Satte 1,6 Millionen Euro stehen einfach nur rum

So verstauben Millionen Euro: Ministerien streiten um Großraum-Rettungswagen

Setra Bus wird zum Krankenwagen mit vier Intensivbetten.
+
Der Intensivbus ist nicht der erste Spezialumbau von Daimler im Kampf gegen das Coronavirus.
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
    schließen

Millionen Investition verstaubt. Baden-Württembergisches Sozialministerium und das Innenministerium streiten um Zuständigkeit.

Innovativ sollte es sein. Ist es auch. Allerdings verstaubt ein vom baden-württembergischen Sozialministerium fürs Deutsche Rote Kreuz (DRK) gekaufte Großraum-Rettungswagen in einer Halle in Ulm. Laut SWR ohne Zulassung und ohne einen einzigen Einsatz. Mit ihm steht damit auch eine satte Millionen-Investition in der Gegend rum.

Millionen teurer Großraum-Rettungswagen verstaubt ohne Zulassung

Satte 1,6 Millionen Euro im Stillstand. Die Großraum-Rettungswagen sind ein gemeinsames Projekt von Daimler Buses und dem DRK Heidenheim-Ulm. Das Besondere, jeder dieser Wagen kann vier Krankenwagen ersetzen. Dafür wurde ein ehemaliger Überlandlinienbus Mercedes-Benz Citaro mit vier Intensivbetten ausgerüstet. Dazu kommen Blutgas-Analysegerät, Beatmungsgeräte und Überwachungsmonitore.

Bitter! Die rollende Intensivstation wäre eigentlich auch für die Verlegung von Corona-Patienten vorgesehen. Wie wichtig dieser Wagen wäre und wie gut der Einsatz funktionieren kann, zeigt ein erstes Modell aus dem Jahr 2020 dieses Großraum-Rettungswagens. Wie der SWR schreibt, konnten so bereits 70 Covid-19-Patientinnen und -Patienten sind zum Teil über lange Strecken transportiert werden.

Ministerien im Streit um Zuständigkeit für Großraum-Rettungswagen

Für Manfred Lucha (Grüne), Sozialminister Baden-Württemberg, sollte mit dem ersten Großraum-Rettungswagen eine neue Strategie starten. Er erklärte im vergangenen Jahr dazu: „Ob das nicht generell ein Konzept ist auch für die Zukunft, wie wir noch besser mit der Mischung aus Transport und Versorgung agieren können.“ echo24.de* berichtete über die Anfänge der neuen Fahrzeuge*.

Doch jetzt ist das Projekt erst mal unsanft ins Stocken geraten. Wie der Bericht aufzeigt, hängt der weitere Erfolg zwischen zwei Ministerien fest. Die Bürokratie-Bremse greift. Finanziert wird der Bus durch das Sozialministerium. Eingesetzt werden soll er beim Rettungsdienst. Für den Rettungsdienst ist aber wiederum das Innenministerium zuständig. Hier sieht man es allerdings wieder ganz anders. Zuständig sei man erst dann, wenn die Großraum-Rettungswagen nach Ende der Pandemie „in die technische Ausstattung des Katastrophenschutzes aufgenommen und dort für Einsätze eingebunden werden“.

Großraum-Rettungswagen: Alle Pläne liegen auf Eis

Die Millionen Verfehlung soll also beim Sozialministerium liegen. Schließlich hatte man hier laut Innenministerium die beiden Großraum-Rettungswagen auf Eigeninitiative angeschafft und wollte sie „ausdrücklich zur Verwendung in der Pandemie“ einsetzen. Darum soll die Zulassung auch bei diesem Ministerium liegen.

Alle Pläne liegen auf Eis: Der neue Bus sollte inzwischen eigentlich in Ulm eingesetzt werden, der erste Großraum-Rettungswagen hätte dann nach Mannheim ans dortige DRK gehen sollen. Nichts geht mehr. Der Ausgang ungewiss. Wann die 1,6 Millionen Euro über die Straße rollen können bleibt abzuwarten.

Versagen bei Planung mit Großraum-Rettungswagen

Bei all dem Hin und Her lässt die deftige Kritik aus der Opposition in Baden-Württemberg nicht lange auf sich warten. Der gegenüber dem SWR äußert sich  Sascha Binder, Generalsekretär der Landes-SPD, sehr deutlich: „In einer solchen Krise, in der wir uns befinden, ist es katastrophal. Deshalb sollte endlich klar sein, wer für was zuständig ist, in dieser Landesregierung.“ *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema