„Weiß nicht, wie es weitergeht“

Holocaust-Überlebender wegen Ukraine-Krieg nach Stuttgart geflüchtet

  • Julia Thielen
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Wegen des Ukraine-Kriegs ist Borys Sabarko geflüchtet. Nun lebt der Holocaust-Überlebende in Stuttgart und berichtet von seinen schlimmen Erlebnissen.

Borys Sabarko hat eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheit überlebt. Den Holocaust. Als Kind floh er aus dem Ghetto von Scharhorod. Nach dem Zweiten Weltkrieg widmete er sein Leben der Historie, der Aufarbeitung und internationalen Beziehungen und schrieb rund 260 Bücher und Artikel. Dass er noch einmal mitten in einem Krieg stecken würde, noch einmal fliehen müsste, damit hatte der 86-Jährige nicht gerechnet.

Wegen des Angriffs Russlands auf die Ukraine musste Sabarko 80 Jahre nach dem Holocaust noch einmal fürchten, wegen eines Krieges sein Leben zu verlieren. Auch diesmal entkam er - und floh nach Stuttgart.

Holocaust-Überlebender wegen Ukraine-Krieg nach Stuttgart geflüchtet

Weggewollt habe er allerdings nicht. Die Ukraine ist Sabarkos Heimat. „Ich hoffe, dass ich bald wieder zurückkehren kann. Aber ich kann keine Prognose machen, weil ich nicht weiß, wie es weitergeht“, sagt Sabarko.

Vorerst lebt er mit seiner Tochter und Enkelin in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Hier hat er Verwandte, viele Freunde und Bekannte. Sein Schwiegersohn blieb laut Bild-Zeitung zurück.

2009 wurde Borys Sabarko das Bundesverdienstkreuz verliehen. Als Autor schrieb er viel vom Holocaust in der Ukraine und dem Antifaschismus. „Wir sind die letzte Generation, die den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust überlebt hat. Leider müssen wir, die letzte Generation, am Ende unseres Lebens eine weitere Katastrophe erleben.“

Rubriklistenbild: © dpa/Marijan Murat/TASS/Sergei Bobylev