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Kunden fahren voll auf die neue Lidl-App ab - aber würdet Ihr DIESE Daten preisgeben?

  • Olaf Kubasik
    vonOlaf Kubasik
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Lidl aus Neckarsulm begeistert die Kunden mit einer neuen kostenlosen App - doch dafür zahlen sie einen hohen Preis.

Der Lebensmitteleinzelhandel ist ein hartes Geschäft. Wer sich nicht andauernd im Kampf um Kunden etwas Neues einfallen lässt, der gerät schnell ins Hintertreffen gegenüber den anderen Mega-Discountern und -Supermärkten. Natürlich werden nebenbei immer noch heftige Preisschlachten gefochten, doch Innovation ist mehr gefragt denn je - in einem Zeitalter, das sich zunehmend digitalisiert. Ganz vorne: die Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm bei Heilbronn mit ihrem Vollsortimenter Kaufland und dem Discounter Lidl, die im Geschäftsjahr 2019/2020 einen Rekordumsatz erwirtschaftet haben.

FirmaLidl
UnternehmensformStiftung & Co. KG
Gründung1973
SitzNeckarsulm
BrancheLebensmitteleinzelhandel

Vor allem Lidl sticht dabei immer wieder besonders heraus. Zuletzt begeisterte der Discounter aus Neckarsulm bei Heilbronn mit seiner eigenen Mode-Kollektion, die an der Kasse wegging wie warme Semmeln. Nun folgt der nächste Coup! Mit der sogenannten Lidl-Plus-App, die das Unternehmen gerade massiv bewirbt - sei es durch Anzeigen-Offensiven oder durch die Mitarbeiter in den Filialen selbst. An der Kasse werden Kunden derzeit stets gefragt: „Haben Sie schon unsere neue Lidl-Plus-App?“

Lidl/Neckarsulm: Neue App bietet Kunden viele Vorteile

Die Kunden sind jedenfalls begeistert, wie die deutschen App-Charts derzeit beweisen: Lidl Plus rangiert vor Rennern wie WhatsApp, Instagram, der Corona-Warn-App oder YouTube. Doch was macht diese Discounter-App so besonders? Es sind die Vorteile, die versprochen werden. Lidl bietet dabei so vieles, was andere Lebensmittelmarkt-Apps nicht bieten: Die App ist Kundenkarte, Rabattsammler, bietet Vorteile bei Lidl-Partnern sowie Coupons und Rubbellose (natürlich digital), den digitalen Kassenbon sowie die aktuellen Prospekte mit den Angeboten.

Laut Lidl können Kunden mit der ohnehin schon kostenlosen App „richtig abräumen“. Zum Beispiel gleich beim Downloaden: Wer beim ersten Einkauf über 25 Euro dann mit Lidl Plus agiert, erhält fünf Euro gut geschrieben. Ein verlockendes Einstiegsangebot des laut einer echo24.de-Umfrage beliebtesten Discounters. Doch schon bei der App-Anmeldung könnte dem ein oder anderen ein Lichtlein aufgehen. Dass am Ende einer ganz besonders von der Lidl-Plus-App profitiert: nämlich Lidl selbst.

Lidl/Neckarsulm: Neue App entlockt den Kunden eine Vielzahl persönlicher Daten

Um die Lidl-Plus-App überhaupt nutzen zu können, sind bei der Anmeldung allerhand persönliche Daten gefragt - heißt im Detail: Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Straße, E-Mail-Adresse, Mobilfunknummer und Lidl-Stammfiliale. In den Datenschutzhinweisen des Discounters, der momentan auf der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden ist, heißt es: „Optional und freiwillig können Anrede, Geschlecht und Anschrift (Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Stadt, und Land) angegeben werden.“ Der Kunde bezahlt also die App nicht mit Geld, sondern mit einer Vielzahl seiner Daten. Damit Lidl ihm Angebote nach Maß schneidern kann.

Die Lidl-Plus-App steht im Google-Play-Store und im App-Store von Apple kostenlos zum Download bereit.

Aber mehr noch: Wer den QR-Code der Lidl-Plus-App beim Bezahlen an der Kasse scannt, gewährt dem Discounter einen überaus umfangreichen Einblick in das eigene Kaufverhalten. DENN in den Datenschutzrichtlinien von Lidl, das sich von einer Vision Dieter Schwarz‘ zu einem Imperium entwickelt hat, steht auch: „Bei Verwendung der App erheben wir Informationen über die Filiale, in der Sie einkaufen. Zudem erheben wir Informationen über angeschaute und aktivierte Coupons, Ihre Benachrichtigungseinstellungen, die Teilnahme an Gewinnspielen sowie Ihre ausgewählte Stammfiliale.“ Der gläserne Kunde zahlt somit einen hohen Preis für die eigentlich kostenlose App.

Rubriklistenbild: © Olaf Kubasik

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