Landgericht Heidelberg

Explosionen bei Lidl und Capri-Sun: Mutmaßlicher Paketbomber (66) muss vor Gericht

  • Peter Kiefer
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Heidelberg - Fast 7 Monate nach den Explosionen zweier Paketbomben bei Lidl und ADM WILD muss sich der mutmaßliche Täter vorm Landgericht verantworten. Was dem 66-Jährigen droht:

Update vom 11. August: Der mutmaßliche Paketbombenattentäter aus Ulm muss sich bald vor dem Landgericht Heidelberg verantworten. Die Verhandlung beginne am 8. September, teilte eine Sprecherin des Landgerichts am Mittwoch mit. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg wirft dem 66-Jährigen das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung vor. Ihm droht den Angaben zufolge eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren. Der Elektriker sitzt in Untersuchungshaft. Über den Prozessauftakt hatte zuerst die „Südwest Presse“ berichtet.

Die Serie der explosiven Postsendungen hatte am 16. Februar in Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) begonnen. Dort war in der Warenannahme des Getränkeherstellers ADM Wild ein Mann durch eine Verpuffung verletzt worden, als er ein Paket annahm. Am Folgetag kam es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) zu einer Explosion mit drei Verletzten. Ein drittes Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm adressiert war, wurde in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen und entschärft.

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Staatsanwaltschaft Heidelberg: Explosionen bei Lidl und Capri-Sun – Anklage gegen Paketbomber (66)

Erstmeldung vom 25. Mai: Jetzt muss er sich für seine unfassbaren Taten verantworten! Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat nach umfangreichen Ermittlungen Anklage gegen den 66 Jahre alten Mann aus dem Raum Ulm erhoben, wie die Behörde am Dienstag (25. Mai) mitteilt. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 15. Februar 2021 drei mit Sprengsätzen versehene Postsendungen an Unternehmen der Lebensmittelbranche verschickt zu haben.

Rückblick: Die beiden durch Sprengsätze verursachten Explosionen in den Zentralen von ADM WILD (Produzent von „Capri-Sun“) am 16. Februar und bei Lidl in Neckarsulm tags drauf am 17. Februar verletzten insgesamt vier Menschen. Eine dritte Briefbombe, die an Babynahrungshersteller Hipp in Pfaffenhofen adressiert war, konnte glücklicherweise im Paketverteilerzentrum am Münchner Flughafen abgefangen und entschärft werden, bevor sie Schaden anrichtet.

Mit diesem Fahndungsfoto suchte die Staatsanwaltschaft nach dem Mann, der in einer Ulmer Postannahmestelle die Sprengsätze an Lidl, ADM WILD und Hipp verschickt.

Obwohl seit 19. Februar ein dringend tatverdächtiger Mann (66) aus dem Raum Ulm in U-Haft in der JVA Mannheim saß, hatten sich Staatsanwaltschaft Heidelberg und die Soko des LKA Baden-Württemberg am Freitag (12. März) mit einer neuerlichen Fahndung an die Öffentlichkeit gewandt, wie HEIDELBERG24* berichtet.

Staatsanwaltschaft Heidelberg: So bastelte der Rentner seine Paketbomben

Die mit sehr großem Umfang geführten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, bei welchem eine Sonderkommission mit zeitweise über 100 Beamten, auch aus den Reihen der tatörtlichen Polizeipräsidien Heilbronn, Mannheim und Ulm, angesiedelt war, führten bereits am 19. Februar zur Festnahme des nunmehr Angeschuldigten.

Ein verdächtiges Paket bei ADM Wild in Eppelheim hat am 16. Februar 2021 einen Großeinsatz ausgelöst.

Nach dem vorliegenden Ergebnis der Ermittlungen soll der verrentete Elektriker die Sprengvorrichtungen selbst gebaut und mit dem Motiv an die genannten Unternehmen abgeschickt haben, von diesen unter Drohung mit weiteren Gewalttaten zum Nachteil ihrer Mitarbeiter und/oder Kunden die Zahlung von Geld zu erzwingen. Als Sprengstoff soll ihm eine aus dem Abschaben von Zündholzköpfen gewonnene Masse gedient haben.

Staatsanwaltschaft Heidelberg: Diese Straftaten werden dem Beschuldigten vorgeworfen

Dabei soll der Angeschuldigte jedenfalls in Kauf genommen haben, dass beim Öffnen der Pakete die damit befassten Personen durch die Explosion verletzt würden. Insbesondere soll er damit gerechnet haben, dass durch die Detonation wichtige Organe im Gesichtsbereich dauerhaft beeinträchtigt und Teile der Hände, insbesondere Finger, durch die Explosion so stark verletzt würden, dass sie nicht mehr gebrauchsfähig sind, wie dies typischerweise beim Öffnen von Brief- und Paketbomben passieren kann.

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat daher unter anderem wegen der Straftatvorwürfe des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der gefährlichen Körperverletzung und der versuchten schweren Körperverletzung Anklage zur Großen Strafkammer des Landgerichts Heidelberg erhoben. Die vorliegend schwerste Strafdrohung des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sieht für den einzelnen Fall Freiheitsstrafe von einem bis zu 15 Jahren vor. Der nunmehr Angeschuldigte befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft.

Wer erkennt die Person, in einer Ulmer Postannahmestelle die Sprengsätze an Lidl, ADM WILD und Hipp verschickt hat?

Die zuständige Große Strafkammer des Landgerichts Heidelberg hat nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Anberaumung der Verhandlungstermine zu entscheiden. (PM/pek) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christine Cornelius/dpa; LKA Baden-Württemberg

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