Lebensmittel-Riese Kaufland setzt auf Haltungsform Stufe 3 Außenklima

Kaufland-Fleisch aus neuer Haltungsform – Kritiker zweifeln an Tierwohl

Angabe der Haltungsform
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Kaufland: Neues Fleisch - aber wie Tierfreundlich ist diese Haltungsform?
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Kaufland/Neckarsulm: Neues Fleischangebot beim Lebensmittel-Riesen. Aber ist damit auch alles besser? So steht‘s um die gewählte Haltungsform für die Tiere.

Besser geht immer! Und bei Kaufland soll es jetzt auch besser werden. Der Lebensmittel-Gigant aus Baden-Württemberg versucht sein Fleischangebot auf eine neue Ebene zu bringen. Bereits im Juli 2021 berichtete echo24.de über Pläne der Schwarz-Gruppe, bei Lidl und Kaufland auf Billigfleisch zu verzichten. Jetzt gibt‘s Neuigkeiten dazu.

Wie das Unternehmen mit Hauptsitz in Neckarsulm mitteilt, weitet Kaufland sein „Fleischangebot der Haltungsform Stufe 3 Außenklima weiter aus und bietet ab sofort bundesweit, als erster Lebensmittelhändler, Rindfleisch aus Haltungsform Stufe 3 Außenklima an“

Kaufland glücklich über die Entwicklung: Haltungsform soll tiergerechter sein

Stefan Rauschen, Geschäftsführer Einkauf Frische bei Kaufland zeigt sich glücklich über die Entwicklung. In der Pressemitteilung erklärt er: „Die langfristige und flächendeckende Verbesserung des Tierwohls ist uns ein wichtiges Anliegen. In der Schweine- und Geflügelhaltung haben wir mit Programmen in der Haltungsform Stufe 3 bereits vor einiger Zeit ein gutes Fundament gelegt.“

Die Verantwortlichen sehen mit dem Fleischangebot aus der neuen Haltungsform eine Vervollständigung des Angebots. Rauschen: „Unsere Kunden können sich nun bei Fleisch, neben Schwein und Geflügel, auch bei Rind für die tiergerechtere Haltungsform 3 entscheiden.“

Was steckt hinter der Haltungsstufe 3 vom Kaufland Fleisch?

Doch wie gut ist das neue Angebot? Wie viel Tierwohl steckt hinter der angepriesenen Haltungsform Stufe 3 Außenklima? Laut Verbraucherzentrale bedeutet das orangefarbenen Label der Stufe 3, dass „die Tiere neben noch mehr Platz im Stall Kontakt mit dem Außenklima haben, beispielsweise in einem überdachten Außenbereich am Stall oder durch eine nach außen offene Stallseite“.

Haltungsformen nach der Verbraucherzentrale

Haltungsform 1 - Stallhaltung
Hier wird der gesetzliche Mindeststandard für die Haltung von Schweinen und Masthühnern beschrieben. Bei Rindern und Puten zeigt Stufe 1 die branchenübliche Haltung an, da es für diese Tierarten keine speziellen Haltungsvorschriften gibt

Haltungsform 2 - StallhaltungPlus
Schweine, Masthühner, Puten und Rinder haben mehr Platz im Stall und zusätzliches Beschäftigungsmaterial, Kühe dürfen nicht angebunden sein.

Haltungsform 3 - Außenklima
Tiere sollen noch mehr Platz im Stall haben. Außerdem sollen sie Kontakt mit dem Außenklima haben, beispielsweise in einem überdachten Außenbereich am Stall oder durch eine nach außen offene Stallseite. Futter ohne Gentechnik.

Haltungsform 4 - Premium
Diese Stufe bietet den meisten Platz im Stall. Tatsächlich haben die Tiere Auslauf im Freien. Das Futter ist ebenfalls ohne Gentechnik. In diese Stufe ist Biofleisch einzuordnen. Auch konventionell erzeugtes Fleisch findet sich hier, wenn die Tierhaltung die beschriebenen Anforderungen erfüllt.

Kontakt mit dem Außenklima“ - Kritiker sehen darin reichlich Spielraum. So könne dafür bereits ein offenes Fenster oder ein offenes Scheunentor reichen. Immerhin, Kaufland wechselt in eine Haltungsform, die laut Verbraucherzentrale eher selten im Lebensmittelhandel zu finden ist. Demnach kommt die Stufe 1 Stallhaltung zu 51 Prozent vor, Stufe 2 StallhaltungPlus zu 36 Prozent und die Stufen 3 und 4 „machten insgesamt nur 13 Prozent des Angebotes aus. Insbesondere das Angebot in Stufe 3 war mit knapp drei Prozent verschwindend gering“.

Kaufland sieht sich auf dem richtigen Weg: Anreize für Landwirte für bessere Tierhaltung

Der Lebensmittel-Riese aus der Schwarz-Gruppe aus Baden-Württemberg ist sich jedenfalls sicher, mit der getroffenen Entscheidung den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. In der Mitteilung heißt es: „Bei seiner Sortimentsgestaltung übernimmt Kaufland Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt und hat vielfältige Maßnahmen für eine artgerechtere Nutztierhaltung ergriffen“.

Kaufland achte darauf sein Fleisch „von ausgewählten Landwirten“ zu beziehen, „die sich intensiv mit dem Thema Tierwohl beschäftigen“. Landwirte, die sich für eine verbesserte Haltung einsetzen und diese umsetzen erhalten vom Lebensmittel-Unternehmen für den Mehraufwand „eine entsprechende zusätzliche Vergütung in Form eines Tierwohl- und eines Futterbonus für gentechnikfreie Fütterung“.  

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