Krankheitsverlauf und Symptome

Virus verbreitet sich in Baden-Württemberg – gibt‘s die nächste Epidemie?

  • Lisa Klein
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  • Melissa Sperber
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Das Hantavirus breitet sich in Baden-Württemberg aus – das Landesgesundheitsamt rechnet mit einem Epidemiejahr. Doch was ist das Hantavirus und wie wird es übertragen?

Fuchsrotes Fell, ein grauer oder weißer Bauch, lange schwarze Haare am Schwanz, kleiner als eine Hausmaus: Die Rede ist von der Rötelmaus, auch Waldwühlmaus genannt. Sie ist eines der am häufigsten vorkommenden Säugetieren in Mitteleuropa und auch in den deutschen Wäldern beheimatet. Die Rötelmaus ist niedlich anzusehen, doch der kleine Nager sollte nicht unterschätzt werden – denn die Maus kann durch ihren Kot ein für den Menschen gefährliches Virus übertragen, welches aktuell in Baden-Württemberg im Umlauf ist: das Hantavirus.

Das Landesgesundheitsamt (LGA) rechnet in Baden-Württemberg erneut mit einem Hantavirus-Epidemiejahr. Seit Jahresbeginn wurden der Behörde bereits 894 Fälle im Südwesten gemeldet. Im letzten Hantavirus-Epidemiejahr 2019 seien es insgesamt 833 Fälle gewesen, teilte das Regierungspräsidium Stuttgart mit. „In Baden-Württemberg treten Hantavirus-Infektionen regelmäßig auf – aufgrund der aktuellen Zahlen wird 2021 wohl ein starkes Hantavirus-Jahr werden“, sagte Regierungspräsident Wolfgang Reimer (Grüne).

Nach Angaben der Stadt Heilbronn sind in diesem Jahr bislang zwei Hantavirus-Infektionsfälle dem Städtischen Gesundheitsamt gemeldet worden. Im Jahr 2020 gab es im Stadtkreis Heilbronn einen Fall, im Jahr 2019 waren es drei Infektionen mit dem Hantavirus.

Hantavirus in Baden-Würtemberg: LGA spricht von einem Epidemiejahr 2021

Doch warum ist das Jahr 2021 ein Hantavirus-Epidemiejahr? Die Maus frisst hauptsächlich Bucheckern. Wegen einer Buchenmast im vergangenen Herbst hatten die Nager gute Nahrungsbedingungen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Dadurch konnte sich die Rötelmaus stark vermehren und das Virus sich ausbreiten. Betroffen sind deshalb vor allem Regionen mit erhöhtem Buchenwaldanteil. Die meisten Fälle im Land gab es in diesem Jahr bislang (Stand: 16. Juni) im Kreis Reutlingen (152), im Kreis Heidenheim (88) und in Stuttgart (83).

 „Eine Hantavirus-Infektion sollte ernst genommen werden, da sie das Risiko schwerer Verläufe birgt, auch wenn der überwiegende Teil der Infektionen in der Regel unbemerkt oder sehr leicht verläuft. Macht sich die Krankheit bemerkbar, sind die Symptome ähnlich einer Grippe“, teilte LGA-Leiter Gottfried Roller mit.

Epidemiejahr in Baden-Württemberg: Wie wird das Hantavirus übertragen?

Doch wie genau funktioniert eine Übertragung mit dem Hantavirus? Das Hantavirus kann von der Rötelmaus auf den Menschen übertragen werden. Menschen können sich anstecken, wenn sie Speichel, Kot oder Urin von infizierten Nagetieren einatmen – etwa bei Wald- und Gartenarbeiten. Im Laufe der Zeit zerfällt nämlich der Kot zu Staub - und schon schnellere Schritte bei einem Waldspaziergang genügen, um ihn aufzuwirbeln. Wird der Staub eingeatmet, können die Hantaviren über die Lunge ins Blut gelangen. 

Die Viren selbst können mehrere Wochen in der Umwelt überleben. Das bedeutet: Ein direkter Kontakt mit einem infizierten Nager ist nicht notwendig, um zu erkranken. Rund zwei Wochen nach der Infektion bricht die Krankheit dann aus, häufig beginnt sie mit Grippesymptomen und starken Kopfschmerzen.

Eine Absonderung ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) von erkrankten Personen nicht erforderlich – da eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung von Hantaviren bei den in Europa und Asien verbreiteten Virustypen nicht stattfindet. Die Erkrankung mehrerer Personen aus dem gleichen Wohn- oder Arbeitsumfeld lässt auf eine gemeinsame Infektionsquelle, insbesondere Mäuseexposition, schließen, die verfolgt und intensiv bekämpft werden sollte. Eine Erkrankung an dem Hantavirus ist meldepflichtig, das Gesundheitsamt muss informiert werden.

Symptome des Hantavirus: So verläuft die Krankheit

Wer am Hantavirus erkrankt, hat in der Regel schwere grippeähnliche Symptome wie beispielsweise hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts kann es in einer darauffolgenden Krankheitsphase zu Blutdruckabfall und schließlich Nierenfunktionsstörungen bis zum akuten Nierenversagen kommen – was im schlimmsten Fall sogar tödlich enden kann. Aber nicht jeder, der sich mit dem Hantavirus infiziert, hat auch Symptome – genauso wie beim Coronavirus.

Winzig aber höchst gefährlich: Eine Hantavirus-Infektion kann für den Menschen lebensbedrohliche Folgen haben.

Bei Verdacht auf eine Infektion sollte unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden. Normalerweise ist eine Infektion durch das Hantavirus gut behandelbar und die Symptome können durch Medikamente gelindert werden. Auch Spätfolgen treten in der Regel nicht auf. Trotzdem: Unbehandelt kann die Krankheit lebensgefährlich sein.

Wie kann sich vor einer Infektion mit dem Hantavirus geschützt werden?

Umso wichtiger ist also der Schutz vor einer Infektion mit dem Hantavirus. In dem letzten Hantavirus-Epidemiejahr 2019, hat Manfred Körner, damaliger Pressesprecher des Landratsamt Heilbronn, empfohlen, sich an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu halten. Das RKI gibt unter anderem folgende Tipps:

  • Lebensmittel und auch Abfall unzugänglich für Nager aufbewahren.
  • Tierfutter und Wasser nicht über Nacht offen stehen lassen.
  • Essensreste und tierische Abfälle nicht auf den Hauskompost geben.
  • Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten für Nager beseitigen – auch mögliche Zugänge zum Haus verschließen.
  • Wenn beim Aufräumen in Garagen oder Schuppen Mausekot gefunden wird: Mundschutz und Handschuhe tragen und alle betroffenen Flächen gründlich und nass mit Haushaltsreiniger reinigen.

„Aktuell stehen weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezifische antivirale Therapie zur Verfügung“, heißt es auf der Seite des Robert-Koch-Instituts. Der wirksamste Schutz vor Infektionen besteht also im Vermeiden von Kontakten mit den Ausscheidungen von Nagetieren.

Rubriklistenbild: © dpa

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