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‘S isch o‘zapft: Kommt nach dem Wasen die Corona-Herbstwelle?

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In München schießen die Zahlen derzeit besonders dramatisch in die Höhe. Zeitgleich zum Münchener Oktoberfest also. Was bedeutet das jetzt für den Stuttgarter Wasen?

Gut eineinhalb Wochen nach dem Auftakt des Münchener Oktoberfests schießen die Corona-Zahlen in Bayern dramatisch in die Höhe. Am Mittwochmorgen meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit 95.811 Neuinfektionen (Stand 6 Uhr). Damit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz sowohl in der bayrischen Landeshauptstadt als auch im gesamten Freistaat über der 500er-Marke.

Konkret heißt das: Mit einem Wert von 503,2 gibt es in Bayern einen Anstieg von 67 Prozent im Vergleich zum Wert vor einer Woche. In München hat er sich mit aktuell 547 seit vergangenem Mittwoch sogar mehr als verdoppelt. Noch am Montag lag dieser bei 393,2 - am Dienstag schon bei 424,9. Das zeigt auch, mit welcher Wucht die Welle nun kommen könnte, besonders wenn man im Hinterkopf behält, dass die Gesundheitsbehörden am Wochenende keine Zahlen bekannt geben und die Zahlen deshalb am Montag in der Regel am höchsten sind.

Experten warnten bereits im Vorfeld vor „Wiesn-Welle“

Ob die Werte in einem Zusammenhang zum Münchener Oktoberfest stehen, kann natürlich nicht mit letzter Gewissheit gesagt werden. Experten hatten jedoch schon im Vorfeld eine „Wiesn-Welle“ vorhergesagt. Auch bei anderen Volksfesten hatte sich diese Beobachtung bereits bestätigt: Häufig stiegen die Inzidenzen etwa eineinhalb Wochen nach Beginn der Feiern stark an.

Was das nun für den Cannstatter Wasen bedeutet, wird sich demnach in Kürze zeigen. Das 175. Jubiläum hatte am 23. September, also circa eine Woche nach dem Wiesn-Anstich, gestartet. Zuletzt lockte das Fest 2019 rund 3,5 Millionen Besucher aus aller Welt nach Stuttgart. Nach einer zweijährigen, pandemiebedingten Pause kann es in diesem Jahr, genau wie die Münchener Wiesn, wieder ohne Einschränkungen stattfinden.

„Wuchtige Herbstwelle“ zu erwarten

Wie sich die Infektionszahlen in Stuttgart und Baden-Württemberg entwickeln, wird sich also in der nächsten Woche schon zeigen. Am heutigen Mittwoch (28. September) liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg jedenfalls noch unter der 400er-Marke bei 339,3. In Stuttgart sogar „nur“ bei 241,6. Dies spiegelt jedoch bereits einen kleinen Anstieg zum Vortag wider, an dem die Inzidenz bei 240,3 lag. Vor etwa einer Woche, zum Wasen-Anstich, lag der Wert noch bei 229,8.

Auch hier ist zu erwarten, dass die Zahlen weiter anziehen. Olaf Gersemann, Leiter der Ressorts Wirtschaft und Finanzen bei der Zeitschrift WELT, gibt jeden Morgen eine Einschätzung der Zahlen via Twitter und kündigte am Mittwochmorgen bereits eine „wuchtige Herbstwelle“ an: „Verbliebene Zweifel daran, ob wir in eine Herbstwelle hineinsteuern, dürften mit dem heutigen Tag ausgeräumt sein.“

Abwasseruntersuchungen geben Hinweise auf Corona-Entwicklung

Eine Maßnahme, die seitens der Wiesn-Veranstalter jedoch ergriffen wurde, ist die Untersuchung des Abwassers. Dies soll helfen, eine mögliche Welle frühzeitig zu erkennen. Durch die wissenschaftlichen Untersuchungen konnte das Virus auch bereits in den stark verdünnten Abwässern des Volksfestes nachgewiesen werden. Bisher sagt Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) jedoch gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: „Die gefürchtete Welle ist nicht da.“

Die Überwachung des Abwassers ist insofern sinnvoll, da Experten seit einiger Zeit auch von einer hohen Zahl von nicht vom RKI erfassten Corona Fälle ausgehen – vor allem, weil bei weitem nicht bei allen Infizierten ein PCR-Test gemacht wird. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen und Übermittlungsprobleme zur Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

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