Es geht um über 100.000 Impfdosen

Impfstoff-Skandal in Baden-Württemberg? AstraZeneca lagert haufenweise im Kühlschrank

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Der Impfstoff gegen das Coronavirus ist knapp. Warum also befinden sich in Baden-Württemberg mehr als 100.000 Impfdosen zur Lagerung im Kühlschrank?

Der Impfstoff von AstraZeneca* steht in der Kritik. Einerseits wegen seiner Nebenwirkungen, andererseits wegen der Wirksamkeit. Es gibt aber Menschen in Deutschland, die sich auch mit AstraZeneca‘s Vakzin impfen lassen würden. In Baden-Württemberg wäre das für berechtigte Gruppen scheinbar sofort möglich. Das geht aus einer Mitteilung der dpa hervor, über die echo24.de* berichtet. Insgesamt wurden bislang 192.000 Impfdosen des Vakzins an Baden-Württemberg geliefert.

Baden-Württemberg: Vakzin AstraZeneca lagert haufenweise in Kühlschränken

Doch nur 12.112 Impfdosen des Vakzins von AstraZeneca wurden laut RKI in Baden-Württemberg verimpft. Das wären gerade einmal etwas mehr als sechs Prozent der Gesamtmenge. Der Rest lagert der dpa zufolge in Kühlschränken. Und das, obwohl Baden-Württemberg mit den Impfungen im Ländervergleich weit zurückliegt. Wie passt das zusammen? „Die Zahlen stimmen nicht“, erklärt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Es sei bereits mehr verimpft worden.

Das Problem sei ein Meldeverzug durch die Kliniken, so der Ministeriumssprecher. Das liegt laut Gesundheitsministerium wohl auch daran, dass die Kliniken in Baden-Württemberg den Impfstoff teils erst seit einer Woche in den Impfzentren abholen können. Geplant ist, dass mit AstraZeneca‘s Vakzin vorrangig Personen der zweiten Priorisierungsgruppe unter 65 Jahren geimpft werden. Die Impfstoffdosen von AstraZeneca müssen nur von den Lagern abgeholt werden.

Baden-Württemberg: Kann der Impfstoff von AstraZeneca ablaufen?

Aus Sicht des Gesundheitsministeriums in Baden-Württemberg besteht aber keine Gefahr, dass der Impfstoff von AstraZeneca verdirbt. „Der Impfstoff ist ungeöffnet im Kühlschrank sechs Monate haltbar“, erklärt der Ministeriumssprecher. Zudem bekommen man AstraZeneca erst seit drei Wochen geliefert. Bis Mitte März erwartet die Landesregierung von Baden-Württemberg neben Lieferungen von anderen Herstellern rund 460.000 Impfdosen des Vakzins von AstraZeneca.

Erst seit Montag dürfen sich in Deutschland auch Menschen aus der zweiten Priorisierungsgruppe mit AstraZeneca impfen lassen. Dazu gehören etwa viele medizinische Beschäftigte und auch Lehrkräfte und Erzieherinnen – allerdings nur, wenn sie zwischen 18 und 64 Jahre alt sind. Der Grund: Für Menschen über 65 Jahren ist der Impfstoff von AstraZeneca noch nicht zugelassen. Nach Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts liegen für ältere Menschen noch nicht genügend Studiendaten vor.

Baden-Württemberg: Wann bekomme ich einen Impftermin? Nützliches Tool hilft

Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage nach Impfungen in den kommenden Wochen steigen wird. Schon jetzt stelle man eine gestiegene Nachfrage nach Terminen fest, teilt das Gesundheitsamt von Baden-Württemberg mit. Aber wie kann ich Baden-Württemberg ein Impftermin* vereinbart werden? Telefonisch ist die Terminvereinbarung unter der Nummer 116117 möglich. Auch über die Website www.impfterminservice.de/impftermine kann man sich anmelden.

Menschen der zweiten Priorisierungsgruppe können sich mit AstraZeneca impfen lassen.

Voraussetzung ist, dass man zur ersten oder zweiten Priorisierungsgruppe gehört. Die Impfung erfolgt in einem der Impfzentren. Einer Übersicht aller Impfzentren in Baden-Württemberg* findet ihr hier. Aller Personen, die nicht der ersten oder zweiten Priorisierungsgruppe angehören, können sich ihren Termin von einem Impfterminrechner* prognostizieren lassen. echo24.de* nahm eines der Angebote unter die Lupe und stellte dabei überraschendes fest.

Inhaltsstoffe Astrazeneca-Impfstoff:

L-Histidin, L-Histidinhydrochlorid-Monohydrat, Magnesiumchloridhexahydrat, Polysorbat 80, Ethanol, Saccharose, Natriumchlorid, Dinatriumedetatdihydrat, Wasser

Derzeit geht die Bundesregierung davon aus, dass alle Deutsche bis zum Sommer 2020 ein Impfangebot bekommen. Über das Thema Privilegien wird aber schon heute heftig debattiert. Klar ist, dass es einen digitalen Impfpass* auch in Deutschland geben wird. Länder wie Griechenland haben bereits angekündigt, die Einreise für geimpfte Menschen ohne Quarantäne zu ermöglichen. Denkbar ist, dass auch andere Länder diesen Schritt erwägen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN MEDIA.

Rubriklistenbild: © AFP

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