Neophyten und Neozoen auf dem Vormarsch

Eingeschleppten Arten sind gefährlich – heimische Tiere bedroht

Das Foto zeigt einen in Basel entdeckten Japankäfer (Popillia japonica). Wegen des Schädlings nahe der Grenze sind die zuständigen Behörden in Baden-Württemberg alarmiert.
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Invasive Arten: Diese Neophyten und Neozoen können der heimischen Fauna und Flora gefährlich werden. (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Die Globalisierung hat in den vergangenen Jahrzehnten eine enorme Vielfalt zu uns nach Deutschland gebracht - doch besonders eingeschleppte Arten sind gefährlich.

Was haben einheimische Mücken, Marienkäfer, Ratten und Blumen in Deutschland gemeinsam? Sie alle haben Artgenossen aus dem Ausland, die mittlerweile in die Bundesrepublik gekommen sind und der Umwelt hierzulande gefährlich werden können. Denn sogenannte „Invasive Arten“ machen sich durch die Globalisierung breit und sie haben teilweise leichtes Spiel, sich ungehindert zu vermehren.

Wohl eins der besten Beispiele ist die asiatische Tigermücke. Sie zählt als gefährlichstes Tier Deutschlands und ist mittlerweile bis in den Kreis Heilbronn vorgedrungen. Erst Ende Juli wurde ein Exemplar in der Region gesichtet. Das Problem: Die Tigermücke überträgt lebensbedrohliche Krankheiten wie das Dengue-Fieber - sie ist also hauptsächlich für den Menschen gefährlich, doch andere Arten können auch die Natur extrem belasten.

Invasive Arten in Deutschland: Was Japankäfer und Co. anrichten können

Da wäre unter anderem der Japankäfer. Er wurde kürzlich vor der Baden-Württembergischen Grenze bei Basel entdeckt und kann auch für Deutschland zum echten Problem werden. Wie echo24.de* in einem ausführlichen Artikel berichtet, zerstört er besonders Laubbäume und landwirtschaftliche Pflanzen - aber auch Wiesen und Weideflächen. Da der Japankäfer - wie viele sogenannte „Neozoen“ - in Europa kaum natürliche Feinde hat, muss der Mensch selbst eingreifen - durch Insektizide, Absammeln der Käfer von Bäumen oder Pheromonfallen.

Was sind Neophyten und Neozoen?

Neophyten sind laut Definition Pflanzenarten, die seit der Entdeckung Amerikas 1492 durch den Einfluss des Menschen in eine für sie neue Region gelangt sind. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Neu-Pflanzen“. Die entsprechenden Tiere heißen Neozoen.

Die meisten Arten können allerdings gar nichts dafür, dass sie in Deutschland heimisch wurden. Bisamratten beispielsweise sind gar nicht ursprünglich von hier. Sie wurden zu Tausenden eingeführt, um ihre Pelze verkaufen zu können. Nachdem die Felle aber zunehmend unbeliebter wurden, schlossen viele Betreiber ihre Farmen und entließen die Tiere in die Natur. Nun lebt der Bisam beinahe überall in Deutschland und richtet so immer wieder große Schäden an Ufern, Teichen und Verkehrswegen an.

Invasive Arten: Neophyten und Neozoen verdrängen Einheimische

Ebenso erging es dem nordamerikanischen Waschbären. Er wurde laut WWF bereits 1927 nach Deutschland eingeführt - ebenso wie die Bisamratte als Pelztier. Der Waschbär hat bisher zwar nur wenig Schaden angerichtet, doch kann er beispielsweise heimischen Vogelarten gefährlich werden. Denn er ernährt sich nicht nur von Pflanzen und Insekten - der Waschbär frisst auch Vögel. Weil er so hervorragend klettern kann, kommt er auch an Tiere heran, die in sehr hohen Bäumen nisten.

Manche Arten verdrängen Einheimische oder lassen sogar ganze Ökosysteme kippen – das muss man natürlich erkennen und frühzeitig eingreifen.

WWF-Experte Janosch Arnold

Manchmal kommt es allerdings sogar vor, dass invasive Arten ihren einheimischen engen Verwandten gefährlich werden. WWF-Experte Janosch Arnold meint dazu: „Manche Arten verdrängen Einheimische oder lassen sogar ganze Ökosysteme kippen – das muss man natürlich erkennen und frühzeitig eingreifen.“ Ein bekannter Fall ist dabei das nordamerikanische Grauhörnchen, das stärker ist als das europäische Eichhörnchen und sich so durchsetzen kann.

Invasive Arten in Deutschland: Auch im Wasser rotten Neozoen einheimische Tiere aus...

Auch die nordamerikanische Rippenqualle bedroht heimische Arten. Im Schwarzen Meer hat sie laut WWF bereits Sardelle und Sprotte nahezu ausgerottet - mittlerweile siedelt sie sich auch in Nord- und Ostsee an. Doch wenn es erstmal so weit ist, kann man laut Arnold auch nicht mehr viel machen. „Letztlich ist die Invasion von Arten unvermeidlich, wenn sie einen geeigneten Lebensraum vorfinden. Zu spät erkannt, kann sie nur eingeschränkt und in einigen Fällen verzögert werden“, meint der Experte.

Doch nicht nur Tiere können die heimische Fauna und Flora unterwandern - auch gefährliche Pflanzenarten fassen immer häufiger Fuß in Deutschland und Baden-Württemberg. Ein besonders heimtückisches Exemplar ist der Riesenbärenklau. Dieser Neophyt sieht einheimischen Arten wie Engelwurz oder Wiesen-Bärenklau ähnlich, wird aber viel größer und ist extrem giftig für Menschen.

Invasive Arten: Nicht nur importierte Tiere, sondern auch Pflanzen schaden der Umwelt

Die Kanadische Goldrute dagegen ist nicht gefährlich für den Menschen, kam allerdings im 19. Jahrhundert aus Nordamerika als Zierpflanze nach Deutschland und besiedelt hier Bahngleise, Wald- und Uferränder. Laut BUND breitet sie sich sehr stark aus und bildet ein undurchdringliches Dickicht. Während die Kanadische Goldrute allerdings in ihrer Heimat 300 Fressfeinde hat, bleibt sie in Deutschland nahezu unberührt. Ihre unterirdischen Ausläufer verschaffen ihr enormes Ausbreitungspotential und verdrängen heimische Pflanzen.

In Deutschland wird mittlerweile gegen einige invasive Arten vorgegangen, doch der NABU Baden-Württemberg geht nicht davon aus, dass sich das Problem in absehbarer Zeit verringert. Das liegt vor allem daran, dass globale Transportwege die natürlichen Ausbreitungsgrenzen von Pflanzen, Tieren und Pilzen überwinden.

Dennoch hat die EU mittlerweile in einer Verordnung festgehalten, dass Neophyten und Neozoen - so gut es geht - zurückgedrängt werden sollen. Zum einen durch bessere Prävention und Früherkennung, zum anderen durch schnelle Reaktion auf invasive Arten. So sollen in Zukunft mögliche Schäden weitestgehend verringert werden.

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