Gendern in der Schule

Gender-Sternchen: Lehrkräfte sollen mit Schülern Schreibweise vereinbaren

Der Bundespolizist Manfred Ludwig hält in einer Fünften Klasse der Grund- und Mittelschule einen Vortrag.
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Gendergerechte Sprache ist auch in Schulen im Land ein Thema. (Symbolbild)
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Ob die geschlechterneutrale Form auch an Schulen verwendet werden soll, wird aktuell heiß diskutiert. Baden-Württembergs Kultusministerin erklärt, was für Schüler im Land beim Thema Gendern bislang gilt.

Stuttgart - Beim Thema Gendern scheiden sich die Geister. Die einen tun es selbstverständlich, die anderen sind von der Sternchen-Form genervt und halten sie für sperrig. Auch Schulen sind von der Debatte zur Geschlechter-Schreibweise nicht ausgenommen. Sollen Schüler das Gender-Sternchen in Aufsätzen verwenden? Dazu hat sich das Kultusministerium Baden-Württemberg* geäußert (BW24* berichtete).

„Es ist gut, wenn Schülerinnen und Schüler in der Schule für geschlechterneutrale Sprache sensibilisiert werden“, sagt Kultusministerien Theresa Schopper (Grüne) gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Deshalb sei das Thema Geschlechtergerechtigkeit auch im Bildungsplan der baden-württembergischen Landesregierung* verankert. „Und gut ist es auch, wenn Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Schreibweise bezüglich der Sonderformen beim Gendern vereinbaren.“

Gendern in der Schule: Amtliches Regelwerk rät bislang nicht dazu

Gleichzeitig betonte Schopper, dass es den Schulen im Land selbst überlassen sei, ob sie Genderzeichen wie das Sternchen in Aufsätzen und Prüfungen zulassen. Laut der Stuttgarter Zeitung orientieren sich Schulen im Land bei der Vermittlung von Sprache nach wie vor am Amtlichen Regelwerk für die deutsche Orthografie. Das empfiehlt die Aufnahme von Gendersternchen, Doppelpunkt und Co. bisher nicht. Auch in Schulbüchern taucht die geschlechterneutrale Form nicht auf.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne)* steht dem Gendern, entgegen seiner parteiinternen Linie, skeptisch gegenüber. So sprach Kretschmann von einer „Sprachpolizei“*, von der er sich den Mund nicht verbieten lassen wolle. Im Koalitionsvertrag der baden-württembergischen Landesregierung wurde aufs Gendern daher verzichtet.

Gendern in der Schule: „Solche Formen vergewaltigen die Sprache“

Auch ein Sprachwissenschaftler aus Baden-Württemberg positioniert sich klar gegen die geschlechterneutrale Schreibeweise. „Solche Formen vergewaltigen die Sprache“, so Ralf Scholl, Landesvorsitzender des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PHV), gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Das Gendern habe nichts mit dem eigentlichen Ziel der Gleichberechtigung zu tun, es sei eine „Scheindebatte.“ Im Philologenverband wird derzeit noch um eine einheitliche Position gerungen.

Andere Sprachexperten empfehlen wiederum explizit den Einsatz des Gender-Zeichens an Schulen. So erklärte Michael Becker Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch, gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass sich der Sprachgebrauch unabhängig vom Staat entwickle. Vielmehr gehe es um Bedürfnisse von Menschen. Seiner Meinung nach sollten Schulen Gender-Formen zulassen und nicht etwa sanktionieren. Eine Entwicklung der Sprache lasse sich nicht aufhalten. *BW24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

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