„Das macht den Fall für mich so unfassbar.“

Mannheim: Nach Tod bei Kontrolle – Polizeiwissenschaftler mit heftiger Kritik

Demonstration in Mannheim
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Anfang Mai starb in Mannheim ein Mann nach einer Polizeikontrolle.
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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  • Anna-Maureen Bremer
    Anna-Maureen Bremer
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Am Montag stirbt ein Mann nach einer Polizeikontrolle in Mannheim. Vorwürfe wegen Polizeigewalt werden im Netz laut – jetzt äußert sich auch ein Polizeiwissenschaftler.

Update, 9. Mai: Trauer, Wut und Unverständnis sind seit einer Woche in Mannheim an der Tagesordnung. Hier war am vergangenen Montag ein 47-jähriger Mann in einer Polizeikontrolle ums Leben gekommen. Aus weiten Kreisen der Bevölkerung hagelt es Kritik, immer wieder gehen die Menschen auf die Straßen, um gegen Polizeigewalt zu protestieren. Die Polizisten, die den Mann kontrolliert hatten, sind mittlerweile suspendiert. Wie echo24.de berichtet, läuft gegen sie außerdem ein Verfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt mit Todesfolge.

Nun schaltet sich außerdem ein Polizeiwissenschaftler in die Diskussion ein. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärte Thomas Feltes, der Umgang der Polizei mit diesem psychisch kranken Mann sei unverhältnismäßig gewesen. Den Beamten sei klar gewesen, dass der 47-Jährige psychisch krank gewesen sei: „Das macht den Fall für mich so unfassbar.“

Mannheim: Nach tödlicher Polizeikontrolle – Experte mit heftiger Kritik

Der Mann war gestorben, nachdem Polizisten ihn kontrolliert und überwältigt hatten. Zuvor hatte ein Arzt des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit die Polizei informiert, weil ein Patient möglicherweise Hilfe brauche. Nach Einschätzung von Polizeiwissenschaftler Feltes ist aufgrund der Tatsache, dass die psychische Erkrankung des Mannes bekannt war, klar: „Der Polizeibeamte sollte in solchen Fällen wissen, dass die Person auf bestimmte polizeiliche Maßnahmen anders reagiert als andere Menschen.“

Doch laut Feltes gibt es immer wieder Probleme bei Polizeikontrollen mit psychisch kranken Menschen. Er geht sogar so weit und schätzt, dass in drei von vier Fällen, in denen ein Mensch in einer polizeilichen Maßnahme ums Leben kommt, der Betroffene psychisch krank war. Die Gründe dafür: Zum einen wüssten Polizisten meist nicht, wie man mit solchen Menschen umgehen solle. Zum anderen sei es für sie oft schwer, eine psychische Erkrankung zu erkennen.

Was genau in besagter tödlicher Polizeikontrolle am Montag, 2. Mai, passiert ist, bleibt allerdings auch zum heutigen Zeitpunkt noch ungewiss. Im Internet kursieren Videos, die zeigen, wie ein Polizeibeamter auf den Kopf eines liegenden Mannes einschlägt. Ob diese Filmsequenzen tatsächlich echt sind, wird derzeit noch geprüft.

Mannheim: Tragischer Todesfall bei der Polizeikontrolle – Demos durch die Stadt

Update, 8. Mai: Nach dem tragischen Tod eines Mannes bei einer Polizeikontrolle in Mannheim sind die Menschen aufgebracht. Vorwürfe wegen Polizeigewalt stehen im Raum – immer wieder gehen Hunderte auf die Straße, um zu protestieren.

Menschen demonstrieren in der Innenstadt von Mannheim gegen Polizeigewalt.

So auch wieder am Samstagabend, 7. Mai. In der Mannheimer Innenstadt demonstrierten rund 900 Menschen, wie die Deutsche Presse-Agentur dpa berichtet. Auf Plakaten und Bannern waren Sprüche wie „Trauer-Wut-Widerstand. Wer schützt uns vor der Polizei?“ und „No Justice No Peace“, also zu Deutsch „keine Gerechtigkeit, kein Frieden“ zu lesen.

Doch wie die Polizei berichtet, blieb der Demonstrationszug, wie schon an den Tagen davor, nicht gänzlich gewaltfrei. Zunächst wurden im Verlauf der Protestaktion bengalische Fackeln und Rauchfackeln gezündet – außerdem ist von Böllern die Rede. Weiter heißt es, das Stadthaus, das Landgericht, das Polizeirevier in der Innenstadt sowie weitere Gebäude seien durch Farbbeutel- und Flaschenwürfe sowie Sprühfarbe beschädigt worden. Immerhin: Angriffe auf Polizisten habe es nicht gegeben, auch keine Verletzten.

