Ende einer Tradition

Mercedes-Designboss: Das ist das Ende der Limousine

Digitale Weltpremiere des neuen EQS von Mercedes-EQ
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Gorden Wagener ist bei Mercedes für das Design der Autos verantwortlich.
  • Simon Mones
    VonSimon Mones
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Die Limousine ist seit vielen Jahrzehnten nicht aus dem Straßenverkehr wegzudenken. Laut Mercedes-Designchef Gorden Wagener könnte sie dennoch bald verschwinden.

Die Elektromobilität ist bei nahezu allen Auto-Herstellern die Antriebsart der Zukunft. Entsprechend kommen immer mehr Elektroautos auf den Markt, die klassische Limousine spielte dabei bislang jedoch kaum eine Rolle. Stattdessen setzen Mercedes und Co. eher auf SUVs und Crossover.

Der Grund ist relativ simpel, diese Modelle sind grundsätzlich deutlich höher gebaut und bieten damit mehr Platz für die sperrigen Batterien, die im Unterboden viel Platz einnehmen. Doch inzwischen gibt es auch in den anderen Klassen immer mehr Elektroautos. Daimler brachte in diesem Jahr mit dem Mercedes EQS das elektrische Pendant zur S-Klasse auf den Markt, im kommenden Jahr folgt dann mit dem EQE der E-Klassen-Bruder.

Mercedes-Designboss nennt Gründe für Limousinen-Aus

Beide Mercedes-Modelle zeigen jedoch vor allem eins: Der Trend geht weg vom klassischen Limousinen-Design. Bereits seit 1947 kam bei der Limousine das sogenannte Drei-Box-Design zum Einsatz, das von Raymond Loewy entwickelt wurde. Dem britischen Automagazin Top Gear erklärte Mercedes-Designchef Gorden Wagener, dass das Drei-Box-Design der Limousinen wegen der Elektromobilität „aus verschiedenen Gründen“ bald der Vergangenheit angehören wird.

Einer dieser Gründe sei die Aerodynamik, die einen großen Einfluss auf die Reichweite hat. Zwar lassen sich hier auch mit dem klassischen Design gute Werte erzielen, doch mit dem neuen Layout des EQS sind noch niedrigere cW-Werte realisierbar. Hinzu kommt: „Mit einem 15 Zentimeter hohen Batteriepack sieht eine Limousine einfach nicht gut aus, sie sieht scheiße aus“, sagte der Mercedes-Designchef wohl wörtlich. Im englischen Original wird er schlicht mit “s***“ zitiert.

Daher müsse man etwas tun, um die Höhe optisch zu kompensieren. „Deshalb haben wir dieses mutige Design für die EQ-Modelle entwickelt, denn es sieht gestreckt und elegant aus. Und das [“Elektrifizierung“] wird die Proportionen der Autos verändern“, erklärte Wagener.

Mercedes: Sehen bald alle Modelle gleich aus? Designboss Wagener zuversichtlich

Allerdings sei es wichtig, dass die Modelle nicht alle gleich aussehen. „Aber diese Angst besteht seit 30 Jahren. Wir haben es geschafft, sie früher unterschiedlich aussehen zu lassen und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch in Zukunft schaffen werden“, ist sich der Mercedes-Designchef sicher.

Den Verlust des Drei-Box-Designs bedauert Wagner allerdings „nicht wirklich“. Eher im Gegenteil, denn ein solches Auto sei mit am schwersten zu gestalten. „Ein schöner Sportwagen ist so einfach!“, sagte Wagner im Gespräch mit Top Gear. Auf die Frage, ob das Autodesign im Hinblick auf den Stellenwert des Autos in der Gesellschaft künftig weniger aggressiv und aufdringlich ausfallen müsse, antwortete Wagener: „Diese Frage stellen wir uns seit 20 Jahren. Am Ende macht es einen großen Unterschied, wie gut oder schlecht das Design ausfällt.“

Mercedes-Designboss: Elektroautos sehen aus „wie ein Supercomputer auf Rädern“

Dennoch beobachtet der Mercedes-Designchef eine Entwicklung in diese Richtung. So fehle bei „all diesen neuen Start-ups“ der Kühlergrill. Daher hätten diese „gesichtslose Frontends. Sie sind ein wenig anonym und sehen sich alle sehr ähnlich. Aber sehen sie aggressiv aus? Nein, sie sehen aus wie ein Supercomputer auf Rädern“, betont Wagener.

„Vielleicht muss das Auto mit der zunehmenden Regulierung des Fahrens, und wenn das Auto zum Fahrer wird, mehr wie ein Computer und weniger wie ein aggressives Tier oder so aussehen“, führt der Mercedes-Designchef weiter aus. Eine Sache werde sich jedoch nicht ändern: Elektroautos werden auch weiterhin Kanten und eine Art Gesicht haben, damit es dem Menschen ähnlicher wird.

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