Neuausrichtung hat erste Folgen

Trotz Fokus auf Elektromobilität: Mercedes trifft kuriose Entschteidung

Ein Mercedes-Stern auf schwarzem Hintergrund
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Mercedes will künftig voll auf Elektromobilität setzten und trifft dennoch eine kuriose Entscheidung.
  • Simon Mones
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Mercedes will in Zukunft voll auf die Elektromobilität setzten. Trotzdem trifft der Automobilhersteller aus Stuttgart nun eine kuriose Entscheidung. 

Am vergangenen Wochenende fand in Berlin das Finale der siebten Saison der Formel E statt. Für Mercedes gab es gleich doppelt Grund zu feiern, denn die Stuttgarter sicherten sich sowohl als Team den Weltmeistertitel als auch mit Nyck de Vries in der Fahrerwertung. In der kommenden Saison will das Team beide Titel verteidigen, doch danach ist Schluss.

Nach BMW und Audi, die in Berlin ihre letzten Rennen in der Formel E bestritten, steig auch Mercedes im August 2022 aus der Serie aus. „Wir können auf unsere Erfolge in der Formel E stolz sein, besonders den Gewinn des WM-Doubles, das einen historischen Meilenstein in der Motorsport-Geschichte von Mercedes-Benz darstellt“, erklärte der Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Dabei hatte der Automobilkonzern aus Stuttgart jüngst erst angekündigt, nur noch auf die Elektromobilität zusetzen. Eine Aussage, die man auch in der Pressemitteilung zum Formel-E-Ausstieg noch einmal wiederholt.

Mercedes: Trotz Fokus auf Elektromobilität - Formel 1 statt Formel E

Dort kündigt die Daimler-Tochter an, „noch vor Ende des Jahrzehnts vollelektrisch zu werden, wo immer die Marktbedingungen es zulassen“. Den Ausstieg aus der Elektrorennserie begründet Mercedes offiziell mit der strategischen Neuausrichtung, die freigewordenen Ressourcen sollen künftig in die Entwicklung fließen, um dort die in der Formel E gewonnene Erkenntnisse anzuwenden.

Zeitgleich erklärt Mercedes aber auch an sich zukünftig werksseitig voll auf die Formel 1 zu fokussieren. „Die Formel 1 bietet großes Potenzial für Technologietransfer, wie wir bei aktuellen Projekten wie dem Vision EQXX sehen. Zudem werden unser Team sowie die gesamte Serie bis zum Ende des Jahrzehnts klimaneutral sein“, betonte Mercedes-Vorstand Markus Schäfer.

Mercedes opfert Formel E trotz Elektro-Fokus: Entscheidung wirkt kurios, macht aber Sinn

Auf den ersten Blick mag diese Entscheidung erst mal kurios wirken. Auch wenn die Formel 1 in Zukunft deutlich mehr elektrifiziert werden soll und auf E-Fuels statt herkömmlichen Benzin setzt. Wenn Mercedes künftig nur noch auf die Elektromobilität setzt, wäre dann ein Verbleib in der Formel E nicht die logische Konsequenz gewesen?

Auch wenn die Antwort auf diese Frage für die meisten wohl ja lautet, so macht der Ausstieg aus der Formel E aus Sicht von Mercedes Sinn. Vor allem finanziell und in puncto Marketing. Denn die Formel E hat sich nie wirklich bei den Fans etablieren können und ist mit rund 30 Millionen Euro nicht grade günstig. Da hilft wohl auch die geplante Budgetobergrenze in Höhe von 12 bis 15 Millionen Euro nichts.

Mercedes verlässt Formel E: Wenig Entwicklungsspielraum, zu viele Schwächen

Zudem ist der Spielraum für die Entwicklung der Hersteller in der Serie sehr begrenzt. Lediglich beim Elektromotor, Inverter, Getriebe, Hinterradaufhängung und Software sind Eigenentwicklungen möglich. Die Batterie ist in der Formel E derweil ein Einheitsbauteil.

Nyck De Vries kürte sich in Berlin zum ersten Formel-E-Weltmeister.

Doch wie Auto, Motor und Sport berichtet, liegen die Gründe für den Mercedes-Ausstieg auch in den Entwicklungen innerhalb der Formel E. So stören sich die Hersteller beispielsweise am Qualifikationsformat, das die in der Weltmeisterschaft besser platzierten Fahrer benachteiligt, da diese als Erstes auf die Strecke müssen und damit schlechtere Bedingungen haben.

Mercedes verlässt Formel E: Viel Kritik an Elektrorennserie

Zudem reichen in der Formel E oftmals Kleinigkeiten für eine harte Bestrafung aus. Aus Sicht der Hersteller bleibt die Rennserie dabei oft zu stur bei ihrer Entscheidung und das, obwohl es an Erfahrung mangelt. Zumindest bei Qualifying scheint aber Besserung in Sicht, denn für die kommende Saison hat die FIA eine Regeländerung angekündigt.

Mercedes setzt den Fokus auch weiterhin auf die Formel 1.

Kritik gibt es zudem an den Startzeiten, denn die sind alles andere als einheitlich. Während die Fans der Formel 1 wissen, dass ein Rennen - zumindest in Europa - um 15 Uhr startet, muss man bei der Formel E regelmäßig nachschauen. All diese Punkte dürften zusammen mit dem zu geringen Marketingeffekt den Ausschlag gegeben haben, dass sich Mercedes gegen die Formel E entschieden hat.

Das Team könnte aber auch nach dem Ausstieg von Mercedes weiter in der Formel E starten: Während Mercedes-Benz die Formel E am Ende der Saison 8 verlässt, hat die Teamleitung damit begonnen, die Optionen zur Fortsetzung des Team-Engagements in der Serie in der kommenden Gen-3-Ära zu prüfen, darunter auch ein potenzieller Verkauf an neue Besitzer.“

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