Neue Corona-Verordnung in Baden-Württemberg

FFP2-Maske in BW ein Muss oder eine Empfehlung? Neue Verordnung verwirrt 

  • Lisa Klein
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Ein Absatz in der neuen Corona-Verordnung sorgt für Verwirrung: Gibt es in Baden-Württemberg nun eine FFP2-Maskenpflicht oder ist es eine Empfehlung zum Tragen?

Die Corona-Verordnung in Baden-Württemberg wurde verschärft – die neuen Regeln sind bereits unmittelbar nach Weihnachten am 27. Dezember in Kraft getreten. Neben weiteren Kontaktbeschränkungen, einer Sperrstunde in der Gastronomie und einer Testpflicht auch für Geimpfte und Genesene sorgt vor allem eine spezielle Formulierung in der neuen Corona-Verordnung für Verwirrung. In puncto Maskenpflicht sind sich viele nicht mehr sicher: Gilt nun eine FFP2-Maskenpflicht in Baden-Württemberg oder handelt es sich nur um eine Empfehlung zum Tragen dieser?

FFP2-Maske in Baden-Württemberg: Pflicht oder nur eine Empfehlung?

Direkt im ersten Absatz auf der Seite des Landes Baden-Württemberg zu den aktuellen Änderungen der Corona-Verordnung zum 27. Dezember 2021 steht: „In Innenbereichen mit Maskenpflicht sollen Personen ab 18 Jahren eine FFP2 oder vergleichbare Maske tragen – beispielsweise KN95-/N95-/KF94-/KF95-Masken. Dies gilt nicht in Arbeits- und Betriebsstätten.“

Für Verwirrung sorgt hier das Wörtchen „sollen“. Auf echo24.de-Nachfrage beim Sozialministerium Baden-Württemberg heißt es, dass es sich ausdrücklich um keine reine Empfehlung handelt: „Mit der ,Soll-Vorschrift‘ wird geregelt, dass in Innenräumen grundsätzlich eine FFP2-Maske oder ein vergleichbarer Standard zu tragen ist“, heißt es vonseiten des Landes. Es besteht also eine FFP2-Masken-Pflicht in Innenbereichen.

„Es muss sich in diesen Fällen um eine Atemschutzmaske handeln, die die Anforderungen des Standards FFP2 (DIN EN 149:2001) oder eines vergleichbaren Standards erfüllt und damit die gleiche Schutzwirkung aufweist, wie z.B. die Standards KN95, N95, KF94 oder KF95. Ein Atemschutz mit einem noch höheren Standard ist natürlich ebenfalls zulässig“, heißt es weiter. Die neue Regel ist lediglich als „Soll“-Regel formuliert, da die FFP2-Maskenpflicht in begründeten Einzelfällen entfällt.

FFP2-Masken sind in Innenräumen zu tragen, es sei denn, dies ist in begründeten Einzelfällen nicht möglich.

Sozialministerium Baden-Württemberg

Aufgrund der kurzfristigen Änderung der Regelung fallen unter die begründeten Einzelfälle laut dem Sozialministerium „insbesondere Beschaffungsprobleme sowie generell auch medizinische Gründe, wonach FFP2-Masken nicht getragen werden können. Weitere Einzelfälle können sich zudem aus den bundesrechtlichen Vorgaben zum Arbeitsschutz ergeben.“ In Arbeits- und Betriebsstätten reichen – solange Arbeitgeber keine andere Bestimmung erlassen – weiterhin medizinische Masken. Das Sozialministerium betont am Ende noch mal: „FFP2-Masken sind in Innenräumen zu tragen, es sei denn, dies ist in begründeten Einzelfällen nicht möglich.“

FFP2-Masken schützen deutlich effektiver als medizinische OP-Masken

So oder so gibt es durchaus gute Gründe, eine FFP2-Maske freiwillig anstelle einer medizinischen OP-Maske in bestimmten Bereichen zu tragen. Denn FFP2-Masken bieten bei der richtigen Tragweise einen extrem hohen Schutz vor einer Corona-Infektion, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Wenn sich ein infizierter und ein gesunder Mensch in einem Innenraum auf kurzer Distanz begegnen, liegt die Ansteckungsgefahr laut Forschern des Göttinger Max-Planck-Instituts durch das Tragen einer FFP2-Maske auch nach 20 Minuten bei 0,1 Prozent. Richtig getragene OP-Masken senken die Infektionsgefahr hingegen auf maximal zehn Prozent.

Voraussetzung sei der korrekte Sitz der FFP2- oder KN95-Maske, schreibt das Team um Institutsdirektor Eberhard Bodenschatz in den Proceedings der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Für optimalen Schutz muss der Nasenbügel demnach zu einem „abgerundeten W“ geformt werden, sodass er seitlich auf die Nasenflügel drückt.

Neue Corona-Verordnung in Baden-Württemberg: Hier gilt die FFP2-Maskenpflicht

Die Corona-Verordnung schreibt also vor, dass eine FFP2-Maske – außer in begründeten Einzelfällen – getragen werden muss. Die Maskenpflicht gilt laut dem Land Baden-Württemberg derzeit unter anderem in folgenden Bereichen:

  • Bei der Nutzung des öffentlichen Personenverkehrs, insbesondere in Eisenbahnen, Straßenbahnen, Bussen, Taxen, Passagierflugzeugen, Fähren, Fahrgastschiffen und Seilbahnen. An Bahn- und Bussteigen, im Wartebereich der Anlegestellen von Fahrgastschiffen und in Bahnhofs- und Flughafengebäuden – in geschlossenen Räumen generell, im Freien, wenn der Abstand von 1,5 Metern zu anderen Personen nicht dauerhaft eingehalten werden kann. Außerdem gilt im ÖPNV die 3G-Pflicht.
  • Im Einzelhandel.
  • Bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen, wie Theater- oder Opernaufführungen, Kinovorführungen, Informations- und Lehrveranstaltungen. Im Freien, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht dauerhaft eingehalten werden kann. 
  • In geschlossenen Räumen, die für die Öffentlichkeit oder für den Publikumsverkehr bestimmt sind.
  • Bei der praktischen und theoretischen Fahr-, Boots, und Flugausbildung, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht dauerhaft eingehalten werden kann. 
  • Für Kunden und Angestellte bei körpernahen Dienstleistungen.
  • Bei Angeboten der beruflichen Bildung im Bereich der gewerblichen Wirtschaft.
  • In Arbeits- und Betriebsstätten sowie Einsatzorten, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht dauerhaft eingehalten werden kann. 
  • In Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben in Gemeinschaftseinrichtungen.
    Auf Messen und Kongressen.
  • In Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Galerien, Museen, Gedenkstätten, Archiven, Bibliotheken und Büchereien. 

Wie bei der Testpflicht für Geimpfte und Genesene gibt es auch Ausnahmen von der Maskenpflicht. Kinder bis einschließlich fünf Jahre sind generell von der Maskenpflicht ausgenommen. Auch im Freien gilt keine Maskenpflicht, wenn der Mindestabstand zu anderen Personen von 1,5 Metern zuverlässig eingehalten werden kann. Im privaten Bereich und bei privaten Feiern gibt es ebenfalls keine Maskenpflicht. Weitere Ausnahmen gelten beim Essen und Trinken sowie bei der Sportausübung.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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