So teuer ist Wohnen in Stuttgart

Mieten in Stuttgart explodieren – Nebenkosten steigen weiter rasant an

  • Lisa Klein
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Die Immobilienpreise sind weiter am Steigen. Vor allem in Stuttgart wird Wohnen immer weniger bezahlbar. Nun kommen auch noch steigende Nebenkosten hinzu.

Wer aktuell auf Wohnungssuche ist, schlägt vermutlich die Hände über dem Kopf zusammen. Sowohl die Mietpreise als auch die Kaufpreise für Immobilien sind in Deutschland auf dem Höchststand. Dazu steigen derzeit auch noch die Nebenkosten - ein Ende des Preisanstiegs ist angesichts anhaltend hoher Nachfrage vorerst nicht in Sicht.

Im zweiten Quartal dieses Jahres sind laut des Statistischen Bundesamtes die Durchschnittspreise für Wohnungen und Häuser in München, Stuttgart und Frankfurt erneut zehn Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. In den vergangenen 15 Jahren haben sich die Preise insgesamt verdoppelt bis verdreifacht. Richtig übel ist es in Baden-Württembergs Landeshauptstadt – Stuttgart gilt als die teuerste Großstadt für Mieter. Vor allem für Studenten ist der Markt aktuell hart: Die Preise für kleine WG-Zimmer sind enorm, es gibt Mega-Mieten für wenige Quadratmeter.

Mietpreise in Stuttgart steigen wieder: Hohe Nachfrage, geringes Angebot auf dem Wohnungsmarkt

Die Dynamik am Stuttgarter Wohnimmobilienmarkt wurde durch den Lockdown in Baden-Württemberg bis zum Frühjahr 2021 temporär abgeschwächt, doch das Marktgeschehen hat laut einer Mitteilung des Immobilienverbands IVD Süd seitdem erneut deutlich angezogen. Verstärkte Nachfrage steht hierbei einem nach wie vor kargen Angebot auf dem Wohnungsmarkt gegenüber.

„Die Kombination aus niedrigen Zinsen, ungebrochen hoher Nachfrage und vor allem in den Ballungsräumen geringem Angebot lässt die Preise weiter steigen“, hatte eine bereits im Mai veröffentlichte Studie der Sparda-Banken ebenfalls festgestellt. Zugleich seien die Baukosten auch wegen hoher Anforderungen an Sicherheit und andere Aspekte wie beispielsweise die Energieeffizienz gestiegen.

Mietpreise in Stuttgart steigen wieder: So teuer sind die Mieten aktuell

Die Pandemie sorgte für eine etwas geringere Nachfrage nach Mietwohnungen im mittleren und oberen Preissegment in Stuttgart sowie nach Häusern zur Miete, da zahlungsbereite Fachkräfte ausblieben. Arbeitnehmer aus der Automobilindustrie in Stuttgart haben zunehmend zurückhaltender agiert. Das ist vor allem auf die verbreitete Kurzarbeit bei Audi, Daimler und Co. aufgrund des Halbleitermangels zurückzuführen. Seit dem Ausbruch der Pandemie ist diese zahlungskräftige Nachfrager-Gruppe vermehrt zurückgegangen.

„Mit dem Zurückdrängen des Coronavirus zieht die Nachfrage allmählich wieder an. Seit dem Pandemie-Ausbruch ist eine spürbare Preissensibilität bei Objekten zu beobachten, die vom gewünschten Standard abweichen, z.B. keinen Balkon oder Aufzug aufweisen. Wurden diese vor der Corona-Krise im sogenannten Sogeffekt noch mitgezogen, finden sie derzeit schwerer Abnehmer“, so Jörg Kinkel, IVD-Marktberichterstatter und Geschäftsführer der Kinkel Immobilien e.K. in Stuttgart.

Mietpreise in Stuttgart 2021Kosten pro Quadratmeter
Altbauwohnungen: 15,50 Euro pro Quadratmeter
Wohnungen aus dem Bestand 15,40 Euro pro Quadratmeter
Neu errichtete Mietwohnungen16,80 Euro pro Quadratmeter

Der aktuellen Erhebung des IVD-Instituts zufolge sind im Durchschnitt folgende monatliche Mieten in Stuttgart im Herbst 2021 gemessen worden: Für Altbauwohnungen müssen im Schnitt 15,50 Euro pro Quadratmeter, für Wohnungen aus dem Bestand 15,40 Euro pro Quadratmeter und für neu errichtete Mietwohnungen 16,80 Euro pro Quadratmeter aufgebracht werden. Die Mietsteigerungen liegen im Vergleich zum Herbst 2020 mit unter einem Prozent im moderaten Bereich. Die Mietpreisbremse hat rasante Mietanstiege in Stuttgart verhindert – deutliche Preisanstiege dürften sich dennoch im kommenden Jahr bemerkbar machen.

Hohe Mieten in Stuttgart: Haushalte zahlen immer mehr fürs Wohnen

Der Wohnkostenanteil am Haushaltseinkommen – also der Teil des Konsumbudgets privater Haushalte, der für den Bereich Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung verwendet wird – liegt in Stuttgart aktuell bei knapp 29 Prozent. Damit bewegt sich die Landeshauptstadt Stuttgart zusammen mit Mannheim an der Spitze des Groß- und Mittelstädtevergleichs Baden-Württembergs, was die Wohnkostenbelastung anbetrifft. Mieter-Haushalte müssen also einen immer größer werdenden Teil ihres Budgets für das Wohnen aufbringen.

Dazu kommen aktuell noch die steigenden Nebenkosten. Denn vor allem die Energiekosten schießen in die Höhe – große Sprünge gibt es aktuell beim Heizen. Die Verbraucherzentralen fordern die amtierende Bundesregierung auf, noch direkt Vorarbeiten für ein höheres Wohngeld in die Wege zu leiten, um vor allem Menschen mit geringen Einkommen zu unterstützen. In der Diskussion sind daneben auch Steuerentlastungen. Dabei geht es über die akute Preiskrise hinaus um grundsätzliche Weichenstellungen, um steigende Energiepreise für mehr Klimaschutz sozial abzufedern.

Nötig seien zudem Regelungen, um Strom- und Gassperren auszusetzen, die bei säumigen Zahlungen drohen können, sagte Müller und verwies auf ein Vorbild in der Corona-Krise. Der Wohneigentümerverband Haus & Grund forderte die Regierung auf, davon Gebrauch zu machen und die Steuern auf Gas unverzüglich um 50 Prozent zu senken. Zudem solle die CO2-Bepreisung für die kommenden sechs Monate ausgesetzt werden. So wäre sicherzustellen, dass Heizen und Warmwasser im Winter bezahlbar bleiben. „Die verfehlte Energiepolitik darf nicht auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen werden.“

Rubriklistenbild: © Franz-Peter Tschauner/dpa

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