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Gasmangel-Lage in Baden-Württemberg: Kretschmann kündigt Maßnahmen an

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Von: Lisa Klein

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Die Sorge vor den Folgen eines Gasmangels im kommenden Winter ist groß. Noch vor der Sommerpause will Baden-Württemberg mögliche Energiesparmaßnahmen präsentieren.

Die Bundesregierung hat angesichts der deutlich verringerten Lieferungen aus Russland vor knapp zwei Wochen die Gas-Alarmstufe ausgerufen. Die Sorge vor einem Gasmangel in ganz Deutschland und dessen Auswirkungen ist groß, vor allem mit Blick auf den bevorstehenden Winter. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigte bereits an, dass noch vor der Sommerpause mögliche Energiesparmaßnahmen des Landtags präsentiert werden sollen. Er warnt vor dramatischen Folgen einer Gasmangel-Lage für Arbeitnehmer und Verbraucher. Er gehe davon aus, dass zahlreiche Unternehmen, die Gas für ihre Produktion brauchen, ihren Betrieb einstellen müssten, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. 

Erdgas werde in unterschiedlichen Branchen wie der Chemie-, Papier-, Glas-, Stahl-, Metall-, Lebensmittel- und Textilindustrie verwendet, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Gebraucht werde es für spezielle Herstellungsprozesse wie zum Schmelzen, Härten, Verformen und Trocknen.

Gasmangel-Lage in Baden-Württemberg: Kretschmann kündigt Maßnahmen an

„Da geht es im Ernstfall um Tausende von Arbeitsplätzen“, sagte der Grünen-Regierungschef am Dienstag in Stuttgart. „Da geht es darum, ob den Winter durchgeheizt werden kann.“ Schon jetzt ergreifen einzelne Unternehmen eigene Maßnahmen. Der größte Wohnungskonzern Deutschlands will künftig die Heizung seiner Mieter nachts drosseln – auf maximal 17 Grad.

Der Ministerpräsident kündigte eine Regierungserklärung zu einer zugespitzten Gasmangel-Lage noch vor der Sommerpause im Landtag an. Da würden alle möglichen Maßnahmen präsentiert. Allerdings ergebe es keinen Sinn, wenn Baden-Württemberg einen eigenen „Masterplan“ erarbeite, das gehe nur in Zusammenarbeit mit Bund, Kommunen und anderen Ländern. Kretschmann forderte daher eine gemeinsame Kampagne von Bund, Ländern und Kommunen, bei der schnell konkrete Vorschläge gemacht werden müssten, wo Industrie und Haushalte Energie einsparen können.

Gas-Alarmstufe: Kretschmann appelliert an Verbraucher, gezielt Energie zu sparen

Angesichts der deutlich verringerten Gaslieferungen aus Russland hat die Bundesregierung vor knapp zwei Wochen die Alarmstufe ausgerufen. Der Notfallplan hat drei Stufen: Die jetzt ausgerufene Alarmstufe ist die zweite. Die dritte wäre die Notfallstufe. Es wird befürchtet, dass nach der Wartung der Pipeline Nord Stream 1 Mitte Juli kein russisches Gas mehr durch diese Leitung fließt und die Lage sich in Deutschland weiter zuspitzt.

Kretschmann betonte, jede und jeder könne beim Energiesparen helfen. „Jeder kann beim Duschen darauf achten, dass er wenig warmes Wasser verbraucht.“ Außerdem gebe es auch moderne Duschköpfe, die sparsam seien und bei denen man trotzdem ein angenehmes Duschgefühl habe. echo24.de hat bereits zusammengefasst, wie Verbraucher Gas sparen können. Grundsätzlich gelte es, sich beim Energieverbrauch „auf das Nötigste zu beschränken“. Mit ein paar einfachen Tipps sparen Verbraucher bei den Strom- und Heizkosten.

Gasmangel: Längere Laufzeit für AKW in Neckarwestheim wohl keine Option

Für die „Duschempfehlung“ von Kretschmann hagelte es von FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke Kritik:  „Statt die Bürgerinnen und Bürger zum Kauf neuer Duschköpfe zu drängen und mit dem Verweis auf den Bund die eigene Untätigkeit zu kaschieren, muss Grün-Schwarz endlich den Weg für einen befristeten Weiterbetrieb von Neckarwestheim 2 freimachen.“ Damit hätte Baden-Württemberg die Möglichkeit, „krisensicher Strom zu erzeugen und so Teile der Gasverstromung zu ersetzen“.

Kretschmann argumentiert dagegen, im Winter drohe eine Gasmangellage und keine Strommangellage. Zudem wolle man bei der Sicherheit keine Abstriche machen, denn die letzte Überprüfung des Meilers sei 2009 durchgeführt worden – im Wissen, dass er Ende 2022 sowieso vom Netz gehe. Bereits seit Monaten wird aufgrund des Kriegs in der Ukraine mit Blick auf die Energieversorgung diskutiert, ob die Abschaltung des Atomkraftwerks in Neckarwestheim verschoben werden soll.

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