Mannheim: Polizisten waren vor dem Todesfall des 47-Jährigen nicht auffällig geworden

Update, 5. Mai: Es sind noch viele Fragen zum Tod eines Mannes bei einer Polizeikontrolle in Mannheim offen. Es könnte nach Angaben des Landeskriminalamtes erst in sechs bis acht Wochen Antworten geben. Zwar sind nach Angaben des baden-württembergischen Landeskriminalamtes (LKA) Spuren stumpfer Gewalt an der Leiche festgestellt worden. Diese seien aber „von geringer Intensität gewesen“, sagte LKA-Präsident Andreas Stenger am Mittwoch. Es sei weiter unklar, ob der 47-Jährige eines gewaltsamen oder eines natürlichen Todes gestorben sei. Der Mann habe auch eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) gehabt.

Die Spurensicherung arbeitet am Ort der Polizeikontrolle in Mannheim.

Der Mann war am vergangenen Montag nach dem Zusammenbruch zunächst wiederbelebt worden, später aber im Krankenhaus gestorben. Zuvor soll er sich nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft gewehrt haben. Gegen die beiden beteiligten Polizisten wird inzwischen wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt mit Todesfolge ermittelt. Sie sind nach Angaben des Mannheimer Polizeipräsidenten Siegfried Kollmar vom Dienst suspendiert.

Die Männer seien seit mehreren Jahren im Polizeidienst. Die Beamten haben sich aber nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht zum Ablauf geäußert. Sie seien seines Wissens bislang auch nicht auffällig geworden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Mannheim, Romeo Schüssler.

Polizei in Mannheim verliert nach Tod eines Mannes (47) viel Vertrauen der Bürger

Seit dem Tod des Mannes sieht sich die Polizei heftiger Kritik ausgesetzt. Im Internet kursieren Videos, auf denen Schläge eines Polizisten gegen den Kopf eines auf dem Boden liegenden Mannes zu sehen sind. Unklar bleibt, warum die Polizisten bei dem Einsatz ihre Bodycams am Körper nicht aktiviert hatten.

Nach Angaben von LKA und Staatsanwaltschaft hatte zunächst ein Arzt des Zentralinstituts für seelische Gesundheit Mannheim die Polizei über den 47-jährigen - einen Patienten - informiert, der hilfsbedürftig sei. Die beiden Beamten und der Arzt hätten den Mann gesucht und in der Innenstadt entdeckt. „Er hat sicherlich den Anweisungen der Beamten, stehenzubleiben, nicht Folge geleistet“, sagte LKA-Chef Stenger. Man sehe zudem auf den Videos, dass er sich widersetzt habe, „dass da Bewegungen sind, dass da ein Schlagen ist“. Man dürfe sich aber nicht von einzelnen Videosequenzen täuschen lassen, sagte er weiter.

Tod nach Polizeikontrolle: Wer war der Verstorbene? Details zur Person

Bislang haben sich laut LKA rund 30 Zeugen gemeldet. Außerdem seien mehr als 70 Videos zur Verfügung gestellt worden - inwieweit es sich dabei zum Teil um identische Videos handelte, ist nach Worten des LKA-Präsidenten noch unklar. Wegen scharfer Kommentierungen in den sozialen Medien wurden nach Polizeiangaben aber auch 150 Verfahren eingeleitet. Der Fall wird die Polizei aus Sicht ihres Mannheimer Präsidenten Siegfried Kollmar viel Vertrauen in der Stadt kosten. „Wir werden einige Wochen und Monate brauchen, bis wir Vertrauen zurückgewonnen haben“, sagte Kollmar am Mittwoch in Mannheim. „Unsere Bemühungen haben einen Knacks bekommen.“

Nach Angaben der Behörden handelte es sich bei dem verstorbenen 47-Jährigen um einen deutschen Staatsbürger mit kroatischen Wurzeln. Der Mann sei im September 2017 eingebürgert worden.

Tod nach Polizeikontrolle: In Mannheim wird gegen Polizisten ermittelt

Update, 3. Mai 16:45 Uhr: Die Ereignisse in Mannheim überschlagen sich – nachdem am Montag ein 47-jähriger Mann nach einer Polizeikontrolle zusammengebrochen und später im Krankenhaus gestorben war, gibt es jetzt neue Informationen. Denn wie bereits berichtet, kursieren im Netz Anschuldigungen gegenüber den Polizeibeamten, sie hätten den am Boden liegenden Mann gegen den Kopf geschlagen.

Nachdem ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg zunächst bekannt gegeben hatte, die im Internet kursierenden Videos, auf denen die Schläge eines Polizisten gegen den Kopf eines auf dem Boden liegenden Mannes zu sehen sind, müssten zunächst noch geprüft werden, scheint es nun konkretere Anschuldigungen zu geben.

Denn in einer zweiten Pressemitteilung gibt das LKA nun bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen die beteiligten Beamten ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge im Amt eingeleitet habe. Zusätzlich wird die Leiche des 47-Jährigen nun am Mittwoch, 4. Mai, obduziert.

Nach tödlicher Polizeikontrolle in Mannheim: Obduktion am Mittwoch

Update, 3. Mai 16:00 Uhr: Große Aufregung in Mannheim – am Montag, 2. Mai, war ein 47-jähriger Mann nach einer Polizeikontrolle zusammengebrochen und später im Krankenhaus gestorben. Er hatte sich gegen die Kontrolle der zwei Polizisten gewehrt und war schließlich überwältigt worden.

Da mittlerweile Videos im Internet kursieren, auf denen Schläge eines Polizisten gegen den Kopf eines auf dem Boden liegenden Mannes zu sehen sind, ermitteln das Landeskriminalamt und die Polizei auf Hochtouren. Denn bisher ist noch nicht klar, ob das Video echt ist oder überhaupt die Polizeikontrolle zeigt, um die es bei dem Fall geht.

Wie die Deutsche Presse-Agentur dpa jetzt weiter berichtet, werden die Aufnahmen in die Ermittlungen mit einbezogen, so ein Sprecher des LKA, jedoch handle es sich nur um eine kurze Sequenz, die nicht vorschnell beurteilt werden sollte. Außerdem wird die Leiche des 47-Jährigen am Mittwoch obduziert. Erste Ergebnisse sollen dann laut LKA Baden-Württemberg Ende der Woche vorliegen.

Nach tödlicher Polizeikontrolle in Mannheim: LKA-Pressesprecher mit Statement

Update, 3. Mai 14.30 Uhr: Nach den Vorwürfen der rassistisch motivierten Polizeigewalt äußert sich der Pressesprecher des Landeskriminalamts nun zu dem Vorfall in der Mannheimer Innenstadt. Ein Mann (47) war nach einer Polizeikontrolle zusammengebrochen und gestorben. Die genauen Umstände sind noch unklar.

Demo auf dem Mannheimer Marktplatz nach Tod des ZI-Patienten.

Pressesprecher David Fritsch sagte, dass aktuell Zeugenaussagen und auch kursierendes Videomaterial gesammelt und ausgewertet werde. Er später könne man dieses auch sinnvoll einordnen. Zu untersuchen ist auch noch die genaue Todesursache des 47-Jährigen. Zu den Beamten, die bei der besagten Polizeikontrolle im Einsatz waren, wollte er sich nicht äußern.

Mannheim: Mann stirbt nach Polizeikontrolle – heftige Vorwürfe werden laut

Erstmeldung, 3. Mai: Der Tod eines 47-jährigen Mannes nach einer Polizeikontrolle sorgt für heftige Reaktionen – sowohl im Netz als auch in der Mannheimer Innenstadt. Wie echo24.de berichtet, starb der Mann nach ersten Informationen gestern (Montag, 2. Mai), nachdem er von zwei Polizeibeamten kontrolliert worden war. Es hatte zuvor wohl eine körperliche Auseinandersetzung gegeben. Nun sind die Todesumstände unklar.

Mannheim: Mann stirbt nach Polizeikontrolle – Vorwürfe werden laut

Der SWR schreibt zu dem Vorfall: „Ein Arzt des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) hatte demnach zuvor die Polizei alarmiert, weil ein Patient möglicherweise Hilfe brauche. Dabei handelte es sich um den 47-Jährigen.“ Der Arzt als auch die gerufenen Polizisten fanden den Besagten dann in der Mannheimer Innenstadt, wo er sich der Kontrolle durch die Beamten widersetzte und überwältigt wurde. Danach brach er leblos zusammen.

Trotz Wiederbelebungsversuchen durch den Arzt, der bereits vor Ort war, und die Beamten und die Versorgung durch herbeigerufene Rettungskräfte verstarb der Mann später im Krankenhaus. Die Polizei erfährt nun heftige Vorwürfe. Noch am Abend kam es in Mannheim zu einer Demonstration mit 100 bis 150 Teilnehmern. Der Vorwurf: rassistisch motivierte Polizeigewalt. In den Sozialen Medien wird nach Aufklärung verlangt.

Nach Polizei-Vorfall in Mannheim: Video kursiert im Netz

„In den Netzwerken kursiert ein Video, das den Vorfall zeigen soll. In dem Ausschnitt ist zu sehen, wie ein Polizist einen am Boden liegenden Mann mehrmals schlägt, auch gegen den Kopf“, heißt es im SWR-Bericht weiter.

„Einfache körperliche Gewalt“ war laut Landeskriminalamt bei dem Einsatz notwendig gewesen., um den 47-Jährigen überhaupt unter Kontrolle bringen zu können. Heißt: körperliche Gewalt ohne Hilfsmittel oder Waffen. Mehr Details gab es dazu bisher nicht. Es ist noch unklar, wie es zum plötzlichen Zusammenbruch des Mannes kam.

„Um Falschmeldungen vorzubeugen, es handelt sich bei dem Verstorbenen NICHT um einen türkischen Staatsbürger“, twittert das LKA. Welche Nationalität der Mann allerdings hatte, steht nicht dabei. Jetzt ermitteln das LKA und die Staatsanwaltschaft Mannheim, wie genau der Ablauf des Vorfalls war. In Pforzheim hatte 2021 ebenfalls ein Fall für Aufsehen und die Debatte um mögliche Polizeigewalt gesorgt.