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Schiffsverkehr in Baden-Württemberg leidet unter Dürre – Bleiben diese Güter aus?

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Von: Mia Köhler

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Wegen Niedrigwasser droht in Baden-Württemberg das Einstellen des Schiffsverkehrs. Auch die Wirtschaft wird in Mitleidenschaft gezogen.

Es besteht Wassermangel in Europa. Flüsse trocknen aus und Seen stehen davor, umzukippen. Durch die austrocknenden Flüsse sterben viele Fische und andere Wasserbewohner, jedoch wird natürlich auch die Schifffahrt von einem niedrigen Wasserspiegel beeinflusst. Nicht nur in Baden-Württemberg stellt sich die Frage, wie lange Schiffe noch auf den Flüssen fahren können. Worauf muss verzichtet werden, wenn sie ausfallen?

Hitzewelle: Viele Flüsse sind von einem niedrigen Wasserstand betroffen

Die Hitzewelle hat Auswirkungen auf ganz Deutschland und darüber hinaus. Viele Flüsse wie die Dreisam bei Freiburg, der Rhein und viele andere haben Niedrigwasser oder trocknen ganz aus. Sollte die Hitzewelle anhalten, werden noch mehr Flüsse betroffen sein.

Der Rhein befindet sich in einer kritischen Lage, der Wasserpegel bei Mannheim ist auf 126 Zentimeter gesunken, normalerweise beträgt er 290 Zentimeter. Dadurch könnte die Schifffahrt eingeschränkt werden, denn ab einem gewissen Punkt können Binnen- und Tourismus Schiffe nicht mehr fahren. Und dann?

Dieser Punkt ist an jedem Ort verschieden, in Kaub, Rheinland-Pfalz ist der Rhein bei einem Pegel von 30 bis 35 Zentimetern nicht mehr befahrbar. Dabei wird er bald die 40 Zentimeter Marke unterschreiten. Zwischen Mannheim und Altrip wurde die Untergrenze des Pegels schon unterschritten, der Rheinpegel muss an dieser Stelle 90 Zentimeter betragen, jedoch liegt er nur noch bei 80 Zentimetern.

Niedrige Wasserpegel: Durch eingeschränkte Schifftransporte schwebt die Wirtschaft in Gefahr

Auch an anderen Orten können Schiffe nur noch mit halber Fracht fahren, nötig sind eineinhalb Meter unter dem Kiel der Schiffe, gerade ist es aber nur ein halber Meter. Es besteht die Gefahr, dass sie überhaupt nicht mehr fahren können. Was natürlich ein großer Verlust für die Wirtschaft wäre, denn der Rhein ist die größte Wasserstraße Deutschlands, auf der Öl, Kohle, Getreide, Chemikalien und Mineralien transportiert werden.

Kohlekraftwerke sind wegen mangelndem Gas aus Russland von außergewöhnlicher Bedeutung, von dem eingeschränkten Schiffstransport ist aber vor allem Kohle betroffen. Kohlekraftwerke müssen in den nächsten Wochen womöglich ihre Stromproduktion drosseln. Auch Kernkraftwerke in der Schweiz, die Wasser zur Kühlung aus dem Rhein beziehen, können durch mangelndes Wasser nicht mehr die volle Leistung aufbringen. Das Energie-Problem wird aller noch größer.

Hitzewelle: Hohe Transportkosten wegen eingeschränktem Schiffsverkehr

Es ist doch nicht zum erstmal Mal so heiß, mag mancher denken. Ja, in der letzten Hitzewelle 2018 hatte der Rhein auf längere Zeit Niedrigwasser, auch damals wurde die Schifffahrt eingeschränkt. Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft musste die Industrieproduktion am höchsten Wert um 1,5 Prozent gedrückt werden.

Bisher dürfen die Frachtschiffe noch fahren, jedoch nur noch mit 25 bis 35 Prozent der Ladung. Mit dem Niedrigwasser steigen die Transportkosten pro Tonne, was wiederum erhöhte Einsatzkosten der Kohlekraftwerke bedeutet. Unternehmen, die auf Schiffstransport angewiesen sind, bleiben wegen des Niedrigwassers auf erheblich mehr Kosten sitzen. Experten vermuten deshalb, dass Deutschland in eine leichte Rezession fallen und das Wirtschaftswachstum nur 1,2 Prozent im Gegensatz zu den 2,7 Prozent des Vorjahres betragen wird.

Kunden benötigen drei Schiffe statt einem, um ihre Fracht zu transportieren.

Roberto Spranzi, Direktor der Schifffahrtsgenossenschaft DTG gegenüber dem ZDF

Baden-Württemberg: Im Neckar besteht wenig Gefahr eines Niedrigwassers

Der Neckar ist ein staugeregelter Fluss, bei dem garantiert wird, dass er immer 280 Zentimeter hat, jedoch ist auch der Wasserpegel des Neckars in letzter Zeit eher niedrig, er beträgt rund zwei Meter. Es besteht also wenig Gefahr, dass der Schiffsverkehr des Neckars eingestellt wird, auf dem hauptsächlich Kohle, Salz und Kies transportiert wird.

Das Kraftwerk in Heilbronn bezieht ebenfalls Wasser aus dem Neckar, sollte es im unwahrscheinlichen Falle also mehr Einschränkungen und Verbote geben, könnte das zu einem Problem für das Kraftwerk werden. Das benötigte Wasser zur Abkühlung des Kraftwerks wäre nicht mehr vorhanden.

Baden-Württemberg: Fehlender Regen in 2022 und Hitze sorgen für Probleme überall

Auch der Bodensee hat extreme Wassermängel, der Wasserpegel betrug am Montag 316 Zentimeter, das sind 90 Zentimeter weniger als für diese Jahreszeit üblich. Nach den Zahlen des LUBW (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg) fielen in Baden-Württemberg von Januar bis Juli nur rund 70 Prozent des Niederschlags, der im langjährigen Mittel (1961-1990) für diesen Zeitraum üblich ist. Auch Algen breiten sich aus und die Hitze macht den Fischen zu schaffen.

Regen ist in nächster Zeit nicht in Sicht und deshalb ist die letzte Hoffnung ein wenig Abkühlung zum Ende des Monats auch schon hinüber. Steigende Wasserpegel würden nicht nur Mensch und Tier entlasten, sondern auch die gesamte Wirtschaft Deutschlands.

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