Daimler fehlen Chips

Halbleiterkrise in der Autoindustrie: Massive Folgen für Mercedes-Kunden

Daimler will sich verstärkt auf den Bau von E-Autos konzentrieren.
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Mercedes hat mit der Halbleiterkrise zu kämpfen.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Die Automobilindustrie halt mit einer Halbleiterkrise zu kämpfen. Das hat Folgen für die Kunden von Mercedes.

Seit mehreren Wochen hat die Automobilindustrie mit einer globalen Knappheit bei Computerchips zu kämpfen. Audi und Daimler hatten deswegen zeitweise für einige Standorte Kurzarbeit beantragt. Inzwischen laufen die Bänder bei beiden Herstellern jedoch wieder normal.

Die Halbleiterkrise ist jedoch noch immer nicht überwunden und stellt die Daimler-Tochter Mercedes weiterhin vor große Herausforderungen, das geht aus als vertraulich gekennzeichneten Unterlagen der Sales Operations MBC Region Europe hervor, über die der Business Insider berichtet.

Mercedes: Halbleiterkrise setzt Automobilbranche zu - Kurzfrisitge Videokonfernez

Das interne Kürzel MBC steht dabei für Automobil-Tochter Mercedes-Benz Cars, eine der noch drei Säulen der Daimler AG. Am Montag, 8. Februar, wurde demnach ein Rundschreiben an die Mercedes-Vertriebspartner verschickt, dass mit „Wichtigkeit: Hoch“ versehen war. Der Betreff lautete „Halbleitermangel“, in dem Schreiben wurde für Mittwoch, den 10. Februar, ein „Webex-Treffen“ angekündigt.

Das Thema dieser kurzfristigen Videokonferenz sollen laut Business Insider eine sogenannte Produktionsanpassung bei mehreren Mercedes-Modellen gewesen sein. Betroffen sind demnach die A-Klasse (Baureihen-Code W 177), A-Limousine (V 177), B-Klasse (W 247), GLA (H 247), GLC (X 253) und GLC Coupé (C 253). Auch der Mercedes EQC (N 293) soll ein Thema gewesenen sein.

Mercedes: Halbleiterkrise trifft Kunden

In dem Schreiben weist die Sales Operations MBC Region Europe mit einem Schaubild zudem daraufhin, dass es sich bei der Halbleiterkrise um ein globales Problem handelt, von dem auch andere Branchen betroffen sind. Bereits im Januar informierte Mercedes-Benz seine Landesgesellschaften über sehr große Probleme bei der Verfügbarkeit von Code 234 – „Blind Spot Assist“ – in den kompakten MFA- und GLC-Modellen“.

Das Kürzel MFA steht bei Mercedes für die Modulare Frontantriebsarchitektur, die die technische Basis der Kompaktklasse bildet. Zudem warnte Mercedes vor einer „Reduzierung der geplanten Verfügbarkeit“. Der Grund für die Probleme beim Blind Spot Assist (Totwinkelwarner) „resultieren aus globalen Reduzierungen unserer Unterlieferanten solcher Komponenten“.

Mercedes: Improvisation wegen Halbleiterkrise

Gut eine Woche später folgte dann die nächste Einschränkung wegen der Knappheit der Computerchips, dieses Mal war laut Business Insider der Code 299 betroffen, der bei vielen Neuwagenkunden sehr beliebt ist. Mit diesem Code listet Mercedes das „PRE-SAFE-System“, das mögliche schwerwiegende Unfallfolgen für die Passagiere mindern soll.

Durch den Engpass bei der Halbleiterlieferung kann Mercedes einige Fahrassistenten derzeit nicht wie gewohnt anbieten. (Symbolbild).

Diese Einschränkung wirkt sich allerdings auch auf das komplette Fahrassistent-Paket-Plus aus, von dem das PRE-SAFE-System“ ein wichtiger Bestandteil ist. Daher konnte auch dieses Paket teilweise nicht mehr bestellt werden. Mercedes sorgte bei den verärgerten Kunden jedoch für Abhilfe und führte den Code PAY ein.

Mercedes: Folgen der Halbleiterkrise halten an - Ende in Sicht

„Der PAY-Code ist ein temporärer Code, der nur während der Einschränkungen des Codes 299 verfügbar ist. Wenn die Verfügbarkeit des 299-Codes früher als erwartet wiederhergestellt wird, kann bei Fahrzeugen, die mit PAY ausgestattet sind, der Code 23P von 299 wiederhergestellt werden“, teilte Mercedes seinen Händlern mit.

Allerdings kommen auf die Kunden so Mehrkosten zu, da die Notlösung mit dem PAY-Code günstiger ist als das Fahrassistent-Paket-Plus. Entsprechend weist Mercedes seine Händler an: „Bitte berücksichtigen Sie diese Informationen bei Geschäftsgesprächen!“ Beim Blind-Spot-Assistent geht Mercedes davon aus, diesen ab April wieder vollumfänglich anbieten zu können. Etwas länger dauert es wohl beim „PRE-SAFE-System“, hier rechnet Mercedes ab Juli mit einer Entspannung bei den MFA-Autos.

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