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Homeoffice ab Herbst spaltet BW – „Bitte, mein Chef allein wird es nicht machen“

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Von: Jason Blaschke

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Geht es nach Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, soll es ab Herbst wieder eine Homeoffice-Pflicht geben. In Baden-Württemberg ist man in der Sache gespalten.

Stuttgart – Die 7-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg ist seit Ende Juli fortlaufend gesunken und liegt Stand 26. August unter der Marke von 300 neuen Infektionen binnen einer Woche und auf 100.000 Einwohner gerechnet. Fachleute gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Coronavirus-Infektionen aus, weshalb die Inzidenz an Aussagekraft einbüßt. Der Bund, aber auch die Länder, feilen schon an neuen Corona-Auflagen.

Kritik aus Baden-Württemberg an Homeoffice-Pflicht ab Herbst: „faktischer Präsenz-Lockdown“

Vom Bundesarbeitsministerium heißt es dazu, dass auch eine Homeoffice-Pflicht ab Herbst erneut eingeführt werden könnte – ein neuer Gesetzentwurf, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, sieht ab Oktober eine Homeoffice-Pflicht, aber auch Maskenpflicht und kostenlose Tests vor, wie fr.de schreibt. Medienberichten zufolge sind zudem wieder kostenlose Corona-Schnelltests für die Mitarbeiter geplant, die in Präsenz arbeiten müssen.

In Baden-Württemberg treffen die Homeoffice-Pläne von Hubertus Heil auf ein geteiltes Echo. Peer-Michael Dick, Geschäftsführer im Interessenverband Unternehmen in Baden-Württemberg, kritisiert, dass die momentanen Corona-Infektionszahlen eine solche Maßnahme nicht rechtfertigen würden. SWR-Berichten zufolge, bezeichnet Dick eine neue Homeoffice-Pflicht als einen „faktischen Präsenz-Lockdown“ für Arbeitnehmer und Mitarbeiter.

Gewerkschaftsbund verteidigt Homeoffice-Pläne: „einfaches Mittel zum Schutz“

Dick erinnert an Maßnahmen wie Maske-tragen und Hygienepläne, die sich in der Pandemie bewährt hätten und viel zielführender seien als andere Maßnahmen. Ganz anderer Ansicht ist man in der Sache im Deutschen Gewerkschaftsbund Baden-Württemberg. Mobiles Arbeiten habe sich als einfaches Mittel zum Schutz bewährt, erklärt der DGB-Vorsitzende Kai Burmeister im SWR-Gespräch zu der Idee, eine Homeoffice-Pflicht erneut einzuführen.

Im DGB argumentiert man, dass Arbeitnehmer gerade in Zeiten einer starken Infektionsdynamik besser geschützt sind. Das sei im Besonderen wichtig, wenn das Coronavirus mutiere und die Infektionsgefahr ansteige, erklärt Burmeister. Und auch im baden-württembergischen Wirtschaftsministerium werden auf SWR-Nachfrage die Vorteile einer Homeoffice-Pflicht hervorgehoben, die sich in der Vergangenheit bewährt hätten.

Wirtschaftsministerium BW wartete auf Begründung für die Homeoffice-Pflicht

„Wir gehen davon aus, dass die Entscheidung der Bundesregierung auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Abschätzung der Infektionsentwicklung und der damit verbundenen Belastung des Gesundheitssystems erfolgt“, sagte eine Sprecherin von Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut dem SWR. Die Sprecherin mahnte aber zugleich an, dass noch eine nachvollziehbare und tragfähige Begründung seitens der Bundesregierung ausstehe.

Sprich, die baden-württembergische Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann möchte mit Blick auf die Homeoffice-Pläne ab Herbst die Verhältnismäßigkeit auch belegt haben. In der Facebook-Community zeichnet sich übrigens ein ähnliches Bild ab, wie in der Politik – die Meinungen gehen auseinander. Auf die Frage, ob es eine Homeoffice-Pflicht geben soll, antwortet eine Userin: „Bitte, mein Chef allein wird es nicht machen.“

Zuhause arbeiten
Homeoffice hat viele Vorteile, auch deshalb sehen viele Arbeitnehmer eine erneute Homeoffice-Pflicht gelassen. © Silas Stein/dpa

Facebook-User in Homeoffice-Frage gespalten: „Gewinne 90 Minuten Lebenszeit“

Und ein anderer Facebook-User beteuert, dass er gerne im Homeoffice arbeite – auf seinen Job habe das null Auswirkungen. „Ich spare 10.000 Kilometer im Jahr, das Auto nutzt weniger ab und ich gewinne 90 Minuten Lebenszeit jeden Tag.“ Jedoch melden sich auch kritische Stimmen zu Wort. Unter den derzeitigen Umständen sei das eine Frechheit, schimpft ein Nutzer. „Die Zeche soll mal wieder der kleine brave Arbeitnehmer zahlen.“

Laut Gesetzentwurf soll die Homeoffice-Pflicht bundesweit zum 1. Oktober in Kraft treten und bis zum 7. April 2023 gelten. Im März war die vorherige Homeoffice-Pflicht ausgelaufen – seither können alle Arbeitgeber wieder frei entscheiden, ob und wenn ja, wie lange ein Mitarbeiter ins Homeoffice kann. Einen Anspruch auf mobiles Arbeiten haben Arbeitnehmer immer nur dann, wenn eine Homeoffice-Klausel im Arbeitsvertrag steht.

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