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Blackout-Gefahr: Schluss mit Kerzenschein-Romantik und Schulterzucken!

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Von: Tobias Becker

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Die Angst vor einem Blackout in Baden-Württemberg wächst, auch wenn das Szenario derzeit „nur“ droht. Doch warum ist es in Ordnung, Angst zu haben? Ein Kommentar.

Blackout in Heilbronn, Baden-Württemberg und Deutschland - reine Panikmache? Es ist kein Verbrechen, sich zu sorgen. Es ist - in gewissem Maß - sogar sinnvoll, gerade in der aktuellen Zeit, in der Begriffe wie „Krieg“, „Inflation“ oder „Energiekrise“ über uns schweben. Die Angst vor einem Blackout ist für viele Menschen real. Aber es geht nicht darum, bestimmten politischen Parteien in die Karten zu spielen, Theorien um sich zu werfen bis eine zutrifft, Menschen Angst zu machen aus Freude.. Sondern sich mit Problemen auseinanderzusetzen und Achtsamkeit einzuführen. Einen Schritt zurückzugehen und nicht mehr alles als selbstverständlich zu erachten - erst recht nicht den Strom aus der Steckdose.

Angst vor langem Stromausfall: Können wir Blackout überhaupt?

In meiner Generation hat man sich geärgert - und macht es auch immer noch - wenn der Strom ausfällt und das Internet weg ist. Der wohl größte Nachteil. Eine halbe Stunde, Stunde später ist aber alles meist wieder da. Was viele Menschen, wie man so mitbekommt, sich unter einem Blackout vorstellen, ähnelt diesem Alltags-Ärgernis. Es gibt da nur einen Unterschied: Ein Blackout bedeutet, dass es über einen langen Zeitraum, der eher in Tagen als Stunden gemessen wird, keinen Strom gibt.

Es ist Schluss mit Kerzenschein-Romantik - und man fragt sich unweigerlich: Können wir Blackout? Können wir „Steinzeit“? Denn vieles, was heute modern, cool und angesagt ist, ist dann nicht mehr oder nur begrenzt möglich. Vieles, an das wir uns mit einer Selbstverständlichkeit gewöhnt haben, funktioniert nicht mehr. Die Prognose von Politiker Friedrich Merz, es drohe eine „vollkommene Überlastung des Stromnetzes im Herbst und Winter sowie eine mangelhafte Versorgung mit Strom“, macht Angst. Es geht mir nicht um Politik oder Panikmache, sondern um ein Gefühl, dass sich in jedem regen sollte, bei dem Gedanken an dieses Szenario, das aktuell „nur“ zu drohen scheint. Was würde bei einem Blackout passieren?

Menschen sitzen bei Kerzenlicht in einer Wohnung.
Die Angst vor einem Blackout ist bei vielen Menschen vorhanden, hat mit Kerzenschein-Romantik allerdings nichts zu tun. © Julian Stratenschulte/dpa

Strommangel in Baden-Württemberg: Das passiert bei einem Blackout

Der Gedanke ist nicht ganz abwegig und wer kurz darüber nachdenkt, was bei einem Blackout passiert, der kann nur hoffen, dass es nicht dazu kommt. Menschen, die im Februar 2019 in Treptow-Köpenick (Berlin) gewohnt haben, wissen das. Damals waren rund 31.000 Haushalte und 2.000 Unternehmen von einem Stromausfall betroffen, der rund 30 Stunden dauerte. Oder die 2005 den viertägigen Stromausfall im Münsterland mitgemacht haben. Das waren nur vereinzelte Gebiete in Deutschland, nicht das ganze Land.

Bei einem Blackout wäre auch das Gesundheitssystem in Gefahr, da Krankenhäuser mit dem Notstrom-Aggregat wohl nur 20 bis 50 Prozent des normalen Bedarfs abdecken können, wie die Bild-Zeitung schreibt. Erste Menschen werden nach wenigen Tagen vermutlich sterben, da lebenswichtige Medikamente fehlen oder Geräte nicht mehr funktionieren. Versuchen Sie mal Bargeld abzuheben oder einzukaufen mit den Kassensystemen - ohne Strom. Der Bildung, die auf Digitalisierung pocht, werden die häufig vorgeworfenen Rückstände vermutlich zu Gute kommen, allerdings werden Tafel und Kreide wieder in Mode kommen.

Blackout-Gefahr droht: Kein Licht – die schlimmste Folge?

Müllberge auf den Straßen stapeln sich - und locken Ratten und andere Tiere an. Wasser wird nicht mehr gereinigt, Lebensmittel verderben, sind aber auch nicht mehr in rauen Mengen vorhanden - Krankheiten sind die Folge, aber die Medikamente, ach ja, das hatten wir ja schon. Egal in welchen Lebensbereich man schaut, ein Blackout sollte und darf nicht stattfinden!

Eine weitere Folge, die so simpel und logisch ist, dass es für viele Menschen nicht das Schlimmste wäre, ist für mich jedoch das Licht. Gerade, wenn es im Winter zu einem Blackout kommt, wird es im wahrsten Sinne... dunkel! Tagelang ohne Lichtquelle? Kerzenschein ist kurzzeitig romantisch, aber auf Dauer keine Lösung - ebenso wenig wie der aktuelle Atomkraftwerk-Strohhalm und dem Plan mit dem AKW Neckarwestheim. Die Vorstellung daran, macht mir Angst. Ihnen nicht?

Blackout-Gefahr in BaWü: Ein sorgenvoller Blick in die Zukunft ist angemessen

So bleibt nur zu hoffen, dass Experten sich verschätzen, die Warnungen unnötig sind und die Stromversorgung gesichert ist. Die Angst wächst dennoch. Und es scheint so, als sei Deutschland nicht auf einen solchen Fall vorbereitet, glaubt man dem Gesamtverband der Versicherer (GdV) und dem dort zitierten Experten Albrecht Broemme. Der langjährige Präsident des Technischen Hilfswerks (THW) sagte Anfang des Jahres: „Auf einen Blackout ist Deutschland überhaupt nicht vorbereitet.“ Gemeint war wohl nicht nur die Politik, sondern auch die Bevölkerung, die sich bis zu einem gewissen Grad auch selbst schützen können muss. Heißt: Wir können keinen Blackout, keine Steinzeit!

Wir sind zu sehr an den Alltag gewöhnt und verlieren manchmal die Vorstellungskraft für mögliche Probleme. Panik sollte sich nicht breit machen, Angst darf man haben - so lange sie nicht regiert. Ein sorgenvoller Blick in die Zukunft ist das Mindeste, um daraus Schlüsse zu ziehen, wie man im Jetzt etwas für sich und seine Liebsten unternehmen kann. Und wenn es nur „darüber sprechen“ ist, sich gegenseitig Sorgen abzunehmen, was wohl vor allem für ältere Menschen und Kinder wichtig ist. In der heutigen Zeit ist das kein Verbrechen...

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