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„Tödlichstes Tier der Welt“ und Co. – wie gefährlich invasive Tierarten sind

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Von: Jason Blaschke

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In jüngster Zeit wurden in Baden-Württemberg mehrfach exotische Tierarten nachgewiesen, die gefährliche Krankheitserreger übertragen können.

Stuttgart – Trockenheit und Hitze definieren das Wetter in Deutschland im Sommer 2022 gut. Und im Hinblick auf erste Prognosen könnte es auch im Herbst wettertechnisch trocken und heiß weitergehen. Für die Landwirtschaft oder die Natur sind die extremen Temperaturen verheerend. Wassermangel und Hitze führen zu teils vertrockneten Ernten. Im Landesbauernverband (LBV) blickt man mit Sorge auf die derzeitige Wetterlage.

Giftige Spinnen, gefährliche Mücken: Invasive Tierarten in Baden-Württemberg

Sollte es zeitnah nicht regnen, drohen „Ernteeinbußen von bis zu 50 Prozent“, warnt LBV-Präsident Joachim Rukwied mit Blick auf die Herbstkulturen – also die Pflanzen, die primär im Herbst geerntet werden und am stärksten unter der Trockenheit leiden. Doch die heißen und trockenen Temperaturen in Baden-Württemberg machen sich noch an einer ganz anderen Stelle bemerkbar. In der Tierwelt, wo immer mehr Exoten eine neue Heimat finden.

Die letzten Wochen waren geprägt von Meldungen über invasive Tierarten, die im Südwesten nachgewiesen wurden. In Konstanz am Bodensee war es die asiatische Tigermücke, die Bill Gates einst als „tödlichstes Tier der Welt“ bezeichnet hatte. Ganz anders in Karlsruhe und Pforzheim, wo die giftige Nosferatu-Spinne neuerdings ihr Unwesen treibt. Und nahe Mannheim wurde vor einigen Wochen die Hyalomma-Zecke gesichtet, die bis zu zwei Zentimeter groß werden kann.

Das Foto zeigt einen kleinen Jungen, der von Moskitos völlig zerstochen ist.
Klein, aber gefährlich: Invasive Mückenarten können Krankheiten übertragen, die schwer oder sogar tödlich verlaufen (Symbolbild). © Panthermedia/IMAGO

Wie gefährlich viele invasive Tierarten sind, bestimmt vor allem ein Faktor

Wie gefährlich invasive Tierarten in Baden-Württemberg sind, bestimmt primär ein Faktor: gefährliche Krankheitserreger. Zwar sind manche Tierarten wie die Nosferatu-Spinne giftig, doch meist sind solche Gifte für Menschen nicht lebensbedrohlich. Und auch die Bisse der Tiere können normalerweise gut behandelt werden. Schwieriger wird es, wenn es um Tiere geht, die Krankheitserreger in sich tragen und auf Menschen übertragen können.

Infektionen mit Bakterien, etwa Borreliose, können in der Regel gut mit Antibiotika therapiert werden, virale Infekte nicht – gerade deshalb werden auch viele invasive Mückenarten in Baden-Württemberg gefährlicher eingestuft, als etwa die Quagga-Muschel im Bodensee. Ein Grund zur Panik sind die Informationen aber nicht – auch, weil nicht jede Mücke Krankheitserreger überträgt. Daher zeigt man sich auch im Landesgesundheitsamt besonnen.

Expertin ist sich sicher: „Übertragungsrisiko ist aktuell noch sehr gering.“

„Das Übertragungsrisiko von exotischen Viren durch infizierte Reiserückkehrer ist aktuell noch sehr gering. Kann sich die Tigermücke jedoch ungestört ausbreiten, steigt das Risiko“, erklärte Doktor Christiane Wagner-Wiening, die stellvertretende Leiterin im Referat Gesundheitsschutz und Epidemiologie, gegenüber der Südwest-Presse (swp) zur asiatischen Tigermücke, die in Baden-Württemberg als prominenteste Vertreterin invasiver Tierarten angesehen wird.

Der Tübinger Insektenforscher Doktor Alfons Renz sieht das West-Nil-Virus derzeit als stärkste Gefahr im Hinblick auf die asiatische Tigermücke, die von Bill Gates einst als „tödlichstes Tier der Welt“ bezeichnet wurde. Zugvögel infizieren sich damit und tragen das Virus zurück nach Europa, wo sie erneut von einer Tigermücke gestochen werden und das West-Nil-Virus auf diese Weise an einen Menschen übertragen können.

Die Europäische Umweltagentur warnt primär vor einer invasiven Tierart

Hinzu kommt, dass Stechmücken wie das tödlichste Tier der Welt als äußert aggressiv gelten und ihren Opfern regelrecht nachsetzen. Die Vereinigung Tiger, die es sich zur Aufgabe macht, die Verbreitung der asiatischen Stechmücke einzudämmen, spricht sogar von einer „Minderung der Lebensqualität“, sollten an einer bestimmten Stelle wie einem Gewässer mehrere weibliche Tiere auftauchen. Alarmiert zeigt sich auch die Europäische Umweltagentur (EEA).

In einem Bericht von 2020 werden die Stechmücken als invasive Tierart explizit erwähnt. Allein die asiatische Tigermücke wird „mit 20 Krankheiten in Verbindung gebracht“ heißt es. „Begünstigt durch den Klimawandel könnte sie in den nächsten Jahrzehnten auch weiter im Norden gute Überlebensbedingungen vorfinden.“ Was für Krankheitserreger die asiatische Tigermücke auf die Menschen übertragen kann, fasst ein separater Serviceartikel zusammen.

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