Was spricht für und was gegen den Hundeführerschein?

„Geldmacherei?“ Mega-Diskussion um Hundeführerschein in BaWü

  • Lisa Klein
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Auf Facebook wird rund um das Thema Hundeführerschein in Baden-Württemberg wild diskutiert. Wie sinnvoll ist ein solcher Führerschein für Halter wirklich?

Das Land Baden-Württemberg möchte für Halter einen Hundeführerschein in Form eines Sachkundenachweises einführen. Die Besitzer sollen ihr Wissen – vor allem zum Schutz der Tiere – über Hunde in einer theoretischen und praktischen Prüfung beweisen. Zudem soll es künftig eine Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Versicherungspflicht für Hundehalter in Baden-Württemberg geben, wie aus dem Koalitionsvertrag des Landes hervorgeht. Beschlossene Sache ist bislang noch nichts und auch die Details zum Hundeführerschein in Baden-Württemberg fehlen noch. Doch schon jetzt nehmen die Diskussionen rund um das Thema Hundeführerschein in Baden-Württemberg auf Facebook kaum ein Ende.

Eine Leserin kritisiert in der Kommentarspalte auf Facebook, dass hinter dem Hundeführerschein nur Geldmacherei stecken würde. Ihr wäre es ein persönliches Anliegen, dass sich stattdessen dem Thema Tierschutz im Allgemeinen mehr angenommen werden würde, unter anderem dadurch, dass Tiere nicht mehr als Sache gelten und Tierquäler härter bestraft werden – nicht aber durch den Hundeführerschein. Ein paar Leser verfehlen die Thematik vollends und fordern einen Führerschein für Radfahrer und einen Führerschein für das Kinderkriegen. Doch zurück zum Thema: Wie sinnvoll ist ein Hundeführerschein wirklich?

Hundeführerschein in Baden-Württemberg: Wie sinnvoll ist er wirklich?

Ein anderer Leser kritisiert auf Facebook, dass zahlreiche Hunde ohne Leine herumlaufen würden, „egal ob andere Leute oder kleine Kinder in der Nähe sind.“ Genau das soll sich im Landkreis Heilbronn mit einer Leinenpflicht in bestimmten Gebieten ändern und auch im Stadtkreis Heilbronn gibt es bereits zahlreiche Bereiche – wie die Wertwiesen – in denen eine Leinenpflicht gilt. Das Thema Leinenpflicht könnte ein Thema beim Sachkundenachweis sein. Denn viele Halter wissen gar nicht, wo überall eine Leinenpflicht besteht und wann der Hund an die Leine genommen werden muss. Genau diese Wissenslücken sollen durch den Hundeführerschein geschlossen werden.

Bei der theoretischen Prüfung werden Hundehaltern nicht blindlings irgendwelche Fragen gestellt. Ähnlich wie beim Autoführerschein kann vorab online geübt werden oder auch ein freiwilliger, aber kostenpflichtiger Vorbereitungskurs besucht werden. Dort lernen Hundehalter einiges über das Sozialverhalten und die Körpersprache von Hunden, die richtige Haltung und Pflege, den richtigen Umgang in Gefahrensituationen, woran erkannt werden kann, ob ein Hund krank und sie erhalten Informationen über die richtige Ernährung – also alles, was für die Gesundheit und das Wohlergehen des Hundes wichtig ist.

Hundeführerschein in Baden-Württemberg: Weshalb eine praktische Prüfung sinnvoll ist

Bei dem praktischen Teil der Prüfung wird das Verhalten des Hundes unter die Lupe genommen. Dabei geht es vorwiegend um die Souveränität in Alltagssituationen. Geprüft wird laut Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V. (BHV) in einer ablenkungsarmen Umgebung, einer belebten Grünanlage und im innerstädtischen Bereich. Auch hier ist nicht das Ziel, „Problemhunde“ auszusortieren. Es wird vor allem auf den Umgang des Halters mit dem Hund in bestimmten Situationen geachtet. Hat der Halter seinen Hund im Griff und kann beispielsweise ohne Zwischenfälle mit dem Hund eine Straße überqueren, ohne dabei andere zu gefährden?

