Änderungen in der deutschen Sprache

Städte in BaWü werden berühmt: Stuttgart und Tübingen bald in aller Munde?

Neckarfront in Tübingen
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Im deutschen Diktier-Alphabet könnte es schon bald „T wie Tübingen“ heißen. (Symbolbild)
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    VonLisa Klein
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Stuttgart und Tübingen könnten schon bald an Bekanntheitsgrad dazu gewinnen und in aller Munde sein – denn das Diktier-Alphabet soll überarbeitet werden.

In Deutschland und auch in anderen Ländern wird beim Diktieren gerne zur Buchstabiertafel als Hilfsmittel gegriffen. Aktuell ist das Diktier-Alphabet vor allem geprägt von deutschen Namen – doch das könnte sich schon bald ändern. Denn die Namensliste ist in vielerlei Hinsicht veraltet und soll nun von Grund auf erneuert werden, wie echo24.de* berichtet.

Die DIN 5009 regelt, mit welchen Worten beim Diktieren Buchstaben verdeutlicht werden. Sie wird vor allem in Wirtschaft und Verwaltung genutzt, Rettungsdienste, Polizei oder Luftfahrt sind nicht betroffen. Verpflichtend ist die Nutzung nicht, sie kommt aber in der Ausbildung und in Lehrbüchern vor. Die Buchstabiertafel umfasst 32 Buchstaben und Buchstabengruppen - von A wie Augsburg bis Z wie Zwickau, außerdem „Ch“, „Sch“, „Eszett“ und die drei Umlaute Ä, Ö, Ü.

Bislang werden vor allem Vornamen genutzt – und zwar 16 Männer- und nur sechs Frauennamen. Damit wäre schon das erste Problem benannt: „Das entspricht nicht der heutigen Lebensrealität“, teilte das Institut mit. Es sei außerdem nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen und dann auch noch geschlechtergerecht ausgewogen darzustellen. Städtenamen seien daher ein guter Kompromiss. Vor allem Gendergerechte Sprache ist immer wieder ein Streitpunkt, zuletzt eskalierte deshalb sogar ein Streit bei Audi*.

Neues Diktier-Alphabet in Deutschland: Städte statt Namen

Schon bald könnte es „Cottbus“ statt „Cäsar“ und „Iserlohn“ statt „Ida“ sowie „Tübingen“ statt „Theodor“ und „Stuttgart“ statt „Samuel“ heißen. 26 Städte in Deutschland können sich über die mögliche Aufnahme ihres Namens ins Buchstabier-Alphabet der Verwaltung freuen.

„Dann ist der Name unserer Stadt in aller Munde“, sagte ein Sprecher der Stadt Nürnberg, die künftig für den Buchstaben „N“ stehen könnte (statt „Nordpol“). Das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeitet an einer neuen Fassung der Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung mit Orts- statt Vornamen, wie die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Neues Buchstabier-Alphabet: Stuttgart und Tübingen in der engeren Auswahl

In dem Entwurf wird vor allem auf Orte gesetzt, die ein Autokennzeichen mit einem Buchstaben haben. Es wurde versucht, westdeutsche und ostdeutsche Bundesländer ausgeglichen auszuwählen. Chemnitz, Görlitz, Jena und fünf weitere der 26 Städte vertreten die Bundesländer in Ostdeutschland. Dazu kommt mit „Vogtland“ die einzige Region unter den Bezeichnungen sowie auch Berlin beim Buchstaben B.

Spitzenreiter mit sieben Städten – wie Essen, Köln und Wuppertal – ist Nordrhein-Westfalen, dahinter folgt Bayern mit vier – darunter München und Augsburg. Das Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt gehen nach derzeitigem Stand leer aus.

Bei „Eszett“und „Ypsilon“ bleibt es bei der einfachen Bezeichnung der Buchstaben. Die Umlaute heißen nicht mehr „Ärger“, „Ökonom“ und „Übermut“, sondern ganz einfach Umlaut-A, Umlaut-O und Umlaut-U.

Neue Buchstabiertafel in Deutschland: Diese Städte dürfen sich freuen

Viele Städte zeigen sich erfreut: „Vom damit verbundenen Bekanntheitsgrad würden wir als vergleichsweise kleine Stadt besonders profitieren“, hieß es aus dem baden-württembergischen Tübingen. „Die DIN 5009 wird gerade überarbeitet – und wir sind mit dabei“, freute sich auch Regensburgs zweite Bürgermeisterin Astrid Freudenstein in der Mittelbayerischen Zeitung.

„Wir sind überrascht, aber es ist doch schön, dass man an Unna gedacht hat“, sagte ein Sprecher der Stadt. Die Wahl dürfte dem Umstand geschuldet sein, „dass es nicht so viele Städte mit U gibt“. „Wenn es in den Sprachgebrauch übergeht, ist Xanten in aller Munde“, hieß es aus der Stadt in NRW. „O für Oldenburg klingt doch richtig gut und zwischen Nürnberg und Potsdam fühlen wir uns auch richtig gut aufgehoben“, sagte ein Sprecher der niedersächsischen Stadt.

Deutschland bekommt ein neues Diktier-Alphabet: Die historischen Hintergründe

Das DIN arbeitet schon seit vergangenem Herbst an den neuen Diktierregeln. Ausgelöst hat die Reform Michael Blume, Baden-Württembergs Antisemitismusbeauftragter. Ihn stört, dass in der aktuellen Tafel noch immer Relikte aus der Zeit der Nationalsozialisten stecken. Die hatten 1934 alle jüdischen Namen entfernt: Aus David wurde Dora, aus Nathan Nordpol, aus Samuel Siegfried.

Zwar wurde die Tafel nach 1945 einige Male überarbeitet. Doch Nathan blieb draußen, Nordpol drin – jetzt könnte daraus Nürnberg werden. Die Stadt teilte mit, gerade aus der Geschichte der Stadt heraus begrüße man den Vorstoß. Die Ende Juli vorgestellte Fassung mit den Ortsnamen ist ein Entwurf, Interessierte können sich noch mit Ideen und Kommentaren an das Deutsche Institut für Normung wenden. Eine endgültige Fassung wird Mitte 2022 erwartet. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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