Nach Produkt-Rauswurf beim Discounter

Lidl Neckarsulm wirft Haribo aus den Filialen – überraschende Reaktion von Schwester Kaufland

  • Olaf Kubasik
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Kunden müssen in den Filialen von Lidl auf die Produkte des Fruchtgummi-Herstellers verzichten. Lidl-Schwester Kaufland reagiert daraufhin überraschend.

Update vom 1. Oktober: Lidl Neckarsulm hat die Produkte von Haribo in all seinen Filialen aus dem Sortiment geworfen. Wegen harter Preisverhandlungen zwischen dem Discounter und dem Gummibärchen-Hersteller. So lange die Streithähne keine Einigung erzielen, müssen Lidl-Kunden dadurch auf Eigenmarken- und Katjes-Fruchtgummi zurückgreifen. Nun hat Kaufland, das ebenfalls zur Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm gehört, auf den Zoff seiner Schwester mit Haribo reagiert.

Kaufland, das bei der Verhökerung von Real eine entscheidende Rolle spielen möchte, agiert dabei für Außenstehende befremdlich - macht aber letztlich nur das, was im hartumkämpften Lebensmitteleinzelhandel gang und gäbe ist: Der Vollsortimenter nutzt die momentane Situation - neben Lidl stehen auch Rewe und Edeka in Preisverhandlungen mit dem Gummibärchen-Hersteller - für sich aus. Indem er die 220-Gramm-Tüte Haribo-Goldbären in dieser Woche zum Sonderangebot erklärt, für 63 statt 96 Cent und mittels Sonderaufsteller direkt am Eingang seiner Filialen anbietet.

Lidl aus Neckarsulm verbannt beliebte Produkte - aber warum?

Erstmeldung vom 30. September: Wenn Lebensmittelhersteller im Herbst die Preise ihrer Produkte erhöhen, schrillen bei Supermärkten und Discountern die Alarmglocken. Denn zu dieser Jahreszeit verhandeln Produzenten und Händler ihre neuen Konditionen. Und nicht selten eskaliert so ein Preisstreit, weil bei den Giganten sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite knallhart verhandelt wird. Nicht selten ist die Folge ein Lieferstopp von Seiten des Herstellers. Und die Handelskette wirft in aus dem Sortiment.

UnternehmenLidl
RechtsformStiftung & Co. KG
SitzNeckarsulm
Gründung1973
BrancheLebensmitteleinzelhandel

Nun hat sich Lidl mit Sitz in Neckarsulm mit einem Hersteller überworfen. Aufgrund solch knallharter Preisverhandlungen. Die Folge: Es gibt in keiner Filiale des Discounters, der wegen eines anderen Produkts im Sortiment gerade jede Menge Spott ertragen muss, mehr die beliebten Waren. Stattdessen sind bei Lidl nun die betreffenden Regale mit Eigenmarken befüllt und mit Produkten des größten Konkurrenten des betreffenden Herstellers. Doch mit wem steckt Lidl überhaupt im Preiskrieg?

Lidl Neckarsulm: Keine Haribo-Produkte mehr für Kunden in den Filialen

Der Slogan des besagten Herstellers lautet: „Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso.“ Aber nicht mehr bei Lidl, das sich unter Dieter Schwarz zum Discounter-Imperium entwickelt hat. Dort ist das Fruchtgummi von Haribo nun erstmal passé, weil der Markenspruch „Lidl lohnt sich“ für die Kunden gewährleistet sein muss - heißt Katjes und Eigenmarken in den Süßwaren-Regalen. Hintergrund: Der Gummibärchen-Hersteller beruft sich chip.de zufolge auf die Corona-Krise und die anhaltende Afrikanische Schweinepest. Da die für Fruchtgummi erforderliche Gelatine hauptsächlich aus tierischen Proteinen gewonnen werde, sei sie auf dem weltweiten Handelsmarkt besonders teuer geworden.

Für den Verbraucher hieße das, wenn es nach den Vorstellungen von Haribo ginge, dass er für eine 360-Gramm-Packung der Goldbären 1,29 Euro hinblättern müsste - also abzüglich der Mehrwertsteuer 1,26 Euro. Zuviel für Lidl, das momentan auch mit seiner neuen App für jede Diskussionsstoff sorgt. Zum Vergleich: 2018 kostete besagte Goldbären-Packung noch 1,09 Euro. Demnach ein Wucherpreis für den Discounter der Schwarz-Gruppe. Aber nicht nur für den: Auch Rewe und Edeka stünden laut chip.de derzeit in Preisverhandlungen mit dem Gummibären-Hersteller.

Lidl Neckarsulm: Konkurrent Aldi Süd geht mit Haribo in die Kunden-Offensive

Für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ steht der Schuldige für diesen Preiskampf fest: Haribo. Denn das habe sich unter der Regie von Hans Guido Riegel verzettelt statt internationaler und moderner zu werden. Für den Preisstreit zwischen Haribo und den Händlern Lidl, Rewe und Aldi macht die Autorin des Berichts ebenfalls den Familienerben verantwortlich, dem sie fehlende Führungsstärke und keine richtungsweisende Hand attestiert. Außerdem habe er seit seinem Amtsantritt eine Fluktuation an Managern zu beklagen. Eine kleine Parallele zu Lidl, das derzeit ebenfalls ohne Vorstandsvorsitzenden auskommen muss.

Im Fruchtgummi-Sortiment von Lidl Neckarsulm finden Kunden kein Haribo-Produkt mehr.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Das besagt eine Redensart. Und so ist es auch im Fall von Lidl und Haribo. Aldi Süd geht in seinen Filialen jetzt mit großen Haribo-Aufstellern wie schon so häufig in die Offensive gegen den Erzkonkurrenten Lidl. Außerdem werden in den Prospekten von Aldi Süd auch immer wieder die verschiedensten Produkte von Haribo als Angebote beworben.

Rubriklistenbild: © Olaf Kubasik

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