40 Kälber nach Konstanz transportiert

Kälber an Jugendlichen verkauft: 28 Tiere sterben – Viehhändler weist Schuld von sich

  • vonIsabel Ruf
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Über ein Kleinanzeigenportal hatte ein Jugendlicher in Konstanz 40 Kälber gekauft. Dutzende Tiere kamen ums Leben. Jetzt ist der Viehhändler verurteilt worden.

  • Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen: Ende 2019 kauft ein Jugendlicher im Internet 40 Kälber.
  • In einem heruntergekommenen Hof bei Konstanz werden die Tiere zurückgelassen – am Ende überleben nur elf Kälber.
  • Vor Gericht beteuert der Viehhändler, der die Tiere verkaufte, keinen Fehler gemacht zu haben.

Kälber an Jugendlichen verkauft: 28 Tiere sterben – Viehhändler in Konstanz vor Gericht

Konstanz – Es war ein dubioser Kauf im Internet Ende 2019 – und er endete für Dutzende Kälber mit dem Tod. Ein 17 Jahre alter Jugendlicher aus einem Konstanzer Teilort hatte laut echo24.de* am 16. November an einem Samstagmorgen im Internet über Ebay Kleinanzeigen 40 Kälber gekauft. Wie die Polizei damals mitteilte, bezahlte der Jugendliche für die Tiere insgesamt 1.500 Euro. Der Fall erregte bundesweit Aufmerksamkeit.

Mit einem Tiertransporter ließ sich der 17-Jährige die 40 Kälber noch am selben Tag aus Niedersachsen auf einen leer stehenden Aussiedlerhof bei Dettingen (Teilort von Konstanz) liefern. Auf dem abgelegenen und heruntergekommenen Gelände blieb das Fahrzeug jedoch bei der Ankunft gegen 22 Uhr im morastigen Boden stecken. Der Anhänger wurde dort zurückgelassen – und mit ihm die 40 Tiere.

Der Zustand der Kälber, die schon vor dem Transport geschwächt waren, verschlechterte sich während der Fahrt nach Konstanz. (Symbolbild)

Konstanz: 40 Kälber an Jugendlichen verkauft – Nachbarn alarmieren die Polizei

Erst einen Tag später suchte sich der Jugendliche Hilfe in der Nachbarschaft, um die Kälber aus dem Anhänger zu laden. Danach wurden sie auf Betonboden in einer „völlig unzureichenden Stallung“, so nannten Polizei und Staatsanwaltschaft Konstanz den Hof, untergebracht. Dabei bekamen die Nachbarn mit, in welch schlechtem Zustand die Tiere waren. Stroh, Wasser, Milch und Futter? Fehlanzeige.

Die Nachbarn alarmierten die Polizei. Doch die Hilfe kam für einige Kälber zu spät. Zwei Tiere waren schon tot, weitere 37 waren unterversorgt, manche bestanden nur noch aus Haut und Knochen. Nach Benachrichtigung des Veterinäramtes bekamen etliche Tiere Infusionen. Trotzdem mussten sieben Kälber eingeschläfert werden. Die restlichen Tiere kamen vorerst auf einem Hof im Landkreis Konstanz unter.

Die Einschätzung von Tierärzten ergab später, dass die Tiere erst zwischen zwei und sechs Wochen alt waren. Trotz der Rettungsaktion konnte vielen Kälbern nicht mehr geholfen werden. Die traurige Bilanz: Am Ende überlebten nur elf der 39 Kälber. Das 40. Kälbchen kam nie auf dem Hof in Dettingen an. Die überlebenden Tiere leben dank einer Spendenaktion heute auf einem Pensionshof im Kreis Sigmaringen.

40 Kälber nach Konstanz transportiert : Viehhändler wegen Tierquälerei vor Gericht

Im Prozess gegen den 49 Jahre alten Viehhändler, der die 40 Kälber verkauft hatte, ist jetzt vor dem Amtsgericht Konstanz das Urteil gefallen. Der Mann aus Niedersachsen muss wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und wegen Tierquälerei eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zahlen. Insgesamt 7.500 Euro ist der Viehhändler aus der Lüneburger Heide damit los.

Wie SWR.de berichtet, bezog sich die Richterin auf das Gutachten einer Tierärztin. Demnach mussten die 40 Kälber bereits vor dem zehnstündigen Transport geschwächt und krank gewesen sein. Manche waren abgemagert, andere hatten eine Lungenentzündung. Die Tiere seien nicht transportfähig gewesen, der angeklagte Viehhändler hätte das nach Ansicht des Gerichts wissen müssen.

Konstanz: 28 Kälber sterben nach Transport – Viehhändler weist Schuld von sich

Der 49-Jährige selbst blieb bei seiner Aussage, die Tiere seien zwar kleiner und leichter, aber nicht krank gewesen. Alles sei korrekt verlaufen. Schuld gibt er dem Jugendlichen: Dieser habe sich im Internet als 70-Jähriger ausgegeben und Bilder von einem modernen Stall geschickt. Die Realität war eine ganz andere.

Warum der 17-Jährige die Tiere überhaupt bestellt hatte und wie er sie weiter halten wollte, war lange unklar. Wie der Südkurier berichtet, wollte der Lehrling eine Kälberzucht aufbauen, war dann aber mit der Situation überfordert. Auch der inzwischen 18-jährige Konstanzer steht in weiteren Verhandlungen vor Gericht. Der Lkw-Fahrer, der die Tiere nach Dettingen brachte, wurde ebenfalls zu einer Geldstrafe verurteilt, das Urteil ist rechtskräftig.

Immer wieder sorgen Tierquäler in der Region Heilbronn für Fassungslosigkeit. Im Juni ist im Neckar-Odenwald-Kreis eine Katze schwer verstümmelt worden, sodass sie eingeschläfert werden musste. Für Hunde auf der A8 bei Sindelfingen kam Hilfe gerade noch rechtzeitig, weil eine Frau den Tiertransporter meldete. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

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