Immer mehr Kinder zu Hause nicht sicher

Mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung: Kinder zu Hause „nicht mehr sicher“

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein junges Mädchen hält sich am 24.01.2014 in Berlin die Hände vor ihr Gesicht. Die Hinweise auf Kindeswohlgefährdung haben in Hamburg 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 23,4 Prozent zugenommen. 
Foto: dpa/Nicolas Armer
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Im Jahr 2020 wurden so viele Fälle von Kindeswohlgefährdungen gemeldet wie noch nie. (Symbolbild)
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Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen ist im Corona-Jahr 2020 drastisch gestiegen. Immer mehr Kinder und Jugendliche sind auch in Baden-Württemberg in ihrem Zuhause nicht sicher.

Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2020 bei fast 60.600 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das waren rund 5.000 Fälle (neun Prozent) mehr als 2019. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, haben die Kindeswohlgefährdungen damit im Corona-Jahr 2020 den höchsten Stand seit Einführung der Statistik im Jahr 2012 erreicht. Bereits in den beiden Vorjahren war die Zahl der Kindeswohlgefährdungen deutlich gestiegen.

Deutlich mehr bearbeitete Fälle von Kindeswohlgefährdung verzeichnet haben auch die baden-württembergischen Jugendämter im Jahr 2020 nach den Zahlen des Statistischen Landesamtes in Stuttgart. Die Zahl stieg im Vergleich zum Jahr 2019 sogar um knapp 16 Prozent auf 16.718 Fälle im Südwesten. In etwas mehr als der Hälfte der Verfahren seien Jungen betroffen gewesen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Kindeswohlgefährdungen steigen drastisch: Immer mehr Kinder in Baden-Württemberg betroffen

Eine Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls eines Kindes droht oder bereits besteht, wie Destatis berichtet. In Verdachtsfällen sind die Jugendämter verpflichtet, durch eine Gefährdungseinschätzung das Gefährdungsrisiko und den Hilfebedarf abzuschätzen und einer Gefährdung entgegenzuwirken.

Wenn das Kindeswohl gefährdet ist, ist es manchmal nötig, Kinder aus ihren Familien herauszunehmen. Ausschlaggebend hierfür sind Kindeswohlgefährdungen wie beispielsweise Vernachlässigungen (Mangel- oder Fehlernährungen), Misshandlungen (körperlich und seelisch) oder sexueller Missbrauch, wie das Landratsamt Heilbronn berichtet.

Am häufigsten müssen die Jugendämter in Baden-Württemberg laut Statistik wegen Vernachlässigungen, körperlicher und psychischer Misshandlungen sowie sexueller Gewalt aktiv werden. Neben Tausenden Fällen akuter oder auch latenter Kindeswohlgefährdung lag im vergangenen Jahr in mehr als 6.000 Verfahren zwar keine Gefährdung der Kinder vor, es war aber Hilfe gefragt. Mehr als 5.500 Verfahren wurden zu den Akten gelegt.

Kindeswohlgefährdung in Baden-Württemberg: Zuwachs ist „besorgniserregend“

„Die Zahlen verdeutlichen, dass wir den Kinderschutz im Land weiter stärken müssen“, sagte Landessozialminister Manfred Lucha (Grüne), wie der Südkurier berichtet. Die Jugendämter arbeiten in Baden-Württemberg weitgehend autonom und sind den Kreisen zugeordnet. „Wir halten den Zuwachs an Kindeswohlgefährdungen für besorgniserregend“, sagte Alexis von Komorowski, der Hauptgeschäftsführer im Südwest-Landkreistags.

Für eine Gesellschaft ist es ein erschreckender Befund, wenn viel zu viele Kinder und Jugendliche im eigenen Zuhause nicht mehr sicher sind.

Alexis von Komorowski, Hauptgeschäftsführer im Südwest-Landkreistags.

Er hält einen Zusammenhang der Zunahme an Kindeswohlgefährdungen mit den Folgen der Corona-Pandemie für wahrscheinlich. „Die Belastungen und die Konfliktlagen in den Familien haben sich durch geschlossene Kitas und Schulen und durch Homeschooling erkennbar verschärft.“ Experten sind besorgt: Fast jedes dritte Kind leidet ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten.

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