Niedergelassene Ärzte Baden-Württemberg

Digitaler Corona-Impfpass: Hausärzte wollen ihn nicht ausfüllen

Unter den Corona-Impfungen leidet teils die Regelversorgung der Hausärzte.
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Unter den Corona-Impfungen leidet teils die Regelversorgung der Hausärzte.
  • Christina Rosenberger
    vonChristina Rosenberger
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Hausärzte wehren sich - immer mehr Aufgaben werden ihnen in Bezug auf Corona-Impfungen zugeteilt, jetzt ziehen sie einen Schlussstrich.

Die Ärzte dürfen nicht weiter bürokratisch belastet werden. Das fordert jetzt der baden-württembergische Hausärzteverband und wehrt sich somit gegen den geplanten digitalen Impfpass „CovPass“*, den die Bundesregierung bald auf den Weg bringen will. Der Vorwurf: Die Arztpraxen seien bereits durch Anfragen und Impftermine komplett ausgelastet. Wie echo24.de* berichtet, findet Berthold Dietsche, der Landesvorsitzende des Hausärzteverbandes, es unzumutbar, die Impfungen zusätzlich zum gelben Impfpass in ein digitales Dokument einzutragen.

Der bundesweit einheitliche digitale Impfpass* steckt derzeit noch in der Entwicklung und soll im Juni endlich verfügbar sein - dann soll jeder bei der zweiten Impfung automatisch einen QR-Code erhalten, der die Immunisierung beispielsweise bei Restaurantbesuchen, bei Konzerten oder im Zoo schnell, sicher und kontaktlos nachweist.

Doch laut dem baden-württembergischen Hausärzteverband wollen die niedergelassenen Mediziner die Dokumentation nicht übernehmen. „Die Praxen dokumentieren ihre Impfungen im gelben Impfausweis“, machte Verbandschef Berthold Dietsche am Donnerstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) klar.

Digitaler Impfpass Baden-Württemberg: Hausärzte wollen die digitale Impfbestätigung nicht ausstellen

Am kommenden Donnerstag (27. Mai) wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die 16 Länderchefs sich wieder zu einem Impfgipfel treffen. Dann reden sie über alle offenen Fragen zum Thema Impfen - unter anderem ist bisher nämlich völlig unklar, wer die Millionen Impfungen nachdokumentieren soll, die bereits verabreicht wurden und bisher nur im gelben Impfbuch stehen.

Außerdem sind mittlerweile bekanntermaßen auch gefälschte Impfausweise im Umlauf*. Diese können nicht so einfach von einem echten Impfpass unterschieden werden, da keine fälschungssicheren Aufkleber oder eindeutigen Codes verwendet wurden, um die Corona-Impfungen zu dokumentieren. Das macht auch den Nachtrag im digitalen Impfpass problematisch.

Corona-Impfung Baden-Württemberg: Wer stellt künftig den digitalen Impfpass aus?

Auch der stellvertretende Hausärzte Chef, Frank Dieter Braun aus Biberach, ist deshalb genervt. „Wir benötigen die Zeit für unsere Patienten und können nicht noch hoheitliche Aufgaben von anderen Institutionen übernehmen.“ Brauns Argument: „Wenn jemand ein Dokument beglaubigen lassen möchte, kommt er auch nicht auf die Idee, zum Hausarzt zu gehen.“

Unter den Corona-Impfungen leidet teils die Regelversorgung der Hausärzte. Deshalb wollen die niedergelassenen Ärzte in Baden-Württemberg künftige Impfungen auch nicht im digitalen Impfpass vermerken. (Symbolbild)

Derweil besteht unter der Bevölkerung Baden-Württembergs weiterhin großes Interesse an Covid-Impfungen - doch es gibt auch in naher Zukunft noch zu wenig Impfstoff. Deshalb sollen die rund 50 Kreisimpfzentren im Land mindestens bis Mitte August* bestehen bleiben. Ursprünglich hatte die Regierung angekündigt, die Impfzentren zu schließen, sobald die Impfpriorisierung im Juni komplett wegfällt.

Corona-Impfung Baden-Württemberg: Sind Impfzentren die Lösung für den digitalen Impfpass?

Jetzt muss der Landtag noch sein GO geben, die Kreisimpfzentren weiterhin offenzuhalten und es braucht eine vertragliche Vereinbarung mit den Trägern. Das sagt zumindest ein Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart. „Je nach verfügbaren Impfstoffen werden wir die Impfzentren auch im September noch brauchen.“ Und auch niedergelassene Ärzte fordern, die Impfzentren geöffnet zu halten - besonders unter dem Aspekt, dass schon in Kürze die Auffrischungs-Impfungen* anstehen und auch Kinder und Jugendliche schnellstmöglich geimpft werden sollen.

Dann entsteht vermutlich ein noch größerer Impfstoffmangel als bisher - und die Terminvergabe wird noch kritischer. Erst kürzlich hatte Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha* (Grüne) eingeräumt, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Die Terminvergabe über die Telefonnummer 116117 zu regeln, sei im Nachhinein ein „großer Fehler“ gewesen. Es sei schlicht das falsche System gewesen, um einen Mangel verwalten zu können.

Digitaler Impfpass Baden-Württemberg: Lösung beim Impfgipfel in Sicht?

Immerhin: Impftermine bei niedergelassenen Ärzten können mittlerweile besser koordiniert werden, da sich alle Menschen ab 18 Jahren auf der Plattform www.impfterminmanagement.de für eine Corona-Schutzimpfung mit ihren Daten und Impfstoffwünschen registrieren. Knapp 200 Haus- und Facharztpraxen nutzen diese Plattform bereits, um ihre Impfstoffdosen an den Mann oder die Frau zu bringen. Durch diese Initiative sollen besonders Restbestände, abgelehnte Impfstoffe oder geschwänzte Impftermine zuverlässig verbraucht werden, damit sie keine Ladenhüter werden.

Doch für die bürokratisch aufwendigen digitalen Impfpässe gibt es bisher keine einfache Lösung. Die Ärzte sind nicht bereit, diese Dokumentationsarbeit zu übernehmen, die Regierung hat aber auch kein alternatives Angebot. Bleibt abzuwarten, was Kanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der 16 Länder in der kommenden Woche zu dem Thema beschließen - und wann der digitale Impfpass überhaupt auf den Markt kommt. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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