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Baden-Württemberg fehlen Kitaplätze - Studie zeigt „untragbare“ Zustände für Familien

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Von: Dominik Jahn

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Kita-Kinder
Immer mehr Kitaplätze fehlen in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland. © Peter Kneffel/dpa

In Baden-Württemberg stehen auch 2023 viele Familien vor einem Problem: die Kitaplätze fehlen. Außerdem müssten 16.800 Fachkräfte zusätzlich eingestellt werden. Studie deckt katastrophalen Zustand bei der Kinderbetreuung auf.

Diese Nachricht trifft viele Familien hart. In Baden-Württemberg fehlen nach einer neuen Studie im kommenden Jahr 57.600 Kitaplätze. Trotz des massiven Ausbaus in den vergangenen Jahren gebe es noch immer viel zu wenige Plätze, um den Betreuungsbedarf der Eltern zu decken, heißt es in einer Analyse der Bertelsmann Stiftung vom Donnerstag.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssten die Kommunen als Kita-Träger zusätzlich 16.800 Fachkräfte einstellen. Die Stiftung schätzt die Kosten dafür auf über 700 Millionen Euro jährlich, schreibt die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Erst im April 2022 rief die Gewerkschaft Ver.di zum Warnstreik bei Mitarbeitern von Kitas und Kindergärten in Baden-Württemberg auf, wie echo24.de berichtet hatte. Zu schlecht seien die Arbeitsbedingungen - ein Umstand, der die Suche nach Personal nicht leichter macht.

Baden-Württemberg kann Familien nicht ausreichend Kita-Plätze bieten

Wie die dpa weiter schreibt, belegen die Zahlen laut den Experten der Bertelsmann Stiftung, dass Baden-Württemberg den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz auch bis 2023 nicht für jedes Kind, dessen Eltern einen Bedarf haben, einlösen könne. „Das ist in doppelter Hinsicht untragbar: Die Eltern werden bei der Betreuung ihrer Kinder nicht unterstützt, während Kindern ihr Recht auf professionelle Begleitung in ihrer frühen Bildung vorenthalten wird“, sagte Kathrin Bock-Famulla, Expertin für frühkindliche Bildung bei der Stiftung.

Die Kommunen im Südwesten hatten zuletzt im Sommer Alarm geschlagen, weil der Rechtsanspruch wegen des dramatischen Fachkräftemangels faktisch nicht mehr erfüllt werden könne. Sie forderten das Land auf, die Sonderregeln für den Personalschlüssel und die Gruppengröße aus der Corona-Zeit zu verlängern.

Zu wenig Kitas in Baden-Württemberg: Abbau geht weiter

Gemeinde-, Städte- und Landkreistag machen sich seit längerem für bessere Bedingungen stark. Sie erklärten bereits im Sommer: „Die Reduzierung von Öffnungszeiten, Schließung von Gruppen und der Abbau von Plätzen ist in weiten Teilen Baden-Württembergs bereits heute bittere Realität“. Für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern sei nun mal das Land zuständig.

Bundesweit, so sagt es die Studie, werden im Jahr 2023 voraussichtlich knapp 384.000 Plätze in Kitas fehlen. Besonders im Westen Deutschlands, wo 362.400 zusätzliche Betreuungsplätze gebraucht werden, gibt es demnach gegenüber dem Osten mit 21.200 benötigten Plätzen eine große Versorgungslücke. Um der Nachfrage gerecht zu werden, müssten im Westen 93.700 Fachkräfte und im Osten 4900 eingestellt werden, teilte die Stiftung am Donnerstag mit. Das ergebe zusätzliche Personalkosten von insgesamt 4,3 Milliarden Euro pro Jahr.

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