, die für mehr Sicherheit und Selbstbestimmung sorgt.“ Der Start der App ist ein erster Schritt; „nora“ soll in den kommenden Jahren kontinuierlich weiterentwickelt werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Innenministeriums Baden-Württemberg.

Mit dieser neuen Notruf-App wird ein zukunftsorientiertes, digitales Leuchtturmprojekt umgesetzt. Auf dem Weg, allen Menschen eine gleichberechtigte, barrierefreie Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, sind wir dadurch ein gutes Stück vorangekommen.

Stellvertretender Ministerpräsident Thomas Strobl.

App „nora“ ermöglicht Notruf ohne zu sprechen: So funktioniert die Notruf-App

Die Notruf-App „nora“ ermöglicht es in Notsituationen, ganz ohne zu sprechen, einen Notruf abzusetzen. In diesem Notruf per App werden die wichtigsten Informationen automatisch übermittelt – etwa persönliche Daten, der Notfall-Ort und die Art des Notfalls. Die persönlichen Daten bleiben auf dem Smartphone gespeichert und werden nur bei einem Notruf an die Einsatzleitstellen übermittelt. Freiwillig können in der App Angaben wie Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen und Behinderungen hinterlegt werden.

Informationen zur konkreten Notsituation werden über maximal fünf Fragen ermittelt. Dabei helfen Symbole, Texte in leichter Sprache und eine intuitive Nutzerführung. In bedrohlichen Situationen, in denen der Notruf möglichst unbemerkt bleiben soll, ist auch ein „stiller Notruf“ möglich. Der App-Notruf für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst kann im ganzen Bundesgebiet genutzt werden. Neben Deutsch ist die App auch in englischer Sprache verfügbar.

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Mehr Barrierefreiheit Dank der neuen Notruf-App „nora“ in Deutschland

Menschen mit Sprach- und Hörbehinderungen stehen bisher das Notruf-Fax, ein Gebärdendolmetscherdienst (TESS-Relay) sowie die SMS-Nothilfe zur Verfügung. Der Dolmetscherdienst stellt die Kommunikation zwischen den Notrufenden und der jeweiligen Einsatzleitstelle her und übersetzt. Das Notruf-Fax muss von einem Standort mit Faxgerät versendet werden und lässt Rückfragen der Einsatzleitstelle nur mit verhältnismäßig großem Aufwand zu; ein mobiler Notruf ist über dieses System in der Regel nicht möglich. Daher wurde bereits im Jahr 2015 in Baden-Württemberg die SMS-Nothilfe als erste, einfache mobile Lösung realisiert: „nora“ stellt eine Ergänzung dieser Dienste dar.

Menschen mit Hör- und Sehbehinderung in Deutschland

Laut des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg (BSVH) leben in Deutschland etwa 150.000 blinde Menschen sowie 500.000 sehbehinderte Menschen. Laut dem Deutschen Gehörlosen-Bund (DGB) leben in der Bundesrepublik Deutschland rund 80.000 Gehörlose und sechs Millionen Schwerhörige. 

Die Notruf-App „nora“ ist in einer Kooperation der Länder, unter Federführung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums, als bundesweit einheitliche App-Lösung entstanden. Sie steht ab sofort in den App-Stores zum kostenlosen Download bereit: „Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement für diese wichtige Einrichtung. Sie haben dazu beigetragen, vielen Menschen ein noch größeres Sicherheitsgefühl zu geben“, so Innenminister Thomas Strobl abschließend. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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