Es ist zum Beispiel auch kein Weltuntergang, wenn der Hund nicht sofort auf das Kommando „Platz“ reagiert, laut dem Hundeschulhof Friesland darf ein Kommando sogar bis zu dreimal wiederholt werden. Wichtig ist zu beweisen, dass der Besitzer seinen Hund unter Kontrolle hat und in Gefahrensituationen richtig reagiert, sodass kein anderer Mensch oder ein Tier verletzt wird. Die genauen Inhalte einer solchen prakitschen Prüfung können auf hundeschulen.de nachgelesen werden.

Um für die praktische Prüfung vorbereitet zu sein, kann ein Besuch in der Hundeschule helfen. Generell wird Hundehaltern empfohlen, mit ihren Schützlingen eine Hundeschule zu besuchen. Doch was passiert bei Nichtbestehen der Prüfung? Wer die Prüfung für den Hundeführerschein nicht besteht, kann diese in der Regel so oft wiederholen, wie er möchte. Dies gilt sowohl für den theoretischen als auch praktischen Teil.

Für bestimmte Bereiche gibt es eine Anleinpflicht an Samstagen, Sonn- und Feiertagen sowie in den Schulferien zwischen 8 und 21 Uhr. Viele Halter wissen das allerdings gar nicht. (Symbolbild)

Details für den Hundeführerschein in Baden-Württemberg sind noch nicht bekannt. Doch relativ klar ist: Wer durchfällt, dem wird nicht sofort der Hund weggenommen, wie einige Facebook-Nutzer befürchten. An dieser Stelle sollte nochmal betont werden: Bei dem Hundeführerschein geht es nicht darum, Halter zu ärgern oder zu bestrafen, ihnen „Geld aus der Tasche zu ziehen“ oder den Hund wegzunehmen, sondern einzig und allein um das Wohlergehen des Tieres. Der BHV schreibt auf seiner Webseite: „Ziel der Prüfung ist es, festzustellen, ob das Halter-Hund-Team sich ohne Belästigung und/oder Gefährdung Dritter in der Öffentlichkeit bewegen kann.“

Denn die Haltung eines Hundes bedeutet das Übernehmen von Verantwortung. Vor allem in der Corona-Pandemie haben sich viele ein Haustier „aus Langeweile“ angeschafft, ohne sich über die Verantwortung wirklich bewusst zu sein. Tierschützer fürchten deshalb nun, dass viele Tiere, sobald der Alltag zurückkehrt, wieder im Tierheim landen. Solche Spontankäufe von Hunden sollen durch den Hundeführerschein verhindert werden.

Baden-Württemberg: Weshalb Tierschützer einen Hundeführerschein fordern

Die Tierschutzorganisation PETA fordert schon seit langem einen Hundeführerschein und bringt auf ihrer Webseite das Thema Hundeführerschein und den Sinn dahinter so auf den Punkt: „Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und die Signale ihres Vierbeiners richtig deuten. Das Training vermittelt dem potenziellen Hundehalter Kenntnisse über die Anforderungen der Hundehaltung, die für ein tiergerechtes Leben der Hunde unerlässlich sind. Der Halter lernt, seinen vierbeinigen Freund besser einzuschätzen und erfährt, was in kritischen Situationen zu tun ist. Gefährliche Zwischenfälle – zum Beispiel Beißunfälle – können auf diese Weise vermieden werden. Dies verhilft dem Hund zu einem besseren Leben und einem entspannten Verhältnis zu „seinem Menschen“.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den PETA aufführt: „Der Sachkundenachweis kann zudem Spontankäufe verhindern – denn gerade Hunde werden später häufig ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben, weil sich die Halter im Vorfeld nicht ausreichend informieren. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen. Darüber hinaus erleichtert die verpflichtende Registrierung auch die Suche nach dem Besitzer eines entlaufenen Tieres und macht zudem ein Aussetzen des Tieres unmöglich.“

Rubriklistenbild: © Bernd Weissbrod/dpa

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