Im Dialog mit Querdenkern

Impf-Aufruf auf der Corona-Demo: Freiburger wird für Aktion gefeiert

Gegen-Demonstrant einer Querdenken-Demonstration
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Ähnlich wie dieser Gegen-Demonstrant zieht auch in Freiburg wöchentlich ein Mann mit einem Impf-Aufruf durch die Straßen (Symbolfoto).
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Jeden Samstag demonstrieren in Freiburg Gegner der Corona-Maßnahmen. Seit einiger Zeit mit dabei: Ein Mann, der den Demonstranten widerspricht und zum Impfen aufruft.

Freiburg - Im Südwesten demonstrieren jede Woche Zehntausende Menschen gegen die Corona-Politik* (BW24* berichtete). Auch in Freiburg gehen die Demonstranten jeden Samstag auf die Straße. Seit einiger Zeit mit dabei: Jochen Sautter. Der 59-Jährige läuft mit einem Schild, das zum Impfen aufruft, meist ganz an der Spitze der Protestler, um die maximale Wirkung zu erzielen.

Wie Sautter gegenüber der Badischen Zeitung berichtet, seien die Demo-Teilnehmer genervt von ihm. Von Passanten bekomme er jedoch erleichtertes und erfreutes Feedback. „Viele bedanken sich“, so der IT-Unternehmer. Seine Motivation, sich ganz alleine gegen die Protestwelle zu stellen: „Als manche anfingen, von Diktatur zu sprechen, war ich fassungslos.“ Nun läuft er jede Woche mit dem Schild, auf dem „Impfen= Solidarität“ steht und „Demokratie ist nicht die Herrschaft einer verwirrten Minderheit“ gemeinsam mit Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern durch die Stadt.

Freiburg: Impfbefürworter Jochen Sautter diskutiert mit Verschwörungstheoretikern

Sich als Einzelner mit seiner Meinung gegen eine große Masse zu stellen, ist ungewöhnlich. Vielleicht gerade deshalb erhält Jochen Sautter mit seiner Aktion im Netz viel Resonanz. Über tausend Menschen gaben dem Bericht über ihn einen Daumen nach oben und teilten den Beitrag. Eine ähnliche Aktion startete erst kürzlich auch ein Mann in Karlsruhe, der Querdenker zum Impfen aufrief* und sie mit einem kurzen Redebeitrag bloßstellte.

Wenn Sautter mit seinem Schild auf der Demo mitläuft, kommt er ab und zu ins Gespräch mit Teilnehmern. Diese würden dann zum Teil Verschwörungstheorien über Bill Gates* teilen, vom „Great Reset“ sprechen oder jüdische Namen wie Rockefeller, Soros oder Rothschild nennen. Eine irre Verschwörungstheorie, die unter Querdenkern ebenfalls kursiert*: Impfmücken, die von der Regierung gezüchtet wurden, würden angeblich Impfstoff injizieren.

Jochen Sautter: Dialog mit Querdenkern rau, aber immerhin redet man

Insgesamt empfindet Sautter die Diskussionen mit den Querdenkern oft als rau. Inhaltlich komme man nicht zueinander. Gleichzeitig bedanke man sich aber am Schluss auch manchmal dafür, überhaupt miteinander geredet zu haben und hätte sich sogar ab und an noch einen schönen Abend gewünscht.

Zahlreiche Leser der Badischen Zeitung reagierten in der Kommentarspalte des Artikels sehr positiv auf Sautters Aktion. „Ein Dank an Herrn Sautter für seine gelungene Aktion“, schreibt ein Leser. „Ich hoffe ja, dass irgendwann einige merken, mit was für einem Quatsch sie sich identifiziert haben.“ Auch andere sprechen ihr Lob aus. „Chapeau für Ihre gelungene Aktion, vor allem für Ihren Mut und Ihre große Geduld, mit den Demonstranten auch noch lange zu diskutieren - diese hätte ich persönlich ehrlich gesagt nicht“, meint jemand.*BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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