Pandemie weiter auf dem Vormarsch

Neue Kontaktbeschränkungen im Herbst? Virologe mit krassem Statement

  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Müssen wir im Herbst alle wieder zu Hause bleiben und Kontaktbeschränkungen in Kauf nehmen? Der Virologe Christian Drosten zeichnet ein düsteres Bild.

Und täglich grüßt das Murmeltier - das könnte man zumindest so langsam meinen, wenn man auf die Corona-Zahlen blickt. Denn wie auch im vergangenen Jahr um diese Zeit steigen die Inzidenzen wieder. Auch in Baden-Württemberg liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen bei 81,8. Für Heilbronn sieht es noch schlechter aus, der Landkreis kratzt an der 100er-Marke und die Stadt liegt sogar bei fast 150. Der Virologe Christian Drosten ist angesichts der Zahlen beunruhigt.

Der Virus-Experte erklärte jetzt gegenüber dem Deutschlandfunk, er rechne fest damit, dass im Herbst wieder „gesamtgesellschaftliche Kontaktbeschränkungen“ nötig werden. Das macht Drosten außerdem an weiteren Indikatoren fest. Unter anderem sei die Hospitalisierungsrate bei der dominanten Delta-Variante zu hoch - die Impfquote dagegen eindeutig zu niedrig. Denn obwohl es mittlerweile reichlich Impfstoff und dezentrale Möglichkeiten zur Impfung gibt, wie beispielsweise den Heilbronner Impfbus, hat sich laut Experten eine sogenannte Impfmüdigkeit in der Bevölkerung eingestellt.

Virologe Drosten: Im Herbst wieder Kontaktbeschränkungen nötig? Corona-Pandemie nicht besiegt

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Delta-Variante des Coronavirus. Diese hat sich mittlerweile als viel ansteckender erwiesen als ursprünglich gedacht. Laut Drosten landen auch viel mehr Delta-Patienten im Krankenhaus als zunächst angenommen. Außerdem habe sich, so der Chef-Virologe der Berliner Charité, inzwischen gezeigt, dass sich der Übertragungsschutz von Geimpften nach einigen Monaten drastisch reduziert. Dennoch ist sich Drosten sicher, Deutschland könne sich aus dieser Situation „herausimpfen“.

Für den Virologen ist klar, dass Testungen nur ein Behelfsmittel sind - nichts Langfristiges. Stattdessen müsse Deutschland „unbedingt gesamtgesellschaftlich an der Impfquote arbeiten“. Die aktuelle Impfquote von 61 Prozent reiche noch lange nicht aus. Dieser Meinung ist im Übrigen auch die baden-württembergische Landesregierung. Gesundheitsminister Manne Lucha schockte kürzlich mit einer Ansage, die massive Einschränkungen für Ungeimpfte bringen könnte.

Der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, rechnet fest damit, dass im Herbst wieder gesamtgesellschaftliche Kontaktbeschränkungen nötig werden. (Symbolbild)

Konkret denkt Drosten, bei den unter 60-jährigen Erwachsenen bräuchten wir in Deutschland eine 85-prozentige Impfquote - bei der Personengruppe von Menschen über 60 Jahren sei sogar eine Durchimpfung von über 90 Prozent nötig. Das gehe aus einer Modellierung des Robert Koch-Instituts für mögliche Szenarien im Herbst hervor. Und selbst dann müsse man noch eine zusätzliche Kontaktreduktion erwägen, um die Lage in den Krankenhäusern auch im Spätjahr maßgeblich zu entlasten. Konkret ist die Rede davon, dass die Deutsche Bevölkerung generell ab Herbst wieder Kontakte reduzieren muss - im Oktober um 10 Prozent und im November um 30 Prozent. Einen richtigen Lockdown meint Drosten damit nach eigener Aussage nicht.

Rubriklistenbild: © Prof. Dr. Christian Drosten. Foto: Peitz / Charité

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