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Nach Tod von misshandeltem Kind: Mutter wegen Unterlassung zu Haft verurteilt

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Von: Lisa Klein

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Trauer (Symbolbild)
Im Krankenhaus Aalen stirbt ein fast zweijähriger Junge nach vergeblichen Wiederbelebungsversuchen. Er wurde misshandelt. (Symbolbild) © Matthias Balk / dpa picture alliance

Ein Junge ist im Alter von 23 Monaten gestorben. Er wurde von dem Lebensgefährten seiner Mutter schwer misshandelt. Nun sind beide verurteilt: der Partner wegen Totschlags, die Mutter wegen Unterlassung.

Update vom 24. November 2022, 12:20 Uhr: Ein fast zweijähriger Junge aus Bopfingen (Ostalbkreis) ist wochenlang misshandelt worden und am 21. Oktober 2021 im Krankenhaus an den Verletzungen gestorben. Weil seine Mutter die Misshandlungen durch ihren Lebensgefährten über Wochen zugelassen hat, verurteilt das Amtsgericht Ellwangen die 37-Jährige nun zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Das Amtsgericht Ellwangen sah es in seinem Urteil als erwiesen an, dass sie sich der Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen schuldig gemacht hat, wie ein Sprecher des Gerichts mitteilte. Sie habe gewusst, dass ihr Freund das Kleinkind über Tage und Wochen geschlagen und misshandelt habe und habe nichts dagegen getan, begründete das Gericht den Angaben zufolge sein Urteil. Die Frau hatte am ersten Prozesstag gestanden. Das Strafmaß entspricht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte für eine Bewährungsstrafe plädiert.

Nach Tod von misshandeltem Kind: Mutter vor Gericht – Partner bereits verurteilt

Update vom 24. November 2022, 10:13 Uhr: Am 21. Oktober 2021 stirbt ein fast zweijähriges Kind im Krankenhaus in Aalen, nachdem es mit schweren Verletzungen eingeliefert wurde. Zuvor soll das Kleinkind in Bopfingen massiv durch den Lebensgefährten seiner Mutter misshandelt worden sein. Nun steht die Mutter vor Gericht – ihr Lebensgefährte wurde bereits wegen Totschlags zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Ob die Mutter eine Mitschuld trägt, will das Amtsgericht am Donnerstag (24. November) entscheiden. Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter vor, ihren gestorbenen Sohn im Zeitraum von September bis Ende Oktober 2021 in der Obhut ihres Lebensgefährten gelassen zu haben, obwohl sie gewusst habe, dass dieser den Jungen misshandele. Der fast Zweijährige wurde von dem Mann geschlagen und dadurch letztendlich getötet. Der angeklagten Mutter wird Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen vorgeworfen. Sie hatte bereits zu Prozessbeginn gestanden.

Bopfingen: Kleinkind tot – wurde der 2-jährige Junge grausam misshandelt?

Erstmeldung vom 25. Oktober 2021: Ein schlimmer Fall beschäftigt derzeit die Polizei Aalen und die Staatsanwaltschaft Ellwangen. Ein knapp zweijähriges Kind war am Donnerstag ins Krankenhaus eingeliefert worden. Dort verstarb das Kleinkind am Abend. Doch bereits bei seiner Einlieferung war der Junge laut Polizei „reanimationspflichtig“ gewesen. Schnell bestand laut den Ermittlern der Verdacht, dass der Zweijährige misshandelt worden war.

Nachdem das Kind verstorben war, wurde der Leichnam deshalb obduziert. Die Staatsanwaltschaft Ellwangen/Jagst veranlasste, laut einer Mitteilung, eine „gerichtliche Leichenöffnung“. Die rechtsmedizinische Untersuchung wurde schließlich am Freitag an der Universität Ulm durchgeführt. Demnach ergab die Obduktion, dass das verstorbene Kleinkind multiple Verletzungen aufwies. Deshalb gehen die Ermittler von „massiven Misshandlungen“ aus.

Bopfingen: 23 Monate altes Kleinkind verstorben - wer misshandelte den Jungen?

Als tatverdächtig gilt laut ersten Ermittlungsergebnissen der Kripo der 32-jährige Lebensgefährte der Mutter. Die Staatsanwaltschaft Ellwangen ließ den Beschuldigten noch am Freitagabend festnehmen – am Samstag wurde er einem Haftrichter vorgeführt. Seitdem sitzt der mutmaßliche Peiniger des verstorbenen Kleinkindes in Untersuchungshaft. Dennoch ermitteln Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei weiterhin auf Hochtouren, wie es zu diesem grausamen Vorfall kommen konnte.

Doch dies ist leider kein Einzelfall. Im August schlugen die Jugendämter in Baden-Württemberg Alarm. Im Jahr 2020 seien bei fast 60.600 Kindern und Jugendlichen zur Kindeswohlgefährdung gekommen, heißt es in einer Aufstellung des Statistischen Bundesamtes. Damit haben die Kindeswohlgefährdungen im Corona-Jahr 2020 den höchsten Stand seit Einführung der Statistik im Jahr 2012 erreicht. Außerdem machte das Homeschooling vielen Kindern während der Corona-Pandemie zu schaffen. Fast jedes dritte Kind zeigte laut einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf psychische Auffälligkeiten.

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