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Gericht mit Klarstellung im Fall Ayleen und dem Tatverdächtigen

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Von: Dominik Jahn

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Landgericht Limburg
Gericht mit Klarstellung im Fall Ayleen und dem Tatverdächtigen. © Fredrik Von Erichsen/dpa

Hätte Ayleen nicht sterben müssen? Das Landgericht Limburg erklärt Details zur Führungsaufsicht des Tatverdächtigen.

Erst am 1. August gaben die Polizei Freiburg und die Staatsanwaltschaft neue Details zu den Ermittlungen im Fall der getöteten Ayleen bekannt. Dabei nannten die Ermittler Einzelheiten zum Fundort. Auch Fakten zum Tatverdächtigen kamen zur Sprache. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.)sprach danach in einem Artikel dazu von einem möglichen Versagen der Polizei. Auch ein Bericht über eine lebenslange Überwachung sorgte für Aufregung.

Dabei handelt es sich um eine Entscheidung des Landgerichts Limburg. Wie das Gericht auf echo24.de-Nachfrage mitteilt, ist man mit der Darstellung in den Medien nicht zufrieden: „In den Berichterstattungen über den Tod der 14-jährigen Ayleen wird die Entscheidung des Landgerichts Limburg zur Führungsaufsicht verkürzt und zeitlich unzutreffend dargestellt, was Anlass zur Klarstellung gibt“.

Fall der getöteten Ayleen: Mehrere Gerichte mit Tatverdächtigen befasst

In der Mitteilung des Landgerichts Limburg zum Fall der getöteten Ayleen heißt es zu den rechtlichen Vorgängen rund um den mutmaßlichen Täter, dass mehrere Amtsgerichte mit dem Fall beschäftigt waren. Zunächst hat das Amtsgericht Wetzlar mit Urteil vom 12. Dezember 2007 die Unterbringung des Tatverdächtigen in einem psychiatrischen Krankenhaus ausgesprochen - für die Dauer von zehn Jahren.

Weiter erklärt das Landgericht Limburg, dass, mit Beschluss vom 20. Januar 2017, das für die Vollstreckung zuständige Amtsgericht Frankenberg (Eder) die Unterbringung des Verurteilten für erledigt erklärt hat, weil die Voraussetzungen nicht mehr vorlagen. Zugleich stellte das Amtsgericht fest, dass die Dauer der gesetzlich eingetretenen Führungsaufsicht drei Jahre beträgt.

Landgericht Limburg: Mutmaßlicher Mörder von Ayleen legte Einspruch ein

Diese gesetzliche Führungsaufsicht wurde dann am 16. Januar 2020 durch das Amtsgericht Wetzlar auf unbefristete Zeit verlängert. Der Tatverdächtige im Fall der getöteten Ayleen legte dagegen Beschwerde ein und bekam Recht. Das Landgericht Limburg reagiert mit Beschluss vom 16. Januar 2020 unter Abänderung der amtsgerichtlichen Entscheidung damit, dass die Dauer der Führungsaufsicht von drei auf fünf Jahre verlängert wurde.

Das Landesgericht Limburg legt Wert auf die Feststellung, dass die sehr strengen Anforderungen an eine unbefristete - also auf lebenslange Dauer angelegte - Führungsaufsicht zum damaligen Zeitpunkt der Entscheidung nicht als gegeben angenommen wurden, die Führungsaufsicht aber auch nicht beendet wurde. Dazu heißt es: „Vielmehr hat die Kammer zunächst als milderes Mittel eine Verlängerung auf die Höchstfrist von 5 Jahre ausgesprochen“

Führungsaufsicht für Tatverdächtigen im Fall Ayleen war ausgelaufen

Der mutmaßliche Täter im Fall Ayleen sollte zum damaligen Zeitpunkt weiter unter Führungsaufsicht stehen. Danach war die Strafkammer des Landgerichts dem Bericht zufolge mit der Sache nicht mehr befasst, insbesondere nicht mit der Frage, ob das weitere Verhalten des Tatverdächtigen in der verlängerten Zeit der Führungsaufsicht in der Gesamtschau nunmehr eine unbefristete Führungsaufsicht rechtfertigt.

Wie das Landgericht weiter mitteilt, ist eine Entfristung vor Ablauf der verlängerten Dauer der Führungsaufsicht nicht mehr ausgesprochen worden, mit der Folge, dass die Führungsaufsicht am 25. Januar 2022 endete. Hierfür gab das Verhalten des Tatverdächtigen keinen Anlass.

Mutmaßlicher Mörder von Ayleen: Bericht über Belästigung eines Mädchens im April

Der Tatverdächtige ist laut Gericht in der Zeit der Führungsaufsicht zwar mit Eigentumsdelikten (Diebstahl) und Verkehrsdelikten, nicht aber mit Sexualdelikten in Erscheinung getreten. Wie einige Medien berichten, soll er aber Ende April 2022 ein 17-jähriges Mädchen belästigt haben.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt dazu in einem Artiklen vom 3. August, dass der mutmaßliche Mörder das Mädchen im hessischen Wetteraukreis „zunächst angesprochen und danach per Smartphone und durch mehrfache Be­suche auf dem Schulhof einer Schule in Bad Nauheim zur Aufnahme einer Liebesbeziehung gedrängt habe“.

Laut einem F.A.Z.-Informaten soll die Schule über die Vorfälle informiert gewesen sein. So hatte der Schulleiter ihm „sogar einen Schulverweis erteilt und ­diesen per Post zustellen lassen“. Auch sei bei der Polizei eine Anzeige wegen Belästigung eingegangen, die sich rund um das Blütenfest in Rosbach vor der Höhe am Rande des Taunus südwestlich von Friedberg ereignet hatte. Es wurden laut Artikel verschiedene Maßnahmen veranlasst.

Strafanzeige gegen Tatverdächtigen erst seit 2. August bei der Staatsanwaltschaft

Auf Nachfrage der F.A.Z. wurde bei der Friedberger Polizei „eine Strafanzeige wegen des Verdachts der versuchten Nötigung zum Nachteil einer aus dem Wetteraukreis stammenden Siebzehnjährigen am Montag, dem 2. Mai 2022 bei der Polizei in Friedberg erstattet“. Bei der Staatsanwaltschaft Gießen liegt die Strafanzeige aber demnach erst seit Dienstagmittag, 2. August, vor. Zwei Monate später - und Ayleen ist jetzt tot.

Vom Polizeipräsidium Freiburg gab es in den vergangenen Tagen nach der offiziellen Pressekonferenz zum Fall der getöteten Ayleen keine neuen Informationen.

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