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Streik bei Lufthansa: Über 800 Flüge gestrichen – Flughafen Stuttgart betroffen

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Von: Dominik Jahn, Julia Cuprakowa

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Auch am Flughafen Stuttgart bekommen die Passagiere den Streik der Lufthansa-Piloten zu spüren. Die Verantwortlichen sprechen aber von eher geringen Auswirkungen.

Update vom 2. September: Es wird gestreikt! Die Piloten der Lufthansa sind am heutigen Freitag in einen ganztägigen Streik getreten. Wie ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit am Freitagmorgen sagte, habe der Streik wie geplant begonnen. Betroffen sind rund 130.000 Passagiere von mehr als 800 ausfallenden Flügen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Und unter bestimmten Voraussetzungen haben Passagiere Anspruch auf eine Entschädigung. Doch was fordern die Piloten genau?

Lufthansa-Streik – Piloten fordern eine Gehaltssteigerung von 5,5 Prozent

Die Vereinigung Cockpit (VC) hatte die Piloten der Kerngesellschaft wie auch der Frachttochter Lufthansa Cargo zu einem ganztägigen Streik aufgerufen. Anlass sind die aus Sicht der Gewerkschaft gescheiterten Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag. Die VC verlangt nach eigenen Angaben Gehaltssteigerungen von 5,5 Prozent im laufenden Jahr und einen automatisierten Inflationsausgleich ab dem kommenden Jahr.

Lufthansa hatte nach eigenen Angaben zuletzt eine Erhöhung der monatlichen Grundvergütung um pauschal 900 Euro angeboten. Bezogen auf die Laufzeit von 18 Monaten würde das einen Zuwachs von 18 Prozent für Berufsanfänger und 5 Prozent für Kapitäne in der Endstufe ergeben. Die Lufthansa hat den Streikaufruf kritisiert und die VC aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Lufthansa-Streik heute – nur wenige Flüge am Flughafen Stuttgart betroffen

Welche Flughäfen und Fluggesellschaften sind konkret vom Streik betroffen? Bestreikt werden laut Vereinigung Cockpit ausschließlich die Abflüge der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie der Lufthansa Cargo von deutschen Flughäfen. Die Tochtergesellschaften Eurowings, Lufthansa Cityline und Eurowings Discover sind von dem Aufruf nicht betroffen und sollen planmäßig fliegen. Gleiches gilt für ausländische Lufthansa-Töchter wie Swiss, Austrian oder Brussels.

Lufthansa-Piloten streiken wieder.
Die Piloten der Lufthansa streiken – mit weitreichenden Konsequenzen. © Uwe Anspach/dpa/Archiv

Neben Frankfurt und München sind am Freitag auch andere deutsche Airports von den Streiks betroffen. Auch Flughafen Stuttgart spürt die Auswirkungen des Streiks. Insgesamt sind es aber am Airport der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart nur wenige Flüge, die ausfallen würden, wie echo24.de bereits berichtete.

Lufthansa-Streik – Folgen für Passagiere am Flughafen Stuttgart

Update vom 1. September: Jetzt steht der Termin fest. Die Lufthansa Piloten werden am Freitag, 2. September, in einen ganztägigen Streik treten. Als Reaktion auf die Ankündigung streicht die Fluggesellschaft Hunderte Flüge. Damit ist fast das komplette Flug-Programm der Lufthansa betroffen. Auch der Flughafen Stuttgart bekommt die Auswirkungen zu spüren.

echo24.de hat bereits im Vorfeld des drohenden Streiks der Lufthansa-Piloten vor wenigen Tagen beim Flughafen nachgefragt, welche Folgen jetzt auf die Passagiere zukommen werden.

Nach Streikankündigung der Lufthansa-Piloten: Die Folgen für den Flughafen Stuttgart

Eine Sprecherin des Flughafens Stuttgart erklärte dazu: „Bei uns handelt es sich dann eher um sogenannte Zubringerflüge nach München und Frankfurt.“ Heißt, bei den insgesamt 800 gestrichenen Flügen geht es fast ausschließlich um Starts und Landungen an den Drehkreuzen München und Frankfurt. Dabei sind voraussichtlich 130.000 Passagiere betroffen.

Flughafen Stuttgart
Piloten-Streik bei Lufthansa droht. Der Flughafen Stuttgart reagiert zurückhaltend. Noch gibt es keinen festen Termin. © Bernd Weißbrod/dpa

Aktuell sind zwei Flüge am Flughafen Stuttgart gestrichen, mehr kann man zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sagen (Stand 1. September, 12 Uhr). Für Freitag, 2. September, seien demnach drei Flüge nach und drei Flüge von München auf dem Plan. Für Frankfurt wären es drei Abflüge und zwei Ankünfte in Stuttgart. Informationen bekommen Reisende über die Homepage des Flughafens.

Weitere Streiks könnten folgen: Gewerkschaft und Lufthansa sind sich uneins

Die Fronten zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft sind leicht verhärtet. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärt der Tarifchef der Vereinigung Cockpit (VC): „Um Arbeitskämpfe abzuwenden, muss Lufthansa ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen.“

Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann forderte dagegen die VC zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Er sagte laut Mitteilung: „Uns fehlt jedes Verständnis für den Streikaufruf der VC. Die Arbeitgeberseite hat ein sehr gutes und sozial ausgewogenes Angebot gemacht.“

Hintergrund zum Streik: „Die VC hatte sich in der Vergangenheit die exakte Zahl von 325 Flugzeugen garantieren lassen, die ausschließlich von den rund 5000 Kapitänen und Ersten Offizieren geflogen werden durften, die dem Konzerntarifvertrag unterlagen, um den es auch jetzt wieder geht. Die Lufthansa hatte unter dem Eindruck der Corona-Krise die entsprechende Zusatzvereinbarung aufgekündigt und begonnen, unter dem Kranich-Logo einen neuen Flugbetrieb (AOC) mit niedrigeren Tarifbedingungen aufzubauen. Die neue Airline mit der internen Bezeichnung «Cityline 2» soll im Europa-Verkehr zahlreiche Flüge der bisherigen Kerngesellschaft übernehmen.“

Flughafen Stuttgart äußert sich zum drohenden Piloten-Streik der Lufthansa

Erstmeldung vom 26. August: Erst im Juli musste man sich am Flughafen Stuttgart auf einen Streik bei der Fluggesellschaft Lufthansa einstellen, wie echo24.de berichtet hatte. Bundesweit wurden bei den Warnstreiks mehr als 1.000 Flüge gestrichen. Damals war das Bodenpersonal beteiligt. Jetzt könnte es erneut ungemütlich werden, für die Passagiere. Es droht ein Streik der Piloten.

Als Grund nennt die Tarifkommission der Vereinigung Cockpit (VC) am Donnerstag ein mangelhaftes Angebot der Airline. Laut der Deutschen Presseagentur (dpa) erklärt ein Sprecher der Gewerkschaft dazu, dass es zwar in die richtige Richtung gehe, aber es bei weitem noch nicht ausreichend. Auch beim Flughafen Stuttgart behält man die aktuellen Entwicklungen im Blick.

Flughafen Stuttgart hofft auf konkrete Streikankündigung bei der Lufthansa

Für die Flughäfen keine leichte Situation. In Stuttgart reagiert man ruhig und zurückhaltend. Gegenüber echo24.de erklärt eine Sprecherin des Flughafens Stuttgart: „Es ist alles noch offen und daher sind alle Überlegungen zunächst reine Spekulationen.“ In der Tat gab es von der Gewerkschaft noch keinen genauen Termin für die neuerlichen Lufthansa-Streiks. Auch wurden keine konkreten Streikorte oder Unternehmen genannt.

In der Ankündigung heißt es dazu nur, dass ab sofort Streiks möglich sind. Hoffnung hat man am Airport in Stuttgart noch, dass die Verantwortlichen ähnlich handeln, wie sie es im Juli getan haben. Damals kündigte die Gewerkschaft die Streiks zwei Tage vorher an. Auf eine solche Vorlaufzeit setzt man auch jetzt, wie die Sprecherin erklärt: „Es wäre gut. Damit hätten die betroffenen Passagiere etwas Zeit, um auf die Flugausfälle zu reagieren.“

Wie stark wäre der Flughafen Stuttgart von den Lufthansa-Streiks betroffen?

Doch wie stark wäre denn der Flughafen Stuttgart überhaupt von den Streiks bei der Lufthansa betroffen? Die Folgen hielten sich in der Tat in Grenzen. Laut dpa ist davon auszugehen, dass besonders die Lufthansa-Kerngesellschaft in Frankfurt und München sowie die Frachttochter Lufthansa Cargo bestreikt werden sollen.

Wie schon im Juli, so erklärt die Sprecherin des Flughafens Stuttgart gegenüber echo24.de, wären auch jetzt wieder nur wenige Flüge in der baden-württembergischen Landeshauptstadt: „Bei uns handelt es sich dann eher um sogenannte Zubringerflüge nach München und Frankfurt.“ Am Wochenende 27. und 28. August wären das zum Beispiel fünf Flüge – drei nach München und zwei zum Frankfurter Airport. Aber auch wenn es nur wenige Starts sind, bleibt es laut Sprecherin „ärgerlich für die betroffenen Passagiere.“

Flughafen Stuttgart in der Krise gut aufgestellt

Bei solchen Streiks sind Airports, wie der Flughafen Stuttgart, zum Zuschauen verdammt. Handlungsmöglichkeiten sind begrenzt, da es die Fluggesellschaften direkt betrifft. Anders sieht es beim erwarteten Reise-Chaos vor den Sommerferien aus. Hier hatte man in Stuttgart an Lösungen für die Passagiere gearbeitet.

Auch einem drohenden Personalmangel durch die Corona-Pandemie hat man am Flughafen Stuttgart bereits weit im Voraus entgegengewirkt und entscheidende Maßnahmen getroffen.

Flughafen Stuttgart: Lufthansa-Streik der Piloten betrifft auch feste Absprachen

Hauptgründe für die drohenden Streiks bei der Lufthansa in den kommenden Tagen oder Wochen sind von der VC klar definiert. Wie die dpa schreibt, geht es um Gehaltssteigerungen von 5,5 Prozent im laufenden Jahr und einen automatisierten Inflationsausgleich ab dem kommenden Jahr.

Außerdem geht es um die Nichteinhaltung getroffener Absprachen seitens des Lufthansakonzerns. Dazu heißt es im dpa-Bericht: „Die VC hatte sich in der Vergangenheit die exakte Zahl von 325 Flugzeugen garantieren lassen, die ausschließlich von den rund 5000 Kapitänen und Ersten Offizieren geflogen werden durften, die dem Konzerntarifvertrag unterlagen, um den es auch jetzt wieder geht. Die Lufthansa hatte unter dem Eindruck der Corona-Krise die entsprechende Zusatzvereinbarung aufgekündigt und begonnen, unter dem Kranich-Logo einen neuen Flugbetrieb (AOC) mit niedrigeren Tarifbedingungen aufzubauen. Die neue Airline mit der internen Bezeichnung «Cityline 2» soll im Europa-Verkehr zahlreiche Flüge der bisherigen Kerngesellschaft übernehmen.“

Kommen noch mehr Streiks auf den Stuttgarter Flughafen zu?

Neben der Lufthansa könnte auch die Unternehmenstochter Eurowings noch zum Streikziel werden. Hier steht am 31. August eine Urabstimmung der Piloten dazu an.

Der vorerst letzte Pilotenstreik bei Lufthansa endete im Februar 2017 nach 14 Runden und einer letztlich erfolgreichen Schlichtung. Der 2012 begonnene Arbeitskampf hat die Lufthansa nach damaligen Angaben mindestens 500 Millionen Euro gekostet.

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