Gefährliche Bakterien haben sich ausgebreitet

Explosion der Legionellen-Fälle: Expertin rät zu dieser Tat in jedem Urlaub

  • Julia Thielen
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In Baden-Württemberg ist die Zahl der Fälle von Legionellen stark gestiegen. Eine Expertin für Trinkwasser gibt deshalb einen wichtigen Tipp für jeden Urlaub.

Schon 2020 warnte das Robert-Koch-Institut (RKI) vor einem möglichen Anstieg der Legionellen-Fälle in Deutschland wegen des langen Stillstands im Corona-Lockdown. Tatsächlich sind die Fallzahlen von Menschen, die an Legionellen erkranken, in diesem Jahr in Baden-Württemberg regelrecht explodiert. Doch selbst unabhängig davon besteht grundsätzlich die Gefahr, dass die Bakterien sich im Wasser befinden. Eine Expertin für hygienisches und sicheres Trinkwasser rät deshalb immer zu einem bestimmten Schritt im Urlaub.

Allein in Heilbronn hatten sich 2021 fünf Menschen mit Legionellen infiziert und waren daraufhin schwer erkrankt. Zwei von ihnen starben sogar an den Folgen der sogenannten Legionärskrankheit. Landesweit waren es von Mitte Juni bis zum 6. August insgesamt 97 Fälle, sieben davon mit tödlichem Ausgang. Und es werden offenbar immer noch mehr Legionellenfälle bekannt.

Legionellen vorbeugen: Expertin rät zu einfachem Schritt in jedem Urlaub

Die Vermutung liegt nicht nur beim baden-württembergischen Landesgesundheitsamt (LGA) nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Lockdown wegen des Coronavirus und der Ausbreitung der Bakterien geben könnte. Der Grund: Legionellen fühlen sich besonders in künstlichen Wassersystem - wie Rohren in Gebäuden - wohl. Bei warmen Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad vermehren sich die Bakterien rasant.

BakterienLegionellen
KrankheitenLegionärskrankheit/Legionellose/Legionellen-Pneumonie, Form der Lungenentzündung
SymptomeKopfschmerzen, Husten, Durchfall, Schüttelfrost, hohes Fieber, mitunter auch Verwirrtheitszustände

Der Stillstand in vielen Einrichtungen wie Hotels oder Sportstätten während des Corona-Lockdowns bot den gefährlichen Erregern deshalb womöglich den perfekten Nährboden. Das LGA hatte vermutet, dass Rückkühltürme oder ähnliche Anlagen nicht ordnungsgemäß gewartet worden waren. Dass verunreinigtes Trinkwasser die Ursache sein könnte, hatte das LGA dagegen praktisch ausgeschlossen, weil die Erkrankten unter anderem aus unterschiedlichen Orten kamen und unterschiedliche Wasserversorger hatten.

Legionellen in Baden-Württemberg: Stillstand im Lockdown als wahrscheinliche Ursache

Das Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg hatte insbesondere nach dem langen Lockdown und dem starken Anstieg der Legionellen-Fälle bereits an Betreiber von Hotels, Schwimmbädern, Saunen und anderen Einrichtungen appelliert, ihre Anlagen legionellenfrei zu machen. Problematisch ist nämlich nicht unbedingt das Trinken von Leitungswasser mit Legionellen, sondern vor allem das Einatmen des Wasserdampfs.

Denn so gelangen die gefährlichen Bakterien in die Lunge und sorgen da für eine Legionellen-Pneumonie. Diese Form der Lungenentzündung hat - auch wenn sie gut behandelbar ist - oft einen schweren Verlauf.

Legionellen: Expertin empfiehlt wichtigen Schritt im und nach dem Urlaub

Damit es gar nicht erst so weit kommt, kann man laut einer Expertin auch im Urlaub einen wichtigen Schritt unternehmen. Den macht Alexandra Bürschgens vom Deutschen Verein der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene offenbar auch selbst immer, wie sie in einem Interview mit dem SWR verriet. „Wenn ich in ein Hotel reinkomme, gehe ich erst einmal ins Badezimmer, mache Heißwasser und Kaltwasser auf, lasse es für ein paar Minuten spülen. Dann bewege ich mich da auf jeden Fall schon mal auf der sicheren Seite.“

Sobald die Wassertemperaturen wieder kritische Bereiche erreichen, kann die Legionellen-Kontamination relativ schnell wieder steigen.

Alexandra Bürschgens, Trinkwasser-Hygienetechnikerin

Auch wer im Urlaub war, könne die Leitungen zurück zu Hause gründlich spülen - das könnte Legionellen vorbeugen. Zu hoffen bleibt, dass die routinemäßigen Desinfektionen und die Wiederaufnahme des Betriebs in den meisten Einrichtungen die Legionellenfälle nun ebenfalls wieder eindämmen.

Einmal festgesetzt, sind die Bakterien aber leider nicht mehr ganz einfach loszuwerden. Zwar töten Temperaturen über 60 Grad sie ab, aber „sobald eben dann die Wassertemperaturen wieder kritische Bereiche erreichen, kann relativ schnell wieder die Legionellen-Kontamination steigen“, erklärt Bürschgens.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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