Corona-Regeln wurden missachtet

Krawalle in Heidelberg: Stadt und Polizei greifen jetzt knallhart durch

Zahlreiche Polizisten auf der Neckarwiese
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Heidelberg: Nach den schweren Ausschreitungen in der Nacht auf der Neckarwiese waren Hundertschaft der Polizei im Einsatz.
  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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    Julia Cuprakowa
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In Heidelberg greifen Stadt und Polizei nach den Krawallen nun hart durch. Die Ermittlungsarbeit gestaltet sich als schwieriges Puzzle.

Update, 27. Mai: Nach den Ausschreitungen an der Neckarwiese in Heidelberg arbeitet die Polizei akribisch an der Aufklärung der Krawalle. Gemeinsam mit der Stadtspitze wurden zudem drastische Maßnahmen beschlossen, um weitere Vorfälle dieser Art verhindern zu können. Das teilte die Polizei Heidelberg am gestrigen Mittwoch mit.

Für die Polizei steht derweil „intensive Ermittlungsarbeit“ an, wie echo24.de* berichtet. Inzwischen wurde hierfür eine Ermittlungsgruppe gebildet. Diese habe vor allem auch die sozialen Medien im Blick, hieß es in der Mitteilung. Die Randalierer hatten dort zum Teil selbst Videos und Fotos mit „aufschlussreichen Hinweisen auf die Identitäten der Störer“ veröffentlicht.

Heidelberg: Nach Neckarwiesen-Krawall - so aufwendig ist Polizeiarbeit

Während die Beamten nun wegen schweren Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Sachbeschädigung ermitteln, sichten sie auch dieses Material. Außerdem hofft die Polizei auf die Mithilfe von Zeugen. Diese können sich mit sachdienlichen Hinweisen entweder direkt bei der Kriminalpolizei Heidelberg unter 0621/174-4444 oder bei jeder anderen Dienststelle der Polizei melden.

Außerdem gibt es ein Portal für anonyme Hinweise (Link führt direkt zum Portal, Anm. d. Red.). „Hier können Zeugen zugesichert anonym Hinweise bezüglich Tatverdächtiger oder beobachteter mutmaßlicher Straftaten abgeben. Auch das anonyme Einsenden von Video- oder Fotomaterial ist über das Hinweisportal möglich“.

Heidelberg: Aufenthaltsverbot für Neckarwiese - Stadt und Polizei greifen durch

Parallel zur Aufarbeitung arbeiten Stadt und Polizei in Heidelberg auch an der Prävention. Ab dem heutigen Donnerstag, 27. Mai, gilt deshalb ein nächtliches Aufenthaltsverbot auf der Neckarwiese. Es soll sich künftig „an der über die Corona-Verordnung geregelten Schließzeit für die Gastronomie orientieren“. Die Stadt Heidelberg hat hierzu bereits eine Allgemeinverfügung erlassen.

Allgemeinverfügung der Stadt Heidelberg zu nächtlichem Aufenthaltsverbot auf der Neckarwiese

Wann? Das nächtliche Aufenthaltsverbot gilt von Donnerstag, 27. Mai, bis Montagfrüh, 31. Mai sowie von Mittwoch, 2. Juni bis Montagfrüh, 7. Juni. Aktuell beginnt das Verbot um 21 Uhr und endet um 6 Uhr (Stand: 27. Mai). Sollte die Stadt den zweiten Öffnungsschritt der Corona-Verordnung durchführen dürfen, wäre der Start um eine Stunde nach hinten auf 22 Uhr verschoben.

Wo? Das nächtliche Aufenthaltsgebot gilt für den Bereich von der Ernst-Walz-Brücke bis rund 500 Meter östlich der Theodor-Heuss-Brücke. Es gilt zudem auch für die Kastanienallee.

Was ist verboten? Das Verbot gilt für „jegliches Niederlassen, Lagern oder Verweilen im Geltungsbereich“. Auch auf den Bänken darf man im genannten Zeitraum nicht mehr sitzen.

Was ist erlaubt? Wie das Wort schon sagt, ist vom Verbot ausschließlich der Aufenthalt betroffen. Joggen, spazieren und mit dem Hund Gassi gehen, darf man aber auch weiterhin auf der Neckarwiese.

Darüber hinaus wird die Stadt auch individuelle Aufenthaltsverbote für Neckarwiese und Altstadt aussprechen. Sie gelten für all diejenigen, die die Polizei im Zusammenhang mit den Ausschreitungen über Pfingsten bereits kontrolliert hat.

Heidelberg: Ausschreitungen auf Neckarwiese waren „Krawalltourismus“

Erschreckend dabei: Offenbar kam ein Großteil der Randalierer gar nicht aus Heidelberg selbst, sondern reiste „aus einem weiten Umkreis“ an. Wohl bereits mit der Absicht, für Stress zu sorgen. Heidelbergs Ordnungsbürgermeister Wolfgang Erichson spricht in diesem Zusammenhang explizit von „Krawalltourismus“.

Unsere Botschaft ist ganz klar: Stadt und Polizei dulden keinen Krawalltourismus.

Heidelbergs Ordnungsbürgermeister Wolfgang Erichson

„Solche Szenen wie am Pfingstwochenende sind inakzeptabel. Das hat auch nichts mit Feiern zu tun - wer Polizisten angreift und blindwütig randaliert, begeht Straftaten. Wir werden nicht zulassen, dass sich solche Zustände wiederholen“ lautet dementsprechend die eindeutige Botschaft.

Nach Krawallen in Heidelberg: Maßnahmen auf Neckarwiese richten sich nicht gegen friedliche Feierer

Eines wolle man aber genauso deutlich sagen: „Unsere Maßnahmen richten sich nicht gegen solche, die einfach nur feiern wollen, sondern gegen Krawallmacher und Straftäter.“ Wegen denen sei man „mit starken Kräften“ präsent. Unter anderem eine Reiterstaffel soll vor Ort sein, um Verstöße und Straftaten zu verhindern - oder im schlimmsten Fall „mit aller Härte und Konsequenz“ zu verfolgen, erklärte der aktuelle Leiter der Polizeipräsidiums Mannheim, das in Heidelberg zuständig ist, Siegfried Kollmar.

Erichson betonte zudem, dass im Zweifelsfall auch weitere Schritte ergriffen würden. So sei beispielsweise ein Alkoholverbot für die Neckarwiese denkbar.

Heidelberg: Krawalle nach Mega-Feier auf Neckarwiese

Erstmeldung, 25. Mai: Ein bisschen Sonne tanken oder nach einer langen Corona-Zwangspause bei einem Einkaufsbummel entspannen. In Heidelberg und anderen Regionen Baden-Württembergs sinken derzeit die Inzidenzen* .Deswegen konnten die Menschen am verlängertem Pfingstwochenende die ersten Lockerungen der Corona-Notbremse* genießen, wie echo24.de* berichtet. Dabei hielten sich die meisten Menschen an die Regeln - doch längst nicht alle.

Vor allem in Heidelberg übertrieben es einige mit der Feierstimmung: Hunderte Menschen feierten dort am Pfingstwochenende, weil Inzidenzen und das Wetter in Baden-Württemberg* es endlich zuließen - bis die Stimmung kippte und die Polizei einschreiten musste.

Ausschreitungen in Heidelberg: Hunderte Menschen feiern und randalieren auf Neckarwiese - Angriffe auf Polizei

Alle Hände voll zu tun hatte die Polizei am Wochenende in Heidelberg, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Denn: Am frühen Samstagabend versammelten sich im Zentrum zunächst bis zu rund 400, auf der Neckarwiese weitere bis zu 1.000 überwiegend junge Menschen zum Feiern. Gegen 23.30 Uhr sei die Stimmung schließlich gekippt. So sollen die Menschen zunehmend betrunken und aggressiv gewesen sein, berichtete die Polizei. Schließlich musste die Polizei gegen ein Uhr Nacht wegen zu lauter Musik auf der Neckarwiese dann eingreifen.

Dutzende Menschen weigerten sich aber auch Stunden später noch zu gehen und fingen zu randalieren an, wie die Polizei mitteilte. Parkbänke, ein Verkaufsstand und ein Corona-Testzelt sowie acht Autos der Polizei wurden beschädigt, drei Beamte verletzt, wie es weiter hieß. Rund 300 Menschen hätten die Randalierer zudem lautstark angefeuert. Die Polizei nahm danach die Personalien von 67 Menschen auf.

Nach Randale in Heidelberg: Aufenthaltsverbot auf Neckarwiese - Oberbürgermeister schockiert

Eine Nacht später mussten die Beamten wieder ausrücken, weil erneut Hunderte Menschen zum Feiern in Heidelberg* zusammengekommen waren, wie heidelberg24.de auch bereits berichtete. Da sich die etwa 400 überwiegend jungen Menschen auch nach Aufforderung nicht an die Corona-Regeln hielten, wurde die Neckarwiese geräumt. Die betrunkenen und teils aggressiven Feiernden seien der Aufforderung nur widerwillig nachgekommen, hieß es seitens der Polizei. Auch in der Altstadt seien immer wieder größere Gruppen aufgelöst worden.

Um die Randale in den Griff zu bekommen, reagierte die Stadt mit einem kurzfristigen Aufenthaltsverbot auf der Neckarwiese in Heidelberg für die Nacht zum Dienstag und warnte, es werde ein Großaufgebot an Polizei und Ordnungskräften im Einsatz sein.

Wir sind schockiert über das Ausmaß an Gewaltbereitschaft und inakzeptablem Verhalten, das wir an den Pfingsttagen in Heidelberg gesehen haben.

Oberbürgermeister Eckart Würzner

Wegen der Ausschreitungen wird nun wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt, teilten die Beamten abschließend mit. *echo24.de und *heidelberg24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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