250 SL

Mercedes: Wie die Pagode trotz schwerem Erbe zum Kultauto wurde

Classic Car Travel mit der Mercedes Padgode
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Die Pagode begeisterte auch durch ihr elegantes Design.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Die Pagode zählt zu den absoluten Kultautos von Mercedes und das trotz eines schweren Erbes.

Kaum eine andere Automarke in Deutschland wird so sehr mit Kultautos in Verbindung gebracht wie Mercedes-Benz. Schon das Stern-Logo des Stuttgarter Autobauers alleine hat inzwischen Kultstatus erlangt. Daher überrascht es kaum, dass die Liste der Modelle, die Autoliebhaber ins Schwärmen kommen lässt, lang ist.

Logischerweise ist das auch der langen Geschichte von Mercedes-Benz und Daimler geschuldet, die bis zu den Erfindern des Automobils Gottlieb Daimler und Karl Benz zurückreicht. Dabei kamen die Autos von Mercedes aus den unterschiedlichsten Gründen zu ihrem Kultstatus, bei der A-Klasse war es beispielsweise der Elchtest. Für ihr Design hätte die erste Generation der A-Klasse ebenso keinen Blumentopf gewonnen, wie der A2 von Audi.

Mercedes: Pagode wird zum Kultauto - Spitzname dank Dachform

Ganz anders sieht das bei dem Mercedes 230 SL, sowie seinen Nachfolgern 250 SL und 280 SL aus, die grade wegen ihres Designs zu absoluten Liebhaberautos wurden. Der Grund dafür war das Dach der Nachfolger, des ebenfalls legendären 190 SL, sowie des Flügeltürers 300 SL.

Denn das Dach des 230 SL - das auch als Stoffverdeck erhältlich war - war leicht nach innen gewölbt, was ihm den Spitznamen Pagode einbrachte. Dabei sorgte eben jenes Hardtop der Mercedes Pagode anfangs für Irritationen, für viele Fans der Stuttgarter Automarke war er daher kein richtiger SL und schon gar kein würdiger Nachfolger für den Flügeltürer.

Mercedes Pagode: Kultige Delle im Dach - Stabilität schlägt Design

Ironischerweise war auch der Designer Paul Bracq nicht grade angetan von seinem Design, das eher an fernöstliche Tempelbauten erinnerte, wie die Kleine Zeitung berichtet. Doch aus Gründen der Stabilität musste sich Bracq den Technikern bei Mercedes beugen.

Diese hatten mit der Pagode ohnehin kein leichtes Projekt auf ihren Schreibtischen liegen, denn die Anforderungen an den Nachfolger der Baureihen 190 SL und 300 SL waren hoch. Insbesondere das Thema Sicherheit lag Mercedes sehr am Herzen, immerhin waren Knautschzonen damals noch ein absolutes Fremdwort.

Mercedes: Hype um Pagode - Riesen Erfolg in den USA

In der Pagode sollten diese an Front und Heck zum Einsatz kommen und auch andere Erkenntnis aus der Forschung von Béla Barényi - der die passive Sicherheit in der Automobilbranche erfand - wollte Mercedes integrieren. Das alles verpackten die Designer um Friedrich Geiger in einen Entwurf, der mit seiner Eleganz und Sachlichkeit zu überzeugen wusste, als die Pagode im März 1963 auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wurde.

Die Pagode verdankt ihren Spitznamen ihrer Dachform.

Trotz der Zweifel unter den Mercedes-Fans war der Hype um den 230 SL, sowie den 1966 erschienen 250 SL und den 280 SL (ab 1968) groß. Mit 150 beziehungsweise 170 PS war die Mercedes Pagode für die 1960er-Jahre zudem sehr gut motorisiert. Bis zum Ende der Baureihe wurde die Pagode insgesamt 48.912 Mal gebaut. Über die Hälfte davon gingen in die USA, die meisten davon wiederum nach Kalifornien.

Mercedes: Fans holen Pagode in die Neuzeit

„Ich kann mich nicht erinnern, während der vielen Jahre, seitdem ich Auto fahre, je ein Auto (ausgenommen Rennwagen!) gefahren zu haben, das ich lieber besäße“, so fasste der ehemalige Rennfahrer Sir Stirling Moss seine Begeisterung für die Pagode in einem Brief an den Rennleiter Alfred Neubauer zusammen.

Bis heute erfreut sich die Mercedes Pagode größter Beliebtheit und so mancher Fan lässt seiner Kreativität bei diesem Kultauto freien Lauf. Wie das Portal efahrer.com berichtet, hat die walisische Firma Hemmels - die sich auf die Restaurierung von klassischen Mercedes-Modellen spezialisiert hat - die Pagode nun in die Neuzeit geholt.

Mercedes: E-Pagode für 180.000 Euro

Dazu wurde der Mercedes Pagode ein Elektroantrieb verpasst, unter der Haube des Kultautos verrichtet dann ein 120 Kilowatt-Triebwerk seinen Dienst. Dieses soll dem alten Benzinmotor in Sachen Leistung in nichts nachstehen und über die Motorsteuerung sogar den Drehmomentverlauf des alten Verbrenners erhalten und sogar verbessern.

So beschleunigt die E-Pagode binnen neun Sekunden von null auf 100 und schafft maximal 200 km/h. Als Reichweite werden drei Stunden oder etwa 260 Kilometer angegeben. Binnen einer Stunde soll die Batterie dann wieder zu 70 Prozent geladen sein. Allerdings ist der Spaß nicht grade günstig: Die ersten 12 E-Pagoden wurden für rund 248.000 Euro vorbestellt. Dank sinkender Preise für Batterien - und weiterer Einsparungen - wird die zweite Generation bereits für 180.000 Euro zu haben sein.

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