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Ravensburger zieht Winnetou-Buch zurück - wegen kultureller Aneignung

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Von: Sina Alonso Garcia

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Winnetou-Bücher
Cover des Buches „Der junge Häuptling Winnetou - Das Buch zum Film“ aus dem Ravensburger Verlag. © Verlag Ravensburger/dpa/Handout

Aufgrund von Rassismus-Vorwürfen hat der Ravensburger Verlag Bücher über den „jungen Häuptling Winnetou“ aus dem Sortiment gestrichen. Im Netz sorgt die Entscheidung für Unverständnis und Kritik.

Ravensburg - Seit dem 11. August läuft in den Kinos eine deutsche Neuadaption von Karl Mays Klassiker Winnetou: „Der junge Häuptling Winnetou“. Passend zum Film hatte der Ravensburger Verlag ein Buch für Kinder ab acht Jahren, ein Erstleserbuch, ein Puzzle sowie ein Stickerheft auf den Markt gebracht. Inzwischen hat Ravensburger die Produkte zurückgezogen. Der Grund: Vorwürfe von Rassismus und kultureller Aneignung.

„Wir haben die vielen negativen Rückmeldungen zu unserem Buch verfolgt und haben heute entschieden, die Auslieferung der Titel zu stoppen und sie aus dem Programm zu nehmen“, schreibt der Ravensburger Verlag auf Instagram. „Euer Feedback hat uns deutlich gezeigt, dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben. Das war nie unsere Absicht und das ist auch nicht mit den Ravensburger Werten zu vereinbaren.“

Ravensburger Verlag nimmt Winnetou-Produkte vom Markt - das Netzt tobt

Wie der Verlag betont, habe man mit der Veröffentlichung der Winnetou-Bücher einen Fehler gemacht. Obwohl sich die Redakteure bei Ravensburger nach eigenen Angaben intensiv mit Themen wie Diversität oder kultureller Aneignung beschäftigen und sogar Fachberater zurate ziehen, sei es bei den Winnetou-Titeln nicht gelungen, sensible Themen ausreichend zu prüfen.

„Die Entscheidung, die Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen“, versichert der Verlag. Auf Instagram sorgt das Statement für Unverständnis. „Euer Ernst?“, schreibt eine enttäuschte Nutzerin. „Ihr produziert Kinderbücher für einen Kinderfilm und stampft das Zeug jetzt ein, weil ein paar hysterische Kommentare von Leuten kommen, die den Film vermutlich gar nicht gesehen haben? Geschweige denn, mal ein Karl-May-Buch gelesen? Wo habt ihr euer Rückgrat gelassen?“ Sie selbst habe den Film zusammen mit ihren Kindern gesehen. „In dem Film geht es um Freundschaft, Respekt und Toleranz. Letztere scheint heute abhanden gekommen zu sein.“

Neuer Winnetou-Film erhielt zuletzt das Prädikat „besonders wertvoll“

Auch zahlreiche andere Nutzer können die Entscheidung des Ravensburger Verlags nicht nachvollziehen. „Also wirklich, diese Supermoralisten müssen immer alles in den Schmutz ziehen“, schreibt ein verärgerter User. „Es ist ein Kinderfilm und Buch und keine politische Einstellung.“ Neben Nutzern im Netz diskutieren auch Fachkreise über das Thema. Bevor die Kritik an Ravensburger hochkam, war zunächst eine Debatte über die Winnetou-Neuverfilmung entbrannt. Die Anschuldigung auch hier: Der Film bediene rassistische Vorurteile und nutze eine kolonialistische Erzählweise.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW), die Filme auf ihre Qualität hin begutachtet, hatte zuvor eine gespaltene Meinung zu dem Winnetou-Film veröffentlicht. Einige Jurymitglieder halten es demnach heute für nicht mehr zulässig, einen Film „im Geist der mythisch aufgeladenen und sehr klischeehaft darstellenden Karl-May-‘Folklore‘ zu realisieren“. Ein Großteil der Jury fand den Film hingegen gut und verwies darauf, dass Karl May seine Erzählungen aus seiner Fantasie geschrieben habe. Es sei schlichtweg ein „absolut klischeehaftes“, märchenhaftes Bild der indigenen Völker, das in dieser Darstellung durchaus legitim sei. Der Film erhielt letztlich sogar das Prädikat „besonders wertvoll“.

Kulturelle Aneignung: Debatte kocht immer wieder hoch - Beispiel Fridays for Future im März 2022

Der Fall Winnetou ist nicht der erste, über den in Deutschland in Hinblick auf eine mögliche kulturelle Aneignung diskutiert wird. So sorgte etwa eine Entscheidung von Fridays for Future im März 2022 für Wirbel: Die Klimaschutz-Aktivisten luden damals eine Musikerin von einer Demo aus, da sie als weiße Frau Dreadlocks trug. Im Zuge der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten trugen Afroamerikaner Dreadlocks-Frisuren bewusst als Ausdruck ethnischen Stolzes. In den Augen der Fridays-for-Future-Bewegung hatte die Musikerin deshalb eine Grenze überschritten. Wie man kulturelle Aneignung vermeiden kann, erklärt eine TikTokerin auf ihrem Kanal.